Die israelische Armee bemüht sich seit Jahren darum, Ultra-Orthodoxe für den Dienst zu gewinnen

Die israelische Armee bemüht sich seit Jahren darum, Ultra-Orthodoxe für den Dienst zu gewinnen

Weniger Ultra-Orthodoxe leisten Militärdienst

Die Rekrutierungszahlen von ultra-orthodoxen Männern bei der israelischen Armee sind gesunken. Das Israel-Demokratie-Institut macht dafür die gesetzliche Lage verantwortlich.

TEL AVIV (inn) – Im Jahr 2018 haben sich weniger Ultra-Orthodoxe zum Wehrdienst gemeldet als in den Jahren zuvor. Im Vergleich zu 2017 ist die Zahl um 20 Prozent gesunken. Nach Angaben der Zeitung „Ha‘aretz“ zeigen Statistiken der Armee, dass sich 2.440 Ultra-Orthodoxe im Jahr 2018 zum Militär gemeldet haben. Im Jahr davor waren es 3.070 Rekruten. Damit sank die Anzahl zum ersten Mal seit dem Jahr 2007.

Für das Jahr 2018 hatten Regierung und Armee 3.200 Rekruten als Zielwert festgesetzt. Das wurde den aktuellen Zahlen zufolge um fast 800 Rekrutierungen verfehlt. Auch in Anbetracht der jährlich um circa vier Prozent wachsenden Gemeinschaft sei der Wert sehr niedrig, gibt „Ha’aretz“ zu bedenken. Zu erwarten wäre eigentlich ein leichter, aber stetiger Anstieg der Rekrutierungszahlen.

Im Jahr 2007 hatte die Regierung das Spezialprogramm „Schahar“ ins Leben gerufen, um Ultra-Orthodoxe für den Armeedienst zu gewinnen. Das Programm bildet die Strenggläubigen als technisches Personal aus. Dann können sie in der Luftwaffe, Marine, beim Nachrichtendienst oder in anderen Abteilungen zum Einsatz kommen. Dabei ist es den Soldaten erlaubt, über Nacht nach Hause zu gehen.

„Ha'aretz“ berichtet jedoch auch, dass die Rekruten laut einer Studie während ihrer Dienstpflicht weder berufliche Fähigkeiten noch Aussichten auf einen Job erlangten. Viele fühlten sich nur „benutzt und dann weggeworfen“. Nur fünf Prozent der Wehrdienstleistenden stuften den Dienst als hilfreich für die Berufsfindung ein. Das Programm erntete insgesamt viel Kritik von der ultra-orthodoxen Gemeinschaft.

Druck durch Sanktionen

Der Politikwissenschaftler Gilad Malach, der Leiter des Programms „Ultra-Orthodoxe in Israel“ am Israel-Demokratie-Institut, sieht die Gesetzeslage als Grund für den Rückgang. Nach wie vor fehle ein Gesetz für die Wehrpflicht von Ultra-Orthodoxen. Ein neues Gesetz, das schrittweise steigende Rekrutierungszahlen und wirtschaftliche Sanktionen für Toraschulen beinhalte, würde die Bereitschaft zum Armeedienst erhöhen.

Die ultra-orthodoxe Gemeinschaft ist nach Malachs Erkenntnissen gewillt, ein neues Gesetz zu akzeptieren. Sie hätten verstanden, dass die Einziehungen die „wirklichen Jeschiva-Studenten“ nicht betreffe. Viele würden in der Armee als ultra-orthodox eingestuft, obwohl sie bereits vor der Einziehung die Toraschule verlassen hätten.

Nach den gesetzlichen Regelungen hätte das Verteidigungsministerium bereits vor einigen Monaten die Daten zu den Rekrutierungen veröffentlichen sollen. Die Direktion für Arbeitskräfte der Armee hielt diese laut dem Bericht jedoch bisher geheim. Die Zeitung „Ha'aretz“ erhielt die Daten auf Anfrage.

Update

Laut einem Bericht des öffentlichen Rundfunks „Kan“ am Dienstagabend hat die Armee über mehrere Jahre geschönte Zahlen veröffentlicht. Laut der Statistik haben sich im Jahr 2017 rund 3.100 zum Dienst gemeldet, tatsächlich seien es 1.300 gewesen. Bei der Bestandsaufnahme wurden demnach auch weniger religiöse und sogar nicht-religiöse Soldaten mitgezählt. Oberstleutnant Telem Hasan leitete im Jahr 2018 die Einheit für ultra-orthodoxe Soldaten. Nach der jährlichen Personalermittlung sei er darum gebeten worden, die Zahlen „aufzurunden“, um mit den bereits geschönten Zahlen der Vorjahre übereinzustimmen. In den Jahren zuvor soll es ähnliche „Aufrundungen“ gegeben haben, 2011 etwa von 600 auf 1.200.

Die israelische Armee habe inzwischen zugegeben, dass ihnen bei den Zählungen in den vergangenen Jahren „Fehler“ unterlaufen seien. Den Vorwurf einer „systematischen Fälschung“ weist sie jedoch zurück. Auch die Zahlen für das Rekrutierungsjahr 2018 stünden noch nicht final fest.

Von: stm

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