Manche Juden stellen Chanukkaleuchter vor ihre Häuser, um Gottes Wundertaten zu bekunden

Manche Juden stellen Chanukkaleuchter vor ihre Häuser, um Gottes Wundertaten zu bekunden

Von Fremdherrschaft und Wundern, von Lichtern und Öl

Das Lichterfest Chanukka beginnt in diesem Jahr am Abend des 22. Dezember, sodass am Heiligabend die dritte Kerze entzündet wird. Für den Ursprung des Festes gibt es verschiedene Erklärungen – und auch wenn er lange zurückliegt, ist es eins der beliebtesten Feste im jüdischen Volk.

Entzündete Kerzen in Fenstern sind ein typisches Bild, das sich in jüdischen Häusern abends zu Chanukka entdecken lässt. Doch wer in dieser dunklen Zeit durch Stadtviertel wie das ultra-orthodoxe Mea Schearim oder das urige Viertel Nachlaot geht, kann sich auch dem Geruch von gebackenem Fett nicht entziehen. Der hört Lieder, die von Wundern erzählen, die Gott seinem Volk getan hat. Das hebräische Wort Chanukka bedeutet Weihung oder Einweihung und bezeichnet die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem. Das Fest beginnt am 25. des Monats Kislew und fällt damit in der Regel in den Dezember.

Das jüdische Lichterfest Chanukka ist das einzige der großen Feste, das nicht in der Hebräischen Bibel erwähnt wird. Der Grund ist banal: Als das dem Fest zugrunde liegende Ereignis im Jahr 164 vor der Zeitrechnung stattfand, war die Zusammenstellung der Bibel bereits abgeschlossen. Auch im Neuen Testament wird das Ereignis lediglich in einem Nebensatz in Johannes 10 erwähnt: Es war „damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem, und es war Winter“. Doch in außerbiblischen Schriften, den beiden Makkabäerbüchern, findet sich ein Bericht, der von dem wunderbaren Sieg jüdischer Aufständler unter der Leitung von Judas Makkabäus über ihre griechischen Peiniger erzählt.

Der Kampfgeist der Makkabäer gilt vielen als Vorbild, sodass bis heute auch viele jüdische Sportvereine „Makkabi“ im Namen enthalten. Die rabbinische Tradition hingegen betont weniger den Kampfgeist, sondern weiß von einer Geschichte, die im Makkabäer-Bericht nicht erwähnt ist: Als Judas' Männer nach der Neueinweihung des Tempels die Menora, den siebenarmigen Leuchter, anzünden wollten, wurde nur ein Ölrest gefunden, der normalerweise für einen Tag reichen würde. Auf wundersame Weise reichte das Öl für ganze acht Tage aus, lang genug, um neues Öl pressen zu können. Chanukka erinnert an die Befreiung Jerusalems, die Wiedereinweihung des Tempels sowie die wunderbare Fürsorge Gottes, der den kleinen Ölrest acht Tage lang brennen ließ.

Die Chanukkia ist während der Festwoche in Israel allgegenwärtig

Die Chanukkia ist während der Festwoche in Israel allgegenwärtig

Der Schamasch, die Diener- oder Helferkerze, hat am neunarmigen Leuchter eine besondere Stellung: Er zündet acht Tage lang eine weitere Kerze am zum Fest gehörenden Leuchter, der Chanukkia, an. Der Segensspruch, der beim allabendlichen Kerzen-Anzünden gesprochen wird, enthält daher den Satz: „Gelobt seist du, unser Gott, König der Welt, der du Wunder an unseren Vorfahren getan hast, in jenen Tagen, zu jener Zeit.“ Dabei werden die Leuchter in Fenster oder in kleinen Glaskästen vor die Haustür gestellt, um das Wunder von Chanukka auch nach außen zu bezeugen.

Genug Öl, um Speisen zuzubereiten

Neben der Chanukkia haben sich als Festsymbole auch mit Buchstaben markierte Kreisel und Berliner Pfannkuchen durchgesetzt. Auch Kartoffelpuffer, sogenannte Latkes, erfreuen sich großer Beliebtheit. „So wie das Öl für den Tempelleuchter reichte, haben auch wir genug Öl, um unsere Speisen zuzubereiten“, erklären selbst säkulare Israelis fröhlich, wenn sie am Abend ihre Freunde einladen, um gemeinsam die Kerzen zu entzünden, Lieder zu singen und die von Öl triefenden Teigwaren zu essen.

In der Chanukka-Zeit sind überall Kreisel zu sehen. In Israel stehen auf vier Seiten die hebräischen Buchstaben Nun-Gimel-Heh-Peh: die Anfangsbuchstaben für den Satz „Ein großes Wunder ist hier geschehen“. In der Diaspora wird das Peh durch ein Schin ausgetauscht, der Satz heißt hier: „Ein Großes Wunder ist dort geschehen.“ Den Fantasien der Kinder sind für Kreisel-Spiele keine Grenzen gesetzt.

Die als „Dreidel“ bekannten Kreisel gibt es in vielen Farben

Die als „Dreidel“ bekannten Kreisel gibt es in vielen Farben

Chanukka ist im modernen Israel kein gesetzlicher Feiertag, sodass Läden geöffnet sind und der öffentliche Verkehr fährt. Kinder haben jedoch Schulferien und viele Firmen widmen einen Spätnachmittag der Woche dem gemeinsamen Kerzenanzünden im Kreise der Kollegen. Auch Stadtverwaltungen stellen an öffentlichen Plätzen große Leuchter auf, die mit Fackeln bestückt sind oder auch elektronisch entzündet werden.

