Die Synagogenbesucher im Stadtteil Schapira sind verärgert über die Verwarnung

Die Synagogenbesucher im Stadtteil Schapira sind verärgert über die Verwarnung

Synagoge soll auf Lautsprechermusik vor Schabbat verzichten

Die Stadt Tel Aviv-Jaffa verwarnt eine Synagogengemeinde. Anlass ist die Lautsprechermusik, die freitags den Schabbat ankündigt. Anwohner vermuten den Wahlkampf hinter der Maßnahme.

TEL AIVV (inn) – Im Süden der Küstenmetropole Tel Aviv ist ein Streit um die Sirene entbrannt, die den Beginn des wöchentlichen Ruhetages ankündigt. Dabei sind im Stadtviertel Schapira fünf Minuten lang Schabbatlieder über Lautsprecher zu hören. Die Stadtverwaltung hält dies für unzulässige Lärmbelästigung – und hat die Vorsteher der „Jeschuat Israel“-Synagoge verwarnt.

Am Donnerstag übergaben Vertreter der Aufsichtsbehörde ein entsprechendes Schreiben an die Verantwortlichen der Gemeinde. Dieses enthält eine Warnung vor strafrechtlichen Prozessen. Die Musik wird als eine Handlung angeprangert, „die Störung, Belästigung oder Unbehagen in der Straße verursachen kann“. Gottesdienstbesucher und Anwohner befürchten, dass die Aktion Teil der Kampagne für die Kommunalwahlen in etwa zweieinhalb Monaten ist.

Rabbi Michael Arbow sagte der Tageszeitung „Yediot Aharonot“, beim Abspielen der Musik am Freitagabend sei nichts Ungesetzliches. „Bei allem, von dem ein Geruch nach Judentum ausgeht, gibt es Leute, die es stört. Wir fühlen uns wirklich verfolgt“, ergänzte er. Solange es kein offizielles Verbot gebe, würden sie weiter Musik über Lautsprecher hören lassen. „Alle hier sind zufrieden und froh, dass es hier eine Atmosphäre von Schabbat und Judentum gibt.“

Vorwurf: Kritiker wollen jüdische Elemente entfernen

Im Stadtrat sitzt auch der Politiker der ultra-orthodoxen Schass-Partei, Natan Elnatan. Er warf Bürgermeister Ron Huldai (Avoda) vor, „den Launen der extremsten Linken nachgegeben“ zu haben. Damit verletze er die Öffentlichkeit derjenigen, die sich an die Tradition halten. Er wolle dadurch diejenigen gewinnen, die sich das Ziel gesteckt hätten, „jede jüdische Zutat aus der ersten hebräischen Stadt zu reißen“. Gegen den Muezzin, der Leute um 4 Uhr morgens wecke, werde kein Zwang ausgeübt.

Ein Bewohner sagte der Zeitung: „Es handelt sich um nur fünf Minuten Musik, aber es gibt Leute, die es stört, dass es hier eine Synagoge gibt, dass es Psalmengesänge gibt und dass Kinder an Schabbatot Psalmen sprechen.“

Die Stadtverwaltung reagierte auf die Kritik: „Die Stadt Tel Aviv-Jaffa handelt im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse, um jegliche Lärmbelästigung zu verhindern, die eine Störung für Leute darstellt, ob es von einer Kirche, einer Synagoge oder einer Moschee herrührt. Gleichzeitig hat der Bürgermeister den Vorsitzenden des religiösen Rates gebeten, sich an die Repräsentanten der Synagoge zu wenden.“ Damit sollten Lösungen gefunden werden, die von allen Bewohnern gestützt würden. Tel Aviv wolle den Geist der Toleranz und Freiheit, der die Stadt kennzeichne, wahren. Bereits im Jahr 2011 hatte eine Synagoge im Tel Aviver Stadtzentrum nach Beschwerden auf das Abspielen der Musik verzichtet.

Von: eh

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