Eine Staatskarosse: Der Autobauer Ford sorgte dafür, dass der erste israelische Präsident Weizman ein Gefährt hatte

Eine Staatskarosse: Der Autobauer Ford sorgte dafür, dass der erste israelische Präsident Weizman ein Gefährt hatte

Ford – vom Antisemitismus zum Zionismus

Dies ist die Geschichte des Autoherstellers Ford, von dem über die Generationen bereits Fluch und Segen für Israel ausging. Inzwischen kommt ihm das Fachwissen in Israel zugute.

Henry Ford, der Autobauer, Gründervater und Revolutionär der industriellen Produktion, hatte auch zu Lebzeiten starken Einfluss auf die Öffentlichkeit. Nicht nur, weil er reich und berühmt war, sondern auch, weil er im Jahr 1918 die Lokalzeitung seiner Heimatstadt, „The Dearborn Independent“, aufkaufte und darin publizierte. Unter anderem veröffentlichte er eine judenfeindliche Serie unter dem Titel „The International Jew“ (Der Internationale Jude).

Die Professorin für amerikanisch-jüdische Geschichte, Hasia Diner, vermutet Fords antisemitische Prägung in seiner Kindheitsgeschichte. Sie wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in den 1870er Jahren „den Juden“ alle möglichen Zuschreibungen gemacht wurden, wie zum Beispiel: „Die Juden“ haben Christus getötet, „die Juden“ verdienen Geld durch den Krieg, „die Juden“ betrügen bei Geschäften und viele mehr.

Laut Diner ist Ford in einer Welt aufgewachsen, die ihm nur bestimmte Informationen über Juden bot. Vielleicht habe er in der Kirche im Zusammenhang mit der Kreuzigung von ihnen gehört, oder von jemandem, der sich über den Preis in einem jüdischen Geschäft beschwerte. Der Antisemitismus kam demnach sowohl von den Eliten als auch vom Populismus in den unteren Schichten. Er kam „von Links und von Rechts“.

Der Revolutionär der Fließband-Produktion Henry Ford hat antisemitische Hetze verbreitet

Der Revolutionär der Fließband-Produktion Henry Ford hat antisemitische Hetze verbreitet

Ford schrieb Artikel, die in jedem erdenklichen Kontext die Juden als das „Übel“ Amerikas und der Welt darstellten. Seine Zeitung zitierte auch aus den „Protokollen der Weisen von Zion“, welche den Juden eine Geheimverschwörung mit internationaler Kontrolle unterstellen. Diese Artikel wurden wiederum von anderen Zeitungen aufgegriffen und zitiert. Er erreichte somit eine hohe Bandbreite an Lesern. Einige seiner Schriften wurden ins Deutsche übersetzt und fanden dort großen Anklang. Auch Adolf Hitler wurde auf ihn aufmerksam.

Die Wende

Etwa 50 Jahre später wurde „The Dearborn Independent“ eingestellt. Henry Ford II., der seinen Großvater gar nicht mochte, seit 1945 aber die Geschicke des Autobauers leitete, versuchte, es besser zu machen. Schon kurz nach der Unabhängigkeit Israels hatte er ein Handelsabkommen zur Verschiffung von Autoteilen abgeschlossen. Das half dem jungen Staat, die Transportkrise zu vermindern. Da Israel kaum über Bahnverbindungen verfügte, war der junge Staat fast komplett auf Lastkraftwagen als Transportmittel angewiesen. 1972 besuchte er das vier Jahre zuvor eröffnete Ford-Werk in Nazareth Illit.

Neben einem guten Geschäft witterte Ford Junior auch die Möglichkeit, den Antisemitismusvorwürfen seines Großvaters zu begegnen. Henry Ford II. persönlich schenkte dem ersten Präsidenten Israels, Chaim Weizmann, einen „Ford Lincoln Cosmopolitan“. Der einzige andere Empfänger dieses Sondermodells war der US-Präsident Harry S. Truman. Ford Junior wurde im Jahr 1950 durch eine Spende von 50.000 Dollar an die „United Jewish Appeal“ (UJA) zum Top-Geber der ersten christlichen Spendenkampagne an Israel überhaupt.

Im Jahr 1976 löste Ford II. sein Versprechen ein, ein Montagewerk in Israel zu bauen und Geschäfte mit dem israelischen Staat zu machen. Dabei hielt er der Boykottgefahr, trotz lukrativen Angeboten aus der arabischen Welt, stand. Die Boykotte wurden wirksam, und dennoch rollten in Nazareth Autos vom Band. Dazu soll Ford die Aussage getätigt haben: „Keiner kann mir sagen, was ich tun soll.“ Das Montagewerk schaffte es zu diesem Zeitpunkt, drei Autos am Tag zu produzieren. Es gab Pläne, die Produktion auf acht Autos pro Tag zu steigern.

Bis zum Jahr 1971 gingen insgesamt 15.000 Fords vom Typ „Escort“ vom Band. 1975 musste Ford dem Druck der Boykotte dann doch nachgeben. Das Werk wurde mit der Feststellung geschlossen: „Wir werden weiterhin Geschäfte in Israel machen und wenn wir können, ebenso in einem arabischen Land. So, dass wir Geschäfte auf beiden Seiten machen.“ Ein umgekehrter Boykott gegen die arabischen Länder sei keine Option. Niemand würde eine solche Maßnahme ernst nehmen.

Generationendilemma

Der alte Henry Ford sagte einmal: „Von allen Dummheiten, denen die ältere Generation zum Opfer fällt, ist das die dümmste. Nämlich das konstante Kritisieren der jüngeren Generation, welche nicht so sein wird und nicht so sein kann wie wir.“

Mit dieser Aussage hatte der alte Ford nicht unrecht. Die Generation nach ihm war anders als er, was das Verhältnis zu den Juden angeht. Es gab einen Wandel innerhalb einer Generation. Vom Antisemitismus zum Zionismus. Die jüngste Generation, welche zur Zeit die Firma leitet, blieb auf dem Kurs, den Ford II. eingeschlagen hatte. Bill Ford, der aktuelle Chef der Ford Motor Company, gründete 2019 ein Ford-Forschungszentrum in Tel Aviv.

Von: Stephan Mannl

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