Eine jüdische Familie bei einer Sederfeier (Symbolbild)

Eine jüdische Familie bei einer Sederfeier (Symbolbild)

Gebet für Syrien, koschere Zigaretten und anderes

Das Pessachfest prägt derzeit das Leben in Israel. Dabei passiert mitunter Bewegendes und Besonderes: Israelis beten für Syrien, feiern mit Asylsuchenden an der Haftanstalt Holot Seder und ein Rabbiner erklärt sämtliche Zigaretten für koscher.

JERUSALEM (inn) – Mit Sederfeiern haben Juden am Montagabend das einwöchige Passahfest begonnen. Da es in der Festtagszeit gewisse Verzehr- und Verhaltensregeln zu beachten gilt, hat der sephardische Oberrabbiner Jitzhak Josef eine Erklärung zum Konsum von Zigaretten gemacht. Es sei erlaubt, Zigaretten zu rauchen, die keine Zertifizierung „koscher le-Pessach“ – koscher für Pessach – haben. Das meldet die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Gesäuertes, das vor der Zeit seines Verbotes schlecht und so ungenießbar geworden ist, dass es selbst ein Hund nicht essen wird, fällt nach jüdischer Auslegung nicht unter das Chametz-Gesetz und ist weder von der Torah her noch von den Rabbinern verboten. Somit seien diese Produkte an Pessach erlaubt, wie etwa Reinigungsmittel, die Gesäuertes enthalten, denn auch ein Hund könne sie nicht essen. Das betreffe auch Kosmetikprodukte, Schminke, Parfüm, Schuhcreme, Zahnpasta, Zigaretten und ähnliches.

Juden sollen während Pessach sieben Tage ungesäuertes Brot essen, hier in Form von Matzot

Juden sollen während Pessach sieben Tage ungesäuertes Brot essen, hier in Form von Matzot

Am besten nicht rauchen

Rabbiner Josef erklärt es bildlich: „Legen Sie eine Zigarette vor einen Hund, der immer hungrig ist, so wird er alles essen. Wenn Sie ihm eine Zigarette geben, wird er sie rauchen? Er wird sie nicht anrühren.“

Dem Bericht zufolge antwortete Josef auf eine Frage, ob amerikanische Zigaretten als koscher zertifiziert werden sollen. Der Rabbiner sagte aber auch, es sei das Beste, gar nicht mit dem Rauchen anzufangen. Sei aber bereits jemand abhängig, dürfe er die Zigaretten konsumieren.

Sederfeier mit Asylsuchenden in der Wüste

Szenenwechsel: Dutzende junge Israelis und afrikanische Asylsuchende feierten vor der Haftanstalt Holot in der Negevwüste ein gemeinsames Sederfest. Im Rahmen der Feier wurde an den Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft gedacht. Die gemeinsame Veranstaltung solle Parallelen aufzeigen zwischen der Geschichte des Volkes Israel und den Bedingungen, unter denen Asylsuchende heute in Israel leben. Illegale Einwanderer werden im Land in Haftanstalten untergebracht.

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Einer der Organisatoren der Veranstaltung, Gal Schturm, sagte laut „Times of Israel“: „An Pessach gedenken wir an den Weg des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit in Israel. Grundsätzlich sind diese Flüchtlinge auch aus Sklaverei entflohen, und anstatt dass wir ihnen die Freiheit geben, für die wir zu Pessach danken, widerrufen wir diese.“

In Israel leben laut der „Hilfsorganisation für Flüchtlinge und Asylsuchende“ rund 45.000 Asylsuchende. Die meisten stammen aus Eritrea und dem Sudan.

Israelis beten für syrische „Feinde“

Israels Reformbewegung wiederum hatte ihre Mitglieder gebeten, am Schabbat vor Pessach des vom Krieg beherrschten Syriens zu gedenken. Sie erinnerten während der Predigt in der größten Reform-Synagoge in Israel, Beit Daniel in Tel Aviv, an die jüdische Verpflichtung, die Brutalität des Krieges zu verurteilen. Ein Junge, der Bar Mitzvah feierte, sprach ein Gebet zur Ehre der Syrer, die Israelis lange als Feinde betrachtet haben.

„Wenn du jemanden in deine Gebete einschließt, bringst du dies auf eine höhere Bewusstseinsebene“, sagte der Leiter der Reformbewegung und Mitglied von Beit Daniel, Gilad Kariv, laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“. „Wir erklären, dass das syrische Volk im tiefsten Teil unserer Seele verwurzelt ist – als Individuen und als Gemeinschaft.“

Von: mab