Im Zentrum der jüdischen Sehnsucht nach Jerusalem steht die Klagemauer

Im Zentrum der jüdischen Sehnsucht nach Jerusalem steht die Klagemauer

Mehr als eine Hauptstadt

Jerusalem hat für Juden von alters her große Bedeutung, und auch Christen kann diese Stadt nicht gleichgültig sein. Dafür einzutreten, ist heute wichtiger denn je. Ein Gastbeitrag von Doron Schneider

„Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meine Rechte vergessen.“ Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer und der damit einhergehenden Zerstreuung der Juden vor rund 2.000 Jahren wird dieser Vers aus Psalm 137,5 von jedem jüdischen Bräutigam gesprochen, bevor er seine Braut küssen darf. „Baschana habaa biJeruschalajim habnuja“ (im nächsten Jahr im aufgebauten Jerusalem) lesen die Juden in der Liturgie der Pessach-­Haggada seit Jahrhunderten und drücken damit ihre Sehnsucht nach Jerusalem aus.

Die Stadt Jerusalem hatte für die Juden schon seit König Davids Zeiten eine geistliche und ewige Bedeutung, und die Sehnsucht nach ihr hörte während der 2.000 Jahre in der Diaspora nicht auf. Als die Altstadt im Jahr 1967 von den Israelis durch den Sechs-Tage-­Krieg eingenommen wurde, und somit zum ersten Mal nach 2.000 Jahren wieder in jüdische Hände fiel, erfüllten sich der Traum und die Hoffnung des jüdischen Volkes. Hiermit begann das messianische Zeitalter für die Juden, es erneuerte die Hoffnung auf ein baldiges Kommen ihres Messias.

Zur gleichen Zeit erkannten auch weltweit bibeltreue Christen, dass das messianische Zeitalter (erst) mit der Gründung des jüdischen Staates 1948 und der Wiedervereinigung Jerusalems vor 50 Jahren als Israels Hauptstadt begonnen hat. Seitdem begannen viele Christen, die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens zu suchen und zu finden. Obwohl der Apostel Paulus mit „Das sei ferne!“ die Antwort auf die Frage in Römer 11,1 „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen?“ gar nicht deutlicher hätte ausdrücken können, wurde es trotzdem zu einer Kirchendoktrin für zwei Jahrtausende, dass die Juden von Gott verstoßen worden seien, weil sie Christus kreuzigten. Somit wurden die Juden von den Christen ersetzt, und so hielt die Ersatztheologie in den Kirchen Einzug.

Den Kirchenvätern gelang es, dem Volk diese Ersatztheologie beizubringen, weil sie unter anderem 2.000 Jahre lang kein „Israel“ auf ihren Landkarten fanden und auch keine Juden auf ihren Kirchenbänken saßen. Deswegen ergaben für sie die Kapitel 9 bis 11 im Römerbrief keinen Sinn, in denen der Apostel Paulus über eine Nation der Juden und über eine Beziehung zwischen den Heiden und den Juden in einem neutestamentlichen Zeitalter spricht.

Erfüllung biblischer Prophetie

Heute, wenn das geeinte Jerusalem im Mai dieses Jahres schon 50 Jahre die Hauptstadt des jüdischen Volkes ist, und der jüdische Staat Israel 2018 schon 70 Jahre existieren wird, können die Kapitel Römer 9 bis 11 nicht mehr ignoriert werden. Die Wiederherstellung Israels und Jerusalems ist der Beweis und die Erfüllung von dem, was Paulus in diesen Kapiteln vorhersagte.

Mit diesen beiden Meilensteinen des messianischen Zeitalters verstehen wir heutzutage, was Petrus damals am schönen Tor in Jerusalem, kurz nach der Himmelfahrt Jesu, dem Volk erklärte: „ ... Jesus Christus, den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat“ (Apostelgeschichte 3,20-21).

Es ist keine theologische Ausbildung notwendig, um Petrus’ Worte über diese „Wiederherstellung, wovon die Propheten geredet haben“, zu verstehen. Denn jeder Tourist, der in das heutige Israel reist, kann die Erfüllung von Gottes Verheißungen durch die Propheten mit eigenen Augen sehen. Wer objektive Berichte über Israel liest, kann sich selbst davon überzeugen, dass die Wiederherstellung Israels auf Hochtouren läuft und Jesus bald wiederkommen wird. Jeden Monat kehren jüdische Einwanderer zurück in ihre Heimat. Die Wüste in Israel wird von Jahr zu Jahr grüner und die Häuser und Städte werden aufgebaut oder wieder hergestellt, genau wie die Propheten es prophezeiten.

