Obdachloser Israeli (Archivbild)

Obdachloser Israeli (Archivbild)

Ein Viertel der Israelis lebt in Armut

Im jüdischen Staat ist Armut weit verbreitet – besonders unter Kindern. Sozial-Organisationen schlagen Alarm.

JERUSALEM (inn) – Armut stagniert in Israel während der vergangenen sechs Jahre auf einem hohen Niveau und ist zuletzt sogar leicht gestiegen. Das besagt der Armutsbericht der Sozial-Organisation Latet (Geben). Demzufolge leben 2,3 Millionen Israelis und damit 25,5 Prozent der Bevölkerung in Armut. Eine Million von ihnen sind Kinder. Das heißt, dass unter Kindern sogar ein Drittel von Armut betroffen ist.

Zudem zeigt der Report, auf was Sozialhilfeempfänger verzichten müssen: 87 Prozent der Familien können ihren Kindern keine Nachhilfestunden und außerschulische Bildung ermöglichen. 59 Prozent der Familien gaben an, ein oder mehrere Kinder unter drei Jahren aus Geldgründen nicht in die Kinderkrippe zu geben. Die staatliche Kinderbetreuung beginnt in Israel erst ab drei Jahren.

Der „Alternative Armutsbericht“ von Latet versteht sich als Gegenstück zum Armutsbericht der Regierung, den die staatliche Sozialversicherung Bituach Le'umi herausgibt. Dieser betrachtet nur das Einkommen. Latet hingegen untersucht fünf Bereiche: Wohnsituation, Bildung, Gesundheit, Lebensmittelversorgung und die Fähigkeit, Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Der Regierungsbericht für 2018 wird erst am Ende dieses Monats veröffentlicht. Der Vorjahresbericht hatte 21 Prozent der israelischen Bevölkerung und 29,6 Prozent der Kinder als arm eingestuft. Die Zahlen fielen somit niedriger aus als die von Latet.

Kritik an Regierung

Der Geschäftsführer von Latet, Eran Weintrob, übt harsche Kritik an der israelischen Regierung: „Ständige Neuwahlen, ein handlungsunfähiges Parlament und eine Übergangsregierung, die keine großen Beschlüsse fassen kann, haben uns ein ganzes Jahr gekostet.“ Er fügt hinzu: „Ohne einen Regierungsplan und langfristige Strategien kann Armut nicht überwunden werden.“

Um auf das Versagen der Politik aufmerksam zu machen, verkaufte die Organisation gegen eine Spende von 10 Schekeln (rund 2,60 Euro) auf dem Tel Aviver Wochenmarkt symbolische Konservendosen. Auf ihnen waren die Gesichter verschiedener israelischer Politiker, wie etwa das von Premierminister Benjamin Netanjahu, zu sehen. Bei den „Inhaltsangaben“ stand: „Voller Konservierungsstoffe“. Die leeren Dosen sollten verdeutlichen, dass die Politiker die Armut im Land „konservieren“. Latet fungiert als Dachverband für über 180 lokale Organisationen, betreibt die größte Tafel in Israel und unterstützt mehr als 60.000 Bedürftige.

Von: tk

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