Katja (l.) und Lili haben in Israel ihre Heimat gefunden
Katja (l.) und Lili haben in Israel ihre Heimat gefunden

Angekommen im Heiligen Land

Sie stammen aus Russland und aus der Ukraine. Nun leben Katja und Lili in einer Wohngemeinschaft in Tel Aviv – und haben keine Sehnsucht nach ihrer osteuropäischen Heimat.

“Ich dachte die ganze Zeit: ‘Wow! Wow! Wow!’” – Katja war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie Alijah gemacht hat. Aus Tscherkassy mitten in der Ukraine kam sie damals nach Israel. Eine Agentur übernahm die Organisation. “Wir sind nachts angekommen, wir waren vier Leute, die aus der Ukraine ausgewandert sind. Wir kannten uns auch schon und sind auch immer noch alle befreundet”, erzählt die junge Frau. Direkt am Flughafen Ben-Gurion gab es die Staatsbürgerschaft.

Seit zehn Jahren lebt sie jetzt in Israel. Erst im Norden, dann einige Zeit in Eilat am Roten Meer und inzwischen in Tel Aviv. Katja ist glücklich hier, das merkt man ihr an. Die junge Frau trägt immer eine Kette mit einem kleinen silbernen Davidsstern, der mit Strasssteinchen besetzt ist. Sie lebt zusammen mit