Aufstand gegen brutale Herrschaft der Hellenisten

Historiker sind sich einig, dass mit dem 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die meisten Juden Judäas, und besonders die Eliten, stark von der hellenistischen Kultur beeinflusst waren. Im Jahr 175 erkaufte sich Jason, ein Bruder des Hohepriesters in Jerusalem, vom Seleukidenherrscher Antiochos IV. den Titel des Hohepriesters. Innerhalb kurzer Zeit sorgte er dafür, dass Jerusalem einen immer griechischeren Charakter bekam. Sein Rivale Menelaus wollte den Titel ebenfalls erkaufen und plünderte den Tempel. Es gab einen Aufruhr der traditionell lebenden Juden, woraufhin Antiochus Jerusalem plündern sowie Tausende Juden töten und versklaven ließ. Außerdem verbot er das Judentum und seine Gebote. Er entweihte den Tempel beispielsweise durch die Weihung an den griechischen Gott Zeus, er errichtete heidnische Kulte darin und zwang Juden, sich diesen anzuschließen.

Der Priester Matitjahu aus Modi’in rebellierte gegen die Dekrete des Seleukidenkönigs und kämpfte dafür, nach den Geboten des Judentums leben zu dürfen. Er und seine Anhänger töteten die hellenistischen Streitkräfte und flohen in die nahe gelegenen Berge. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Judas Makkabäus die Führung der Rebellen. Er siegte über die seleukidischen Besatzer und eroberte 164 vor der Zeitrechnung Jerusalem.

Trauer über entweihten Tempel

Einem Kriminalroman gleichend sind die Ereignisse in den Makkabäerbüchern geschildert. In 1. Makkabäer 4 ist der Hintergrund für das Tempelweihfest beschrieben: „Judas aber und seine Brüder sprachen: Unsre Feinde sind verjagt. So lasst uns hinaufziehen und das Heiligtum reinigen und von Neuem weihen! Darum sammelte sich das ganze Kriegsvolk, und sie zogen zum Berg Zion. Und als sie sahen, wie das Heiligtum verwüstet, der Altar entheiligt, die Tore niedergebrannt waren und dass der Platz mit Unkraut bewachsen war wie ein Wald oder Gebirge und die Zellen der Priester zerstört waren, da zerrissen sie ihre Kleider und hielten eine große Klage, streuten Asche auf ihr Haupt, warfen sich nieder auf ihr Angesicht und bliesen die Trompeten und schrien zum Himmel.“

Die Geschichte beschreibt, wie Judas und seine Anhänger den entheiligten Brandopferaltar niederrissen und das Heiligtum von ausgewählten reinen Priestern den jüdischen Vorschriften gemäß reinigen ließen. Weiter, so heißt es im außerbiblischen Bericht, „bauten sie einen Altar ganz so, wie der frühere gewesen war. Und sie bauten das Heiligtum wieder auf und weihten das Innere des Hauses und die Vorhöfe.“

Speisen, die mit Öl zubereitet werden, symbolisieren das Chanukka-Wunder

Speisen, die mit Öl zubereitet werden, symbolisieren das Chanukka-Wunder

Die Tempelweihe wird ab Vers 51 wie folgt beschrieben: „Und als sie alle Arbeiten, die sie ausführten, vollendet hatten, erhoben sie sich früh am Morgen des fünfundzwanzigsten Tages des neunten Monats, der Kislew heißt im 148. Jahr (Dezember 165) und opferten nach dem Gesetz auf dem neuen Brandopferaltar, den sie aufgerichtet hatten. Zur gleichen Zeit und am gleichen Tage, an dem die Heiden ihn entweiht hatten, wurde er wieder geweiht mit Gesang und mit Zithern Harfen und Zimbeln. Und alles Volk fiel nieder auf das Angesicht, betete an und lobte den Himmel, der ihnen den Weg bereitet hatte. Und sie feierten die Weihe des Altars acht Tage lang und opferten mit Freuden Brandopfer, Dankopfer und Lobopfer… es herrschte sehr große Freude im Volk, dass die Schande von ihnen genommen war, die ihnen die Heiden angetan hatten. Und Judas und seine Brüder und die ganze Gemeinde Israel beschlossen, dass man jährlich vom fünfundzwanzigsten Tage des Monats Kislew an acht Tage lang das Fest der Weihe des Altars mit Freude und Fröhlichkeit behalten solle.“

Licht in der Welt sein

Die Toralesung für den Schabbat vor dem 25. Kislew ist der Wochenabschnitt Vajeschev aus 1. Mose 37-40. Dieser erzählt die Geschichte von Josef in Ägypten. Messianische Juden und Christen betrachten Josef als Bild für Jesus. Beide wurden von ihrem Volk verstoßen und nicht erkannt. Manche Christen sehen darin ein Zeichen, doch für messianische Juden sind die Weihnachtsbräuche fremd. Eine junge Frau sagt: „Natürlich feiern wir Chanukka. Darin erkennen wir die Größe Gottes, Wunder zu tun und sein Volk aus der Sklaverei zu befreien. Die entzündeten Lichter sind Zeichen dafür, dass auch wir durch Jeschua dazu aufgerufen sind, Licht in der Welt zu sein.“

Von: mh

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