Die Gedenkveranstaltung stand unter dem Motto „Jeder Mensch hat einen Namen“

Die Gedenkveranstaltung stand unter dem Motto „Jeder Mensch hat einen Namen“

Rivlin warnt vor Antisemitismus in Europa

Der israelische Holocaust-Gedenktag steht im Zeichen zunehmenden Antisemitismus. Staatspräsident Rivlin sieht die „Geister der Vergangenheit“ in Europa aufkommen. Regierungschef Netanjahu verwehrt sich gegen Verunglimpfungen Israels.

JERUSALEM / KRAKAU (inn) – Die Menschen in Israel haben am Donnerstag des Holocaust gedacht. Um 10 Uhr Ortszeit erklangen landesweit Sirenen. Währenddessen kam das Leben zum Stillstand. Auf den Straßen hielten die Autos an, die Insassen stellten sich neben ihre Wagen. Am Strand von Tel Aviv unterbrachen Volleyballer ihr Spiel. Der „Tag des Gedenkens an Scho'ah und Heldentum“ gilt den Opfern des Holocaust und den jüdischen Untergrundkämpfern während der Judenverfolgung unter den Nazis.

Bereits am Mittwochabend nahm Staatspräsident Reuven Rivlin den Gedenktag zum Anlass, vor Allianzen mit rechten Politikern in Europa zu warnen. Rivlin sprach auf der zentralen Veranstaltung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. In Europa träten derzeit wieder die „Geister der Vergangenheit“ auf, sagte er. „Vorstellungen von Überlegenheit, nationaler Reinheit, Angst vor Fremden und unverhohlener Antisemitismus von links und rechts schweben über Europa“, sagte er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte in seiner Ansprache die „systematische, unehrliche Verunglimpfung Israels“. Als Beispiel nannte er eine Karikatur, die in der Woche zuvor in der internationalen Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ erschienen war. Die Veröffentlichung rief Kritik in aller Welt hervor. Die Verantwortlichen entschuldigten sich wenige Tage später für die Veröffentlichung.

Unterdessen erinnerten am Donnerstag in Polen etwa 15.000 Menschen an den Holocaust beim „Marsch der Lebenden“. Die Gedenkveranstaltung am ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz bei Krakau fand zum 31. Mal statt. Delegationen aus 50 Ländern nahmen daran teil. Traditionell laufen auch Überlebende mit. Ziel der Veranstaltung ist es, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und die Beziehungen zu Israel zu stärken.

Studie belegt zunehmende Judenfeindlichkeit

Die Erinnerung an den Holocaust steht im Zeichen ansteigender Judenfeindlichkeit. Erst am vergangenen Samstag schoss ein Amerikaner auf Juden in einer Synagoge in Kalifornien. Er tötete dabei eine Frau und verletzte zwei Personen, die wegen der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen aus Israel emigriert waren.

Eine Studie der Universität Tel Aviv beklagt zunehmenden Antisemitismus von offizieller Seite in vielen Weltgegenden. So vergleiche der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan Israel oft mit Nazi-Deutschland. Seine Gegner wiederum würden ihn als „Juden“ bezeichnen, um ihn zu verunglimpfen. Bei Beamten in Polen und Ungarn sei ebenfalls antisemitisches Gedankengut festzustellen. Die ukrainische Stadt Lwiw (Lemberg) habe etwa eine Demo mit Nazi-Uniformen zugelassen. In Venezuela werde unter Führung des umstrittenen Präsidenten Nicolas Maduro Antisemitismus durch den Staat und seine Einrichtungen gefördert.

Von: df

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