Ärzte mit einem Patienten im „Siv-Krankenhaus“: Hier werden zahlreiche Verwundete aus dem Bürgerkriegsland Syrien behandelt

Ärzte mit einem Patienten im „Siv-Krankenhaus“: Hier werden zahlreiche Verwundete aus dem Bürgerkriegsland Syrien behandelt

Über 4.000 Syrer in israelischen Krankenhäusern behandelt

Seit fünf Jahren behandelt Israel in seinen Krankenhäusern Syrer, die medizinische Hilfe benötigen. Trotz der jüngsten Spannungen im Norden will der jüdische Staat damit weitermachen – auch aus eigenem Interesse.

Die Spannungen zwischen Israel und Syrien nehmen dieser Tage wieder zu. Die Gefahr eines erneuten Krieges ist groß. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu warnte den Syrien-Verbündeten Iran zuletzt auf der Münchner Sicherheitskonferenz davor, „rote Linien zu überschreiten“, machte zugleich aber auch deutlich: Nicht das iranische Volk ist der Feind Israels, sondern das islamistische Regime.

Ähnlich hält es Israel auch mit Syrien. Obwohl er mit Diktator Baschar al-Assad auf Kriegsfuß steht, zeigt sich der jüdische Staat als Freund des syrischen Volkes und seiner Menschen. Seit inzwischen fünf Jahren werden Verwundete und Kranke aus dem nordöstlichen Nachbarland in israelischen Krankenhäusern medizinisch versorgt. Wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet, behandelten israelische Ärzte bis heute mehr als 4.000 Syrer.

Vor fünf Jahren hatten erstmals Syrer an der israelischen Grenze um Einlass gebeten. Israel, erklärten sie damals, sei ihre letzte Chance zu überleben – auch wenn sie eigentlich davon ausgingen, von israelischen Soldaten erschossen zu werden. Der zuständige israelische Kommandeur, Jair Golan, entschied damals in einem bis dato beispiellosen Vorgang, die Hilfesuchenden hereinzulassen. Am 16. Februar 2013 wurden sie in ein israelisches Krankenhaus gebracht.

Gleiche Behandlung für Syrer

Mit den Jahren hat sich die israelische Hilfsbereitschaft im Bürgerkriegsland Syrien immer mehr herumgesprochen. Eine Frau sagte den Israelis nach ihrer Ankunft: „Ich wusste, dass ihr uns Syrer behandeln würdet. Also habe ich beschlossen, hierher zu kommen und nicht nach Jordanien zu gehen, weil ich weiß, dass die medizinische Versorgung hier besser ist.“ Heute suchen pro Woche durchschnittlich drei bis vier Verwundete aus Syrien in Israels Krankenhäusern nach Hilfe. Sie kommen meist aus einem der Dörfer und Städte im syrischen Teil der Golanhöhen, manchmal sogar aus der Hauptstadt Damaskus. Viele der Ärzte in Syrien sind bereits vor dem Bürgerkrieg geflohen.

Wenn die Kranken an der israelisch-syrischen Grenze ankommen, öffnen Soldaten das Tor und führen eine erste Untersuchung durch. Etwa die Hälfte der Syrer wird ambulant durch Militärsanitäter versorgt und sofort wieder zurückgeschickt. Krankenwagen bringen die schweren Fälle in die Kliniken – nach Zefat (Safed), 30 Kilometer westlich der Grenze, aber auch nach Haifa oder Naharija an der Mittelmeerküste.

Anschließend kommt den Syrern dieselbe Behandlung zu wie jedem Israeli. „Wir sparen an nichts, wenn wir die Syrer behandeln. Sie werden genauso behandelt, wie unsere eigenen Soldaten“, sagte ein Militär-Kommandeur „Yediot Aharonot“. Manch eine syrische Frau brachte sogar schon ihr Kind in Israel zur Welt – und damit, so sieht es der syrische Staat, auf „feindlichem Territorium“.

Hörgeräte für Kinder

Nur Patienten, die nicht mehr gerettet werden können, oder solche, die eine Organtransplantation benötigen, werden nicht ins Land gelassen. „Weil es bereits zahlreiche Israelis gibt, die auf ein Organ warten. Und weil Nachbehandlungen nötig würden, ohne die der Körper die Organe abstößt.“

Am häufigsten kümmert sich Israel um Kinder. „Allein im letzten Jahr haben wir um die 1.000 syrische Kinder behandelt“, sagt der Kommandeur. So bekamen kürzlich fünf Kinder, die ihr Gehör aufgrund von Bombenexplosionen verloren hatten, Hörgeräte. Insgesamt sollen 100 Kinder mit Hörgeräten ausgestattet werden. Kostenpunkt: rund 1.150 Euro pro Stück, hauptsächlich finanziert vom jüdischen Milliardär Morris Kahn.

Das Engagement der israelischen Krankenhäuser für die syrischen Patienten läuft unter dem Namen „Gute Nachbarschaft“, unter dem die israelische Armee auch andere Hilfsaktionen durchführt.

Junge isst Matze: Viele der von Israel behandelten Syrer sind Kinder

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„Hilfe für Syrer dient unseren Sicherheitsinteressen“

Die Operation soll trotz der sich verschärfenden Sicherheitslage im Norden Israels weitergehen. Im Dezember richtete das Militär eine Geburtsklinik auf den Golanhöhen ein. Erst vergangene Woche kamen wieder sieben Syrer über die Grenze, darunter zwei Kinder. Sollte tatsächlich ein Krieg zwischen beiden Ländern ausbrechen, könnte die medizinische Hilfe in Zukunft auf lebensrettende Maßnahmen beschränkt werden.

Unabhängig davon steht jedoch schon jetzt fest: Der Einsatz der Israelis für die syrischen Zivilisten leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag zu einer Verständigung zwischen den Völkern. „Yediot Aharonot“ zitiert eine 27-jährige Frau, die ihren Sohn von Israelis behandeln ließ und wegen befürchteter Konsequenzen in ihrem Heimatland anonym bleibt, mit den Worten: „Wir dachten, dass Israel unser Feind ist. Dann merkten wir aber, dass Israel gut zu uns ist. Ich möchte den israelischen Krankenhäusern und der israelischen Armee für all ihre Hilfe danken.“

Im Juni hatte Armeeoberleutnant A. erklärt: „Unser Verständnis ist, dass unsere Hilfe für Syrer auch unseren Sicherheitsinteressen dient. Wenn die Bürger auf der anderen Seite erkennen, dass wir uns um sie und ihre Kinder kümmern, wird es für jeden schwer, weiter zu behaupten, dass wir Feinde sind, die sie zerstören wollen. (...) Später werden jene, die wir gerettet haben, dann auch unsere Botschafter sein.“

Von: Sandro Serafin

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