Das weltliche Neujahrsfest feierten Israelis dieses Jahr nur an wenigen Orten (Symbolbild)
Das weltliche Neujahrsfest feierten Israelis dieses Jahr nur an wenigen Orten (Symbolbild)

Silvester im Heiligen Land

Israel feiert Neujahr nach dem jüdischen Kalender. Dennoch wurde auch Silvester gefeiert – allerdings dieses Jahr nur in Tel Aviv.

In Israel richtet sich jeder nach einem eigenen Kalender. Juden leben im Jahr 5777 seit der Erschaffung der Welt, während Moslems das Jahr 1438 seit der Hidschra (Flucht) des Muhammad von Mekka nach Jathrib (Medina) schreiben. Silvester ist Teil des „Kalenders der Anderen“, also der Christen. Moslems und Juden haben schon im Herbst ihr jeweiliges „Neujahr“ gefeiert. Rosch HaSchanah heißt es bei den Juden. Wer sich nun in Deutschland „guten Rutsch“ wünscht, verwendet vielleicht das hebräische Wort „Rosch“, „Kopf“ (des Jahres). Wissenschaftler streiten, ob Rutsch/Rosch eine Verballhornung des Jiddischen ist und wie Mischpoke, Macke oder Schmierestehen über die Gaunersprache ins Deutsche gelangt sind.

Das christliche Neujahrsfest heißt erst seit 1582 Silvester, benannt nach dem am 31. Dezember 335 verstorbenen Papst Silvester. Tatsächlich feiern die Christen am 31. Dezember die Circumcisio Domini, die Beschneidung des acht Tage zuvor, am 24. Dezember, geborenen Jesus von Nazareth. Dieses Ereignis sei laut christlicher Überlieferung im Tempel von Jerusalem gefeiert worden, wobei es nach muslimischer Auffassung diesen Tempel nie gegeben haben soll. Ein Mehrheitsbeschluss der UNESCO legt nahe, dass sich die Kulturorganisation der Vereinten Nationen dieser Auffassung anschließt.

Mit Beschneidung und Namensnennung gelangt der Neugeborene in den „Bund Abrahams“. Und so wie im Altertum die Jahre ab der Krönung des Herrschers jedes Mal neu gezählt wurden, beginnt bei den Christen die Jahreszählung ab der Aufnahme in die Gemeinde und nicht mit seiner Geburt. Dass Jesus ganze sieben Jahre Jahre vor seiner Geburt zur Welt gekommen sei, also noch zu Lebzeiten des 4 vor Christi Geburt verstorbenen Königs Herodes, gilt bei modernen Wissenschaftlern als gesichert. Doch wer Silvester ordentlich feiern will und die Sektkorken fliegen lässt, den tangieren solche wissenschaftlichen Nichtigkeiten nur geringfügig.

Bei Moslems gehören zu jeder Hochzeit selbstverständlich Feuerwerk und gelegentlich sogar Freudenschüsse mit Gewehren dazu. Da ist also „Silvester“ der Normalzustand. In Tel Aviv wird gefeiert, wie die Feste fallen, also auch zu Silvester. Im übrigen Israel herrschte diesmal an Silvester Ruhe, denn der 31. Dezember 2016 fiel auf einen Sabbat und der 1. Januar war wie immer ein normaler Arbeitstag.

Kult um Jesu Vorhaut

Die Reliquie der heiligen Vorhaut soll Karl der Große anlässlich seiner Kaiserkrönung am 25. Dezember 800 in Rom dem Papst Leo III. geschenkt haben. Karl wiederum habe sie von einem Engel erhalten.

Die heilige Vorhaut wurde zusammen mit anderen Reliquien in der Kapelle Sancta Sanctorum im römischen Lateran aufbewahrt, bis ein deutscher Soldat sie 1527 gestohlen habe. Man fand die Reliquie in seiner Gefängniszelle in Calcata erst 30 Jahre später. Bis 1983 wurde die heilige Vorhaut in Calcata öffentlich bei Prozessionen gezeigt, bis sie erneut „unter ungeklärten Umständen“ verschwunden ist. Auch in der Abtei Charroux, in der Abteikirche von Coulombs, im bayerischen Kloster Andechs und in Antwerpen wähnten sich Gläubige im Besitz der Vorhaut. Die kostbaren Reliquien gingen jedoch beim Bildersturm, während der Französischen Revolution oder in anderen Kriegswirren verloren.

Dieser Körperteil Jesu wurde auch zum Gegenstand transzendenter Verehrung. Im 13. Jahrhundert berichtete ein Bauernmädchen aus dem österreichischen Plambach, die Mystikerin Agnes Blannbekin habe beim Kosten der Eucharistie das Empfinden von Christi Vorhaut, das „sanctum praeputium”, auf ihrer Zunge verspürt. Weil Jesus mitsamt seiner Vorhaut in den Himmel gefahren sei, spekulierte der Kurator der Vatikanischen Bibliothek, Leo Allatius († 1669), dass sich die Vorhaut im Himmel in einen der kurz davor entdeckten Saturnringe verwandelt habe. So blühten die Spekulationen.

Im Februar 1900 schließlich erbarmte sich der Vatikan: Seitdem herrscht endgültig Sprech- und Schreibverbot über Jesu Vorhaut, unter Strafe des Kirchenbanns. Auch die Fremdenverkehrswerbung durfte sich künftig nicht mehr des Themas annehmen. Wo sich die Vorhaut Jesu befindet, ist seitdem nur noch für die Wissenschaft interessant.

Von: Ulrich W. Sahm

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