Yad Vashem richtet in dieser Woche die größte Konferenz von Staatenlenkern aus, die jemals in der Gedenkstätte abgehalten wurde

Yad Vashem richtet in dieser Woche die größte Konferenz von Staatenlenkern aus, die jemals in der Gedenkstätte abgehalten wurde

Jerusalem bereitet sich auf hochkarätige Besucher vor

Das fünfte Welt-Holocaust-Forum in dieser Woche ist eine hochkarätig besuchte Konferenz, wie Israel sie noch nie erlebt hat. Fast 50 Delegationen werden erwartet - die Organisation steht nicht in Regierungsverantwortung, trotzdem ist diese stark involviert.

JERUSALEM (inn) – Inmitten der israelischen Regierungskrise wirft ein einmaliges Ereignis seine Schatten voraus: In dieser Woche tagt in Jerusalem das fünfte Welt-Holocaust-Forum. 45 Delegationen aus mehr als 40 Ländern werden erwartet. Etwa 800 Gäste werden am Donnerstag in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zur Hauptveranstaltung, einer dreistündigen Konferenz, erwartet. Das Welt-Holocaust-Forum wird anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz abgehalten und findet erstmals in Israel statt. Es steht unter dem Titel „An den Holocaust erinnern, Antisemitismus bekämpfen“.

Gegründet wurde das Forum 2005 unter der Schirmherrschaft von Vjatscheslaw Mosche Kantor, einem russischen Oligarchen, um an die Schrecken des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Die ersten vier Konferenzen wurden 2005 und 2010 im polnischen Krakau, 2012 im EU- Parlament in Brüssel sowie 2015 im tschechischen Prag und Theresienstadt abgehalten. Alle vier standen unter dem Motto „Lass mein Volk leben!“.

Die Schirmherrschaft zur Konferenz in Jerusalem hat Staatspräsident Reuven Rivlin übernommen. Für Mittwochabend lädt er zum Dinner in seine Residenz ein. Harel Tubi, Direktor des Beit HaNasi, der Präsidentenresidenz, erklärt vor Journalisten: „Als wir vor einigen Monaten begannen, dieses Ereignis zu planen, rechneten wir mit der Teilnahme von zehn bis 15 Staatschefs. Dass nun fast 50 Delegationen der Einladung gefolgt sind, freut uns sehr.“

Schuli Davidovitsch, Chefberaterin des Präsidenten für Auslandsangelegenheiten, merkt an: „Zweimal kamen in Israel viele Staatsoberhäupter zusammen: 1995 zur Beerdigung von Jitzchak Rabin sowie 2016 zur Beerdigung von Schimon Peres. Doch die Veranstaltung jetzt ist wesentlich größer. Dass zudem alle zusammen an einem Tisch sitzen, hat es in diesem Haus noch nie gegeben.“

Festliches Abendessen zum Auftakt

45 Staats- und Regierungschefs werden im Empfangssaal des Präsidenten das Festessen gemeinsam zu sich nehmen. Weil es ein vergleichsweise kleiner Saal ist, sind keine Ehepartner eingeladen und nur einzelne Mitglieder der israelischen Regierung. In zwei weiteren Zelten auf dem Gelände werden weitere 200 Gäste verköstigt. Davidovitsch macht deutlich: „Für uns ist dieses Ereignis eine große Herausforderung. Wir im Beit HaNasi arbeiten eng mit den Ministerien zusammen, sodass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist.“

Nach einer Eröffnungsrede von Rivlin soll als Repräsentant der Delegierten Felipe VI., der König von Spanien, eine Rede halten. Ein kurzes Impulsreferat über die Bedeutung des Holocaust und Antisemitismus wird der 93-jährige Holocaustforscher und Historiker Jehuda Bauer geben.

Polizeisprecher Micky Rosenfeld spricht von massiven Sicherheitsvorkehrungen: „Knapp 10.000 Sicherheitskräfte werden in den kommenden Tagen im Einsatz sein. Wir tun alles dafür, dass die Veranstaltung ohne Störungen ablaufen kann und die Staatschefs und anderen Teilnehmer der Konferenz sicher und pünktlich in Yad Vashem ankommen.“

Eine englische Eiche und ein russisches Denkmal

Neben dem Festessen des Präsidenten und der Tagung in der Gedenkstätte wird es weitere Termine geben. Der Präsident führt seit Dienstag und noch bis Freitag mit 25 Regierungschefs bilaterale Gespräche. Aus England ist Prinz Charles angereist. Er wird eine englische Eiche im Garten des Präsidenten pflanzen. Die Wahl des Baumes ist nicht zufällig - sein Vater, Prinz Philipp, hatte seinerzeit eine englische Eiche am Grab seiner Mutter Alice auf dem Ölberg von Jerusalem gepflanzt.

Am Donnerstag wird Russlands Präsident Wladimir Putin im Beisein von Rivlin und Premierminister Benjamin Netanjahu im Jerusalemer Stadtpark Sacher ein Denkmal einweihen. Dieses soll an das „Heldentum, die Soldaten und Einwohner erinnern, die während der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden“. Die achteinhalb Meter hohe Statue hat die Form einer Kerzenflamme.

Die Veranstaltung in Yad Vashem wird am Donnerstag live übertragen, es gibt eine deutsche Übersetzung. Jerusalemer Bürger werden seit Tagen über Verkehrsumleitungen informiert. In einzelnen Straßen gibt es ein Park-, in anderen nur ein Durchfahrtsverbot.

„Der Welt zeigen, dass wir Auschwitz überlebt haben“

Die etwa 500 angemeldeten Auslandsjournalisten sind am Mittwochabend von Jerusalems Bürgermeister Mosche Lion zu einer Cocktail-Party in der Zedekia-Höhle eingeladen. In einer ersten Fassung der Einladung war von einem DJ und einer „After-Party“ die Rede. Empfänger der Einladung zeigten sich befremdet: „Eine Party und ein DJ, um der Befreiung von Auschwitz zu gedenken?“ Gal, ein Israeli, nahm es mit Humor. Der Mittzwanziger ist Enkel von Holocaustüberlebenden: „Das ist eben der Unterschied zwischen Opfern und Tätern: In Polen dürfte man niemals zu so etwas einladen. Aber nun findet die Konferenz in Israel statt. Wir feiern das Leben!“

In einer späteren Fassung findet der DJ keine Erwähnung mehr, die erste Fassung sei aus Versehen versendet worden. Die Botschaft dieser Tage drückte Gal letztlich treffend aus: „Ob das Ereignis nun privat von einem russischen Oligarchen finanziert ist oder von öffentlichen Geldern, ist zweitrangig. Wichtig ist doch, dass wir der Welt zeigen, dass wir Auschwitz überlebt haben. Und dazu kommen Staatsführer aus aller Welt in unsere Hauptstadt Jerusalem. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!“

Von: mh

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