Purim lädt vor allem Kinder zum ausgelassenen Feiern ein

Purim lädt vor allem Kinder zum ausgelassenen Feiern ein

Juden feiern Purim

Das jüdische Purim-Fest erinnert mitunter an Karneval. Doch es hat einen tieferen Sinn – und gibt Juden Zuversicht, wenn sie in Bedrängnis geraten.

„Da Purim für übermäßiges Wein-Trinken und lustiges Verkleiden bekannt ist, nehmen viele dieses Fest nicht sehr ernst: so wie Nichtjuden ihren Karneval haben, so muss es wohl auch bei Juden ein ähnliches Fest geben.“ Diese Beobachtung äußert der Dessauer Rabbiner Elischa Portnoy in der Monatszeitung „Jüdische Rundschau“ – und weist diese Sichtweise als „völlig falsch“ zurück: „Auch dieses Fest wurde von unseren Weisen etabliert, und diese Weisen hätten nie und nimmer etwas Sinnloses eingeführt, nur damit das Volk ‚Spaß hat‘.“

Das Fest erinnert an Ereignisse, die das biblische Buch Esther schildert. Der Jude Mordechai lebte demnach in der persischen Stadt Susa. Seine Verwandte Esther hatte die verstoßene Ehefrau von König Ahasveros, Waschti, ersetzt. In dieser Position gelang es ihr mit viel Mut, die Pläne des Judenfeindes Haman zu vereiteln: Er hatte beim König erreicht, dass die Perser möglichst viele Juden vernichten durften. Doch durch Esthers Einschreiten fiel er in Ungnade, der drohende Pogrom wurde abgewehrt.

Der Name „Purim“ ist auf das hebräische Wort „pur“ zurückzuführen, das „Los“ bedeutet. Denn den für das Gemetzel bestimmten Tag hatte Haman durch das Los ermittelt. Dieses fiel auf den 13. Tag des Monats Adar. Durch einen neuen Erlass des Königs wurden die Juden ermächtigt, sich gegen ihre Angreifer zu wehren. In Erinnerung an diese Errettung vor der Vernichtung feiern Juden bis heute am 14. Adar das Purim-Fest.

Krach machen und Fasten

Das Buch Esther wird aus einer Schriftrolle vorgelesen – „Megillat Esther“. Da sie als „die Rolle schlechthin“ gilt, trägt sie oft auch nur die Bezeichnung „Megilla“. Besonders Kinder, aber auch Erwachsene haben Freude daran, bei jeder namentlichen Erwähnung des Frevlers Haman möglichst viel Krach zu machen: mit Ratschen, Tuten oder anderen Lärminstrumenten.

Am Tag vor dem Fest, am 13. Adar, fasten viele Juden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Esther hatte nämlich, bevor sie mit ihrem Anliegen vor den persischen König trat, mit ihren Gefährtinnen gefastet und gebetet. Dadurch wollte sie sich auf ihre schwere Aufgabe vorbereiten.

Im biblischen Esther-Buch kommt weder das Wort „Gott“ noch einer seiner Namen vor. Doch in Kapitel 4, Vers 14 sagt Mordechai zu Esther: „Wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“ Den „anderen Ort“ deuten Juden auf Gott hin, deshalb wurde das Buch überhaupt in die Bibel aufgenommen.

Protest gegen freizügige Verkleidung

Eine wichtige Rolle beim Fest spielt das Verkleiden. Aus diesem Grund erinnert Purim ein wenig an Karneval. Viele Mädchen wählen dafür Esther, aber es gibt neben biblischen Gestalten auch Polizisten, Fantasiefiguren der Kinderliteratur oder Skelette. Für Aufregung in Israel sorgen seit mehreren Jahren Verkleidungsstücke für Mädchen, die viel Haut zeigen. Mütter reagieren verärgert – ihre Töchter sollen an Purim Kinder bleiben dürfen. Zwei Kampagnen wenden sich mit hebräischen Hashtags in den sozialen Netzwerken gegen den Trend: #WasfüreineVerkleidung und #PurimistkeinPorno.

Eine Reporterin der israelischen Zeitung „Bescheva“, Ofra Laks, merkte dazu an: „Es ist nicht wirklich wichtig, wo ihr gekauft habt, sondern wie eure Tochter an diesem Purim aussehen wird. Lasst uns entscheiden, dass wir dieses Jahr die Mädchen in einer Weise kleiden, die sie und ihren Körper würdigt. Lustig, übertrieben, angsteinflößend – ja. Durchsichtig, billig, hurenhaft – nein.“

Wein und süßes Gebäck

Zu den Purim-Bräuchen gehört es vor allem in ultra-orthodoxen Kreisen, möglichst viel Wein zu trinken. Der Feiernde solle nicht mehr unterscheiden können zwischen „Gesegnet sei Mordechai“ und „Verflucht sei Haman“.

Das nach dem Frevler Haman benannte Gebäck darf beim Fest nicht fehlen

Das nach dem Frevler Haman benannte Gebäck darf beim Fest nicht fehlen

Eine beliebte Süßspeise sind die sogenannten „Hamantaschen“ oder „Hamansohren“. Das dreieckige Gebäck besteht aus Mürbeteig. Es kann unterschiedliche Füllungen enthalten, etwa aus Mohn, Datteln, Pflaumenmus oder Schokolade.

Purim bleibt, auch wenn der Messias kommt

In diesem Jahr fällt das Purim-Fest auf den 1. März. Am folgenden Tag wird es in allen Städten gefeiert, die seit der Zeit Josuas eine Stadtmauer hatten, dazu gehört auch Jerusalem. Denn in diesen Städten mussten sich die Juden einen Tag länger gegen ihre Verfolger verteidigen und konnten deshalb erst später feiern.

Rabbi Portnoy weist in seinem Artikel auf den Talmud hin: Dort heißt es, wenn der Messias kommt, würden alle Feste verschwinden – „nur Chanukka und Purim bleiben ewig“. Diese Aussage sei natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sie habe einen tieferen Sinn. „Jedoch weist sie auf die große Bedeutung von Purim hin. Deshalb müssen wir versuchen zu verstehen, welche tiefe Ideen dieser Feiertag in sich hat und wie wir ihn richtig feiern sollen.“

Juden in Israel oder in der Diaspora ziehen am Purim-Fest immer auch aktuelle Vergleiche zur Verfolgung während der Nazizeit oder zu Pogromen. Aus der biblischen Darstellung schöpfen sie die Hoffnung, Gott möge sie in der heutigen Zeit vor Unheil bewahren.

Von: Elisabeth Hausen

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