Israelis auf der jährlich stattfindenden Homosexuellen-Parade in Jerusalem (Archivbild)

Israelis auf der jährlich stattfindenden Homosexuellen-Parade in Jerusalem (Archivbild)

Viele Festnahmen bei Schwulenparade

Für die einen bedeutet es Sodom und Gomorra, für die anderen Verteidigung von Gerechtigkeit und Menschlichkeit: Der „Gay Pride”-Marsch in Jerusalem hat die Stadt einmal mehr gespalten. Die Polizei griff hart durch.

JERUSALEM (inn) – Knapp 15.000 Menschen haben am Donnerstag in Jerusalem für Homosexuellen-Rechte demonstriert. Es war bereits die achtzehnte jährliche sogenannte „Gay Pride Parade“ in der israelischen Hauptstadt. Sie wurde von erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und 49 Festnahmen begleitet. Im religiös-konservativ geprägten Jerusalem ist die Veranstaltung hochumstritten.

Die Polizei setzte 2.600 Beamte ein, 100 mehr als im vergangenen Jahr. Sie kündigte an, entschlossen gegen jedwede Störung der Parade vorzugehen. Schon am Donnerstagmorgen teilte die Polizei mit, präventiv zwei Menschen festgenommen zu haben. Wenige Stunden vor Beginn verhafteten die Beamten einen weiteren Mann, der ein Messer mit sich führte und sich nicht ausweisen wollte. 2015 hatte der ultra-orthodoxe Jischai Schlissel die 16-jährige Schira Banki erstochen. Zahlreiche weitere Festnahmen gab es laut der Zeitung „Yediot Aharonot” am Nachmittag während der Parade.

Vor einigen Monaten solidarisierte sich die Polizei mit der LGBTQ-Gemeinschaft, indem sie mitteilte, auch Transgender als Polizisten zu rekrutieren. Zu der Parade erschien auch der am Mittwoch ernannte erste offen homosexuelle Minister Amir Ochana erschien zu der Parade. Dort schlug ihm jedoch Ablehnung entgegen. Unter Pfiffen und Buh-Rufen schrieen Demonstranten, die seine Likud-Partei für zu rechts halten, „Schande, Schande“ und „Was haben Sie je für unsere Gemeinschaft getan?“ Der neue Justizminister entgegnete: „Obwohl Sie gegen mich protestieren, bin ich froh, dass Sie alle hier sind.“

„Sie machen Jerusalem zu Sodom“

Es gab eine Gruppe von etwa 150 Gegendemonstranten, die die ultrarechte Organisation Lehava zusammengetrommelt hatte. Ihr Anführer Benzi Gopstein sagte in einem Statement über die Gay-Pride-Befürworter: „Das Ziel dieses Marsches ist es, die Werte der jüdischen Familie aufzulösen und Jerusalem und ganz Israel in Sodom zu verwandeln.“ Die Parade nannte er „LGBT-Terrorismus“. Eine andere rechte Gruppe hatte im Vorfeld Werbeschilder für die traditionelle Familie aufhängen lassen. „Vater und Mutter = Familie. Der Mut, normal zu sein“, stand darauf. Die Plakate wurden auf Anweisung des Bürgermeisters Mosche Lion abgehängt. Außerdem hatte der Jerusalemer Oberrabbiner Arje Stern gebeten, keine Regenbogenflaggen aufzuhängen, weil diese die „Stadt verschandeln“.

Der Vater der 2015 erstochenen Schira Banki rief hingegen dazu auf, an der Demonstration teilzunehmen. „Wenn die Guten still bleiben und zu Hause sitzen, werden die Bösen das Haupt erheben“, erklärte er. Die Teilnehmerzahl fiel jedoch deutlich niedriger aus als erwartet. Die Polizei hatte mit 30.000 Protestierenden gerechnet. 2016 nahmen 25.000 Menschen teil, selbst im vergangenen Jahr waren es mit 15.000 etwas mehr als dieses Mal.

Von: tk

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