Netanjahu wird nicht müde, vor dem iranischen Regime zu warnen

Netanjahu wird nicht müde, vor dem iranischen Regime zu warnen

Netanjahu warnt vor iranischem Judenhass

Der israelische Premier gedenkt in Yad Vashem der sechs Millionen in der Scho'ah ermordeten Juden. Vereinte Nationen, Europäische Union und Bundestag beteiligen sich am internationalen Gedenken.

JERUSALEM / NEW YORK (inn) – Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat vor den Gefahren eines neu aufflammenden Antisemitismus gewarnt. Er sprach am Donnerstag vor ausländischen Diplomaten bei einer Veranstaltung zum Internationalen Holocaustgedenktag in Jerusalem. Dieser wird jedes Jahr am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, dem 27. Januar, begangen.

„Jedes Opfer hatte eine Geschichte, eine Familie, eine Kindheit und eine Zukunft, die gekappt wurde“, sagte Netanjahu laut einer Mitteilung seines Büros bei der Veranstaltung in der Gedenkstätte Yad Vashem. „Wenn wir der Opfer und dieses Verbrechens gedenken, dürfen wir nicht die Wurzel dieser unseren furchtbarsten Tragödie vergessen – den brennenden Hass gegen das jüdische Volk. Der Höhepunkt dieses Hasses war Mord, aber er begann als Intoleranz. Die Scho'ah liegt, Gott sei Dank, hinter uns, aber der Hass und die Intoleranz, die sie ausgelöst haben, sind noch bei uns.“

Antisemitismus erneuere sich im aufgeklärten Westen, ergänzte Netanjahu. „Es ist unglaublich. Die Wiederbelebung des Antisemitismus ist Wirklichkeit. Vor einigen Jahren hätten wenige geglaubt, dass so etwas geschehen kann.“ Doch die größte Gefahr sei „der Hass auf das jüdische Volk und den jüdischen Staat, der aus dem Osten kommt – er kommt vom Iran, dem Ajatollah-Regime, das das Feuer anfacht und deutlich zur Vernichtung des jüdischen Staates aufruft“. Die Welt reagiere darauf mit einem „ohrenbetäubenden Schweigen“.

Der Premierminister sieht allerdings auch Hoffnung auf eine Veränderung: In seinem Telefonat mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump habe er über den Iran-Deal gesprochen. „Das Regime, das die Scho'ah ausgeführt hat, wurde in den Abfall der Geschichte geworfen. Das ist eine Lektion, die der Iran verinnerlichen sollte“, folgerte Netanjahu. „Es ist eine Lektion, die jeder Feind des jüdischen Volkes und des jüdischen Staates verinnerlichen sollte.“

Gedenken an den „japanischen Schindler“

Auch die Vereinten Nationen gedenken der europäischen Judenvernichtung mit verschiedenen Veranstaltungen. Das diesjährige Thema lautet: „Holocaust-Gedenken: Bildung für eine bessere Zukunft vermitteln“.

Am Donnerstag wurde ein Film über den Japaner Chiune Sugihara gezeigt, der Konsul in Litauen war. Gegen die Anweisung seiner Regierung stellte er 1940 mehr als 2.000 Transitvisa für Juden aus. Die Inhaber konnten damit über Japan nach China und Indien und letztlich in die USA reisen. Da viele Visa für Familien galten, ist anzunehmen, dass der als „japanischer Oskar Schindler“ bekannte Diplomat etwa 6.000 Juden vor der NS-Verfolgung gerettet hat. Einige der Überlebenden waren bei der Filmvorführung zugegen.

Mogherini: Gedenken ist Verantwortung gegenüber Europa

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini veröffentlichte eine Stellungnahme zum Gedenken: „Die unauslöschliche Narbe, die die Scho'ah in Europa hinterlassen hat, ist in unsere kollektive Erinnerung eingebrannt und muss es immer bleiben.“ Die Italienerin zitiert den im Juli verstorbenen Auschwitz-Überlebenden Elie Wiesel: „Den Holocaust vergessen, heißt, zweimal töten.“ Die Europäische Union habe die Verantwortung, „der Scho'ah zu gedenken, ihre Opfer zu betrauern, weiter das unermüdliche Engagement der Überlebenden zu unterstützen, die Erinnerung lebendig zu halten“.

Dies sei „nicht nur eine Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk, sondern gegenüber der Menschheit, gegenüber zukünftigen Generationen, gegenüber Europa selbst“, fügte Mogherini hinzu. „Wenn wir die dunkle Geschichte unseres Kontinents vergessen, gehen wir das Risiko ein, zu unterschätzen, wie wichtig es ist, Frieden, Einheit und Vielfalt in unserem Kontinent zu wahren.“

Mehr als 70 Jahre nach der Scho'ah sei der Antisemitismus noch in der „zivilisierten“ Europäischen Union lebendig. „Ebenso lebendig ist die Furcht vor Vielfalt, die Versuchung, in schweren Zeiten nach Sündenböcken zu suchen, statt an Wegen zu arbeiten, um unsere Zeiten für alle weniger schwer zu machen.“ Gegenwärtige und zukünftige Generationen müssten sich der Wurzeln des Holocaust bewusst sein. „Während wir der Scho'ah gedenken, zahlen wir allen Gerechten Tribut, die sich der Furcht und der Ideologie der Zeit nicht hingegeben haben. Sie haben nicht nur die Leben von vielen gerettet, sie haben die Hoffnung lebendig erhalten, dass Menschlichkeit fortdauern kann.“

Lammert: „Wannsee-Konferenz“ spiegelt zynisch-technokratische Unmenschlichkeit

Bei der offiziellen Gedenkstunde im Deutschen Bundestag stand in diesem Jahr das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten im Mittelpunkt. Der Schauspieler Sebastian Urbanski, der ein Buch über seine Erfahrungen mit Down-Syndrom geschrieben hat, trug einen Brief des Opfers Ernst Putzki aus dem Jahr 1941 vor. Außerdem kamen zwei Angehörige von Menschen mit seelischen Erkrankungen zu Wort, die im Rahmen der „Euthanasie“ ermordet worden waren.

Bundestagespräsident Norbert Lammert erinnerte in seiner Ansprache auch daran, dass vor fast genau 75 Jahren 15 hochrangige Vertreter des Nazi-Regimes in einer Berliner Villa zusammenkamen, um mit „unfassbarer Menschenverachtung den millionenfachen Mord an europäischen Juden möglichst effektvoll zu organisieren“. Die „Wannsee-Konferenz“ spiegele jene zynisch-technokratische Unmenschlichkeit und ideologisch verbrämte Barbarei vieler, die neben Juden auch andere Gruppen unschuldiger Menschen getroffen habe. Viele deutsche Politiker beteiligen sich an der Aktion „#WeRemember“ (wir gedenken), die der Jüdische Weltkongress angeregt hat. Die Teilnehmer demonstrieren mit einem Foto, dass sie dazu beitragen wollen, den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Unterdessen teilte die KZ-Gedenkstätte Dachau mit, dass das Tor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei" am Montag wieder nach Bayern geschickt werden solle. Das schmiedeeiserne Tor war vor etwa zwei Jahren gestohlen worden. Im November tauchte es nahe der norwegischen Stadt Bergen auf.

Überlebende besuchen Auschwitz

In Auschwitz versammelten sich am Freitag Überlebende des Vernichtungslagers. Sie legten Kränze nieder, um der etwa 1,1 Millionen Menschen zu gedenken, die dort ermordet wurden. Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit. Im Jahr 2005 legte die UNO dieses Datum als Internationalen Holocaustgedenktag fest.

Von: eh

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