Jüdische Einwanderung erfüllt Gottes Verheißungen

So hat die Wiederherstellung Jerusalems ein heilsgeschichtliches Ziel. Der Prophet Sacharja prophezeite über Jerusalem, dass sie eines Tages „auf den Herrn schauen werden, den sie durchbohrt haben“ (Sacharja 12,10). Für dieses große Ereignis, die Wiederkunft Jesu, die in Jerusalem stattfinden wird, holt der Herr sein Volk wieder heim. Weil das jüdische Volk ihn durchbohrt hat, werden die Juden auch in Jerusalem sein und dort herrschen, damit sie auf ihn schauen können, den sie durchbohrt haben.

Deswegen kehren die Juden in unseren Tagen aus allen vier Enden der Welt wieder zurück und deswegen ist die Stadt Jerusalem heute wieder eine jüdische Stadt. Mit jedem Juden, der nach Israel einwandert, mit jedem Baum, der in Israel gepflanzt wird, und mit jedem Haus, das in Israel – ob in einer Siedlung oder in Jerusalem – gebaut wird, erfüllt das jüdische Volk Gottes Verheißungen in der Bibel. Israel ist ein Beweis dafür, dass es einen Gott gibt und das jüdische Jerusalem ist ein Hinweis auf die baldige Wiederkunft Jesu. Ob es in die politische Korrektheit passt oder nicht, spielt hier keine Rolle, denn Gott ist nicht politisch-korrekt, sondern er bleibt biblisch-korrekt!

Die Welt stellt sich gegen alles, was göttlich ist, und besonders gegen alles, was beweist, dass es einen Gott gibt. Hierin findet sich der Ursprung der Feindseligkeit gegen Israel und gegen die Anerkennung der Welt Jerusalems als Hauptstadt Israels. Darum sehen wir Versuche, jüdische Verbindungen mit Jerusalem zu ignorieren.

Die jüdische Entwicklung Jerusalems gefällt dem Teufel nicht, weil auch er das Wort Gottes kennt. So versucht er alles Mögliche, um jeden Hinweis auf ein jüdisches Jerusalem zu vernichten. Ja, Jerusalem wird immer mehr zum Laststein der Völker, sagt der Prophet Sacharja im gleichen Kapitel.

Kein Protest der Christen

Die UNO möchte Jerusalem teilen und eine palästinensische Hauptstadt aus Ostjerusalem machen. Der Vatikan möchte aus Jerusalem eine internationale Stadt machen und die UNESCO hat behauptet, dass der Tempelplatz und die Klagemauer in Jerusalem keine Verbindung zum Judentum hätten. Damit haben sie nicht nur die Geschichte, sondern auch Gottes Wort gefälscht.

Die Israelis sind einiges von der UNO gewöhnt. Sie haben bereits genügend „Backpfeifen“ von ihr bekommen.

Was mich jedoch verwirrt, ist, dass diese Behauptung die Christen nicht wachrüttelt. Denn im Neuen Testament wird der zweite jüdische Tempel viel öfter als im Alten Testament erwähnt. Kein christliches Oberhaupt hat „auf den Tisch gehauen“ und etwas gegen diese Aussage gesagt. Warum? Weil der Grund für diese Behauptung nicht theologisch, sondern politisch ist, und es in weltlichem Interesse liegt, jede jüdische Verbindung zu Jerusalem zu ignorieren.

Trotz allem gehen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten des 50. Jahrestages der Wiedervereinigung weiter, und kein Israeli wird sich davon abhalten lassen. Jerusalem ist die einzige Stadt, in der Gott noch eine Zukunft und einen Segen für die Menschheit vorausgeplant hat.

Doron Schneider wurde in Düsseldorf geboren und lebt seit seinem 11. Lebensjahr in Israel. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Doron Schneider war 16 Jahre lang internationaler Sprecher und Direktor für Öffentlichkeitsarbeit bei der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem. Heute ist er selbständiger Publizist und Referent.

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 2/2017 des Israelnetz Magazins, die sich mit dem Sechs-Tage-Krieg befasst. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online unter www.israelnetz.com.

Von: Doron Schneider

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