Josef Arotschas lebte bis 1948 in einem Haus, das sein Vater im Jerusalemer Viertel Jemin Mosche selbst gebaut hat

Josef Arotschas lebte bis 1948 in einem Haus, das sein Vater im Jerusalemer Viertel Jemin Mosche selbst gebaut hat

Josef Arotschas: Neben der Windmühle

Josef Arotschas Familie hat während des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 durch den Staat ihr Haus verloren. Zu Arabern hat der in Jerusalem aufgewachsene Jude ein gutes Verhältnis.

Kennen Sie das Viertel Jemin Mosche? Welches neben Mischkenot Scha‘ananim, der ersten jüdischen Siedlung außerhalb der Jerusalemer Altstadt, liegt? Dort, direkt neben der Montefiore-Windmühle, bin ich 1936 als siebtes von acht Kindern geboren. Bis 1948 haben wir dort gewohnt. Die ersten sechs Jahre bin ich dort zur Schule gegangen.

In der Schule habe ich auch Hebräisch gelernt. Meine Muttersprache ist Spanisch. Unsere Vorfahren sind die Anusim – Juden, die vor 600 Jahren in Spanien dazu gezwungen wurden, zum Christentum überzutreten. Mein Vater hatte unser Haus selbst gebaut.

Am 15. Mai sollten die Engländer zurück in ihre Heimat gehen. Mit den Jordaniern hatten wir Probleme; sie waren auf dem gegenüberliegenden Zionsberg und zielten auf uns. Deshalb drangen Palmach-Kämpfer im Auftrag des Staates Israel in unser Haus ein. Wir hatten das größte Haus in unserem Viertel: sechs Zimmer, ein Badezimmer und das einzige Telefon in unserem Viertel,­ also alles, was sie brauchen konnten, um unser Stadtviertel zu verteidigen.

Natürlich hörten und sahen wir, dass die Jordanier auf uns zielten, doch sonst bekamen wir nicht viel mit, es war damals nicht so wie heute. Wir haben uns zu Hause eingeschlossen. Als die Palmach-Leute kamen, ging meine Mutter mit uns zu einer Tante. Ich erinnere mich nicht, wann es war, aber nach einiger Zeit wollten wir in unser Haus nach Jemin Mosche zurückkehren. Doch der Staat hatte uns alle Möbel weggenommen und auch das Haus.

Ein verlorener Prozess

Wir haben dagegen geklagt, auch die Palmach-Offiziere haben zu unseren Gunsten ausgesagt, aber den Prozess haben wir verloren. Es gab Nachbarn, die sind damals geblieben und die sind durch die schöne Lage ihrer Häuser später sehr reich geworden. Dieses Glück hatten wir nicht. Bis heute weiß ich nicht, wer dafür verantwortlich ist, dass wir unser Haus damals nicht wiederbekommen haben. Das tut weh. Ich habe mir vor 40 Jahren ein Haus im Jerusalemer Stadtteil Beit HaKerem kaufen können. Zu Arabern habe ich ein gutes Verhältnis. Mein Hausarzt ist Araber. Wenn es mir schlecht ging, hat er mich schon manches Mal gerettet.

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 3/2018 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Aufgezeichnet von mh

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