Im Sechs-Tage-Krieg vor 50 Jahren eroberte Israel die Jerusalemer Altstadt

Im Sechs-Tage-Krieg vor 50 Jahren eroberte Israel die Jerusalemer Altstadt

Umfragen aus der Zeit des Sechs-Tage-Krieges

Der Sechs-Tage-Krieg war für die Israelis ein einschneidendes Erlebnis in ihre Lebensrealität. Nur wenige rechneten mit einem israelischen Präventivschlag. Unterschiedliche Umfragen, die zu der Zeit des Krieges geführt wurden, geben Einblicke in ihr Verhältnis zu den Arabern und ihre Offenheit für eine Zwei-Staaten-Lösung.

JERUSALEM (inn) – Welche Gedanken, Ängste und Hoffnungen hatten die Menschen in Israel vor und nach dem Sechs-Tage-Krieg? Diesen Fragen widmeten sich mehrere Umfragen des Guttman-Zentrums für öffentliche Meinung und politische Forschung. Zwei Tage vor dem Präventivschlag der israelischen Luftwaffe auf Militärflughäfen in Ägypten, Syrien und Jordanien rechneten 12 Prozent der Befragten damit, dass Israel auf eine gute Möglichkeit wartete, die arabischen Länder anzugreifen. 63 Prozent dachten, Israel warte internationale Hilfe ab. 69 Prozent hatten Angst vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges.

Wie ging es der Bevölkerung wenige Tage nach dem Krieg, der zwischen dem 5. und 10. Juni 1967 lief? Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) meinte, dass die arabischen Länder nicht bereit seien, nach dem Krieg über Frieden zu sprechen. 46 Prozent hielten das jedoch für möglich. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer (62 Prozent) waren bereit, um des Friedens willen kleine Zugeständnisse zu machen, 9 Prozent waren zu großen Zugeständnissen bereit.

Bei Umfragen sagten 94 Prozent der Befragten, Israel solle an der Jerusalemer Altstadt festhalten, 81 Prozent am Westjordanland und 72 Prozent an Gaza. Quasi jeder Israeli (99 Prozent) hörte zur der Zeit kurz nach dem Krieg mindestens einmal am Tag Radio, die Hälfte las Abendzeitungen, 40 Prozent Morgenzeitungen.

Umgang mit den Arabern

Aus der Umfrage unter 2.000 Menschen in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und Be'er Scheva ging auch hervor, dass zwei Drittel der Israelis nicht bereit waren, in einem gemischten Wohnviertel zu leben. 53 Prozent der Befragten konnten sich zwischen dem 11. und 16. Juni 1967 nicht vorstellen, mit einer arabischen Familie im selben Gebäude zu leben.

Ein Drittel (32 Prozent) war bereit, mit Arabern befreundet zu sein. Jeder Fünfte (21 Prozent) sagte, es hänge von den Umständen ab. Jedoch war knapp die Hälfte (47 Prozent) der Israelis nicht willens, eine Freundschaft mit Arabern einzugehen. Das Haus eines Arabers hatten 54 Prozent der Israelis nie besucht.

Eigener Staat für die Araber

Knapp jeder fünfte Israeli (17 Prozent) sagte, die Araber sollten Israel verlassen. 14 Prozent der Israelis wollten, dass die Araber in Israel den Arabern in die umstrittenen Gebiete folgen, um dort einen Staat zu gründen.

10 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich dafür aus, die Araber in den umstrittenen Gebieten ins israelische Leben zu integrieren. Vier von zehn Personen wünschten sich, dass die Araber unter militärischer Herrschaft bleiben sollten. 28 Prozent wollten sie in arabische Länder schicken. Jeder zehnte Israeli war bereit, den Arabern zu gestatten, einen eigenen Staat zu gründen.

Großteil der Araber für Leben unter Militärrecht

Und wie dachten die Araber in den von Israel eroberten Gebieten? 10 Prozent waren dafür, sich mit allen Rechten und Pflichten in das israelische Leben zu integrieren. 40 Prozent sprachen sich für ein Leben unter Militärrecht aus. 28 Prozent befürworteten einen Umzug in arabische Länder und 10 Prozent waren für die Errichtung eines eigenen arabischen Staates.

Heutzutage ist das Verhältnis zwischen Palästinensern und Israel nach wie vor zerrüttet: Die beiden Gruppen trauen einander kaum. Etwa 89 Prozent der Palästinenser empfinden, dass jüdische Israelis nicht vertrauenswürdig sind. Gleiches gilt für 68 Prozent der jüdischen Israelis mit Blick auf die Palästinenser. Das geht aus einer gemeinsamen Umfrage unter Israelis und Palästinensern des „Palästinensischen Zentrums für Politik und Meinungsforschung“ (PSR) und des Israelischen Instituts für Demokratie (IDI) in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) aus dem vergangenen Sommer hervor.

Von: mab

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