Zu dem priesterlichen Segen kamen Israelis aus allen Teilen des Landes

Zu dem priesterlichen Segen kamen Israelis aus allen Teilen des Landes

Aaronitischer Segen an der Westmauer

Hunderte von Priestern haben am Mittwochmorgen den priesterlichen Segen gespendet. Etwa 40.000 Menschen aus dem In- und Ausland kamen dazu an die Klagemauer.

JERUSALEM (inn) – In jedem Morgengebet segnen Angehörige der Cohanim, des Priestergeschlechts, die jüdische Gemeinde. Seit 1970 geschieht das zweimal jährlich unter großem Interesse der Öffentlichkeit an der Klagemauer.

Geleitet wird der Segen derzeit von den beiden Oberrabbinern David Lau und Jitzchak Josef, sowie dem für die Klagemauer zuständigen Rabbiner Schmuel Rabinovitsch. Am Mittwochmorgen nahm auch wieder der Botschafter der USA, David Friedman, am Priestersegen teil. Auch er ist Cohen und hatte in der Vergangenheit von „einem großen Vorrecht“ gesprochen, ein Cohen zu sein „und eine Gelegenheit zu erhalten, das Volk Israel von der Klagemauer aus zu segnen“.

Der Birkat Cohanim, der Priestersegen, ist in 4. Mose 6 festgeschrieben. Als das Volk Israel in der Wüste lagerte, redete Gott mit Mose darüber, dass Aaron und seine Nachkommen Israel segnen sollten: „Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Die Cohanim wiederholen die Worte des jüdischen Kantors

Die Cohanim wiederholen die Worte des jüdischen Kantors

Wenn die Cohanim den Segen aussprechen, bedecken sie ihre Köpfe und den Oberkörper mit dem Gebetsschal, erheben ihre Arme und stehen mit dem Rücken zur Gemeinde, in Richtung des Toraschreins. Der Kantor liest jedes einzelne Wort vor und die Cohanim wiederholen es. Weil der Segen aus drei Versen besteht, wird er auch als der „dreifaltige Segen“ bezeichnet.

„Warum sollten wir den Segen nicht mit Nichtjuden teilen?“

Die jüdische Tradition erwähnt Rabbi Jehuda HaChassid und sein Buch „HaChassid“, das er vor circa 700 Jahren schrieb. Dort wird von einer Zeremonie auf dem Ölberg gesprochen: „Wenn 300 Cohanim auf dem Ölberg stehen und den Priestersegen sprechen, wird der Messias ganz sicher kommen.“ Im Jahr 1970, während des Zermürbungskrieges, erinnerte sich Rabbiner Menachem Mendel Gafner mit seinen Freunden an diese Überlieferung. Sie überlegten, ob sie die öffentliche Segnung auf dem Ölberg oder an der Klagemauer abhalten sollten. Sie entschieden sich für die Klagemauer. Seitdem wird dort der Segen zu den Halbfeiertagen von Pessach und Sukkot über Lautsprecher übertragen.

Rabbi Gafner erinnerte an die Erneuerung der Pessachfeier unter König Hiskia. In 2. Chronik 30 steht im letzten Vers: „Und die Priester und die Leviten standen auf und segneten das Volk, und ihre Stimme wurde erhört, und ihr Gebet kam in Gottes heilige Wohnung im Himmel.“ Auch wenn der Segen zunächst den Juden zugesprochen ist, kommen auch viele Nichtjuden, um sich durch die Priester segnen zu lassen. Ein ultra-orthodoxer Jude sagt: „Die Priester sind die Gesandten Gottes. Durch sie empfangen wir seinen Segen. Warum sollten wir diesen nicht auch mit Nichtjuden teilen?“

Große Freude im Himmel

Ein anderer Pilger ist Juval, er ist aus dem Norden des Landes gekommen: „Der heiligste Ort im Judentum ist Jerusalem. Und in Jerusalem natürlich der Platz des ehemaligen Tempels. Die Westmauer ist dem Allerheiligsten am nächsten und wenn du es geschafft hast, hier, an der Klagemauer, diesen Segen zugesprochen zu bekommen, heißt das, dass eine große Freude im Himmel über dich herrscht“, sprudelt der fünffache Familienvater vor Freude. „Als ich meinem Sohn erzählte, dass wir zum Priestersegen nach Jerusalem fahren, fiel es ihm gar nicht schwer, früh aufzustehen und die lange Fahrt anzutreten.“

Der neunjährige Jakir nickt zustimmend, und sein Vater erklärt weiter: „Wenn dieser Segen laut über dem ganzen Volk ausgesprochen wird, hat das eine Wirkung für das Volk und für jeden Einzelnen. Der Segen bringt Frieden, sowie geistlichen und materiellen Wohlstand.“

Rut und Eitan sind aus Netivot gekommen: „Wir sind etwa zwei Stunden gefahren. Unsere vier Kinder haben wir zu Hause gelassen, hier ist zu viel los.“ Dass sie zu spät gekommen sind und den Segen verpasst haben, stört die jungen Leute nicht: „Ja, gerne hätten wir den Priestersegen empfangen, aber wir sind doch trotzdem nun zum Laubhüttenfest in Jerusalem. Gott hat uns schon gesegnet. Chag sameach, frohes Fest.“

Von: mh

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