Juden in Europa wie hier in den Niederlanden müssen antisemitische Ausfälle befürchten

Juden in Europa wie hier in den Niederlanden müssen antisemitische Ausfälle befürchten

Antisemitismus nimmt zu

Zahlreiche Länder verzeichnen einen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Das besagt eine Studie des Diaspora-Ministeriums. Eine neues System soll Quellen antisemitischer Rhetorik offenlegen.

JERUSALEM (inn) – Im Jahr 2016 haben antisemitische Vorfälle zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des israelischenDiaspora-Ministeriums, die am Sonntag Bildungsminister Naftali Bennett entgegengenommen hat. Bennett ist auch Minister für Diaspora-Angelegenheiten. Besonders betroffen seien westliche Länder, in denen rechtsextreme Bewegungen auftreten.

Für Deutschland sieht die Studie mit 461 antisemitischen Vorfällen zwischen Januar und September 2016 eine Rekordzahl. Gegenüber dem Jahr 2015 habe diese sich verdoppelt. Die Studie beruft sich auf Zahlen des Bundeskriminalamtes. Als Gründe werden die Flüchtlingspolitik genannt sowie das Auftreten rechtsextremer Bewegungen.

Frankreich verzeichnet Rückgang

In Großbritannien ist die Zahl antisemitischer Vorfälle gegenüber 2015 ebenfalls gestiegen, allein in London um 62 Prozent. Neben rechten Akteuren nimmt die Studie auch die linksgerichtete Labour-Partei in den Blick. Diese habe im Jahr 2016 mehr als 50 Mitglieder wegen antisemitischer Kommentare suspendiert. In Frankreich sei die Zahl antisemitischer Vorfälle hingegen um 65 Prozent aufgrund entsprechender Regierungsbemühungen zurückgegangen.

Die Studie beklagt auch Geschichtsumschreibung in europäischen Ländern. So habe die polnische Bildungsministerin Anna Zalewska polnische Mitverantwortung für zwei Massaker an Juden bezweifelt. Das Massaker von Jedwabne 1941 mit mehr als 300 getöteten Juden etwa verübten Polen unter Billigung der deutschen Besatzer.

Darüber hinaus nimmt die Studie die Lage an amerikanischen Universitäten in den Blick. Dort hat die Zahl antisemitischer Vorfälle um 45 Prozent zugenommen. Die Hauptschuld dafür trage die Organisation „Studenten für Gerechtigkeit in Palästina“. Diese schaffe eine Israel und Juden gegenüber feindliche Atmosphäre.

Als wesentlichen Kanal für Antisemitismus sieht die Studie laut einem Bericht der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ die Sozialen Netzwerke. Dort erhielten Randgruppen wie die „Alt-Right“-Bewegung oder Linksextreme eine Bühne. Anti-israelische Rhetorik in Sozialen Netzwerken diene zudem als Deckmantel für Antisemitismus.

Antisemitismus veranschaulicht

Bei der Vorstellung des Berichtes wurde zudem ein neues Überwachungssystem vorgestellt. Dieses identifiziert antisemitische Diskurse und stellt sie in Echtzeit auf einer interaktiven Karte dar. So wird sichtbar, wie viele antisemitische Kommentare in welcher Weltgegend gepostet wurden und wie viele Nutzer so erreicht wurden. Das System nutzt eine künstliche Intelligenz, die Texte sowie deren Urheber analysiert.

Auf einen Blick: Ein neues System soll antisemitische Kommentare in Sozialen Medien in Echtzeit aufspüren

Auf einen Blick: Ein neues System soll antisemitische Kommentare in Sozialen Medien in Echtzeit aufspüren

Bennett lobte das System als „einzigartige Technologie“: „Wir müssen die Quellen antisemitischer Hetze offenlegen und das Scheinwerferlicht darauf richten.“ Das Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten sieht den Kampf gegen weltweiten Antisemitismus als Verantwortung des Staates Israel in dessen Beziehung zum weltweiten Judentum. Als Teil dieser Arbeit veröffentlicht es Jahresberichte zu diesem Thema. Eine Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus soll laut Mitteilung in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Von: df

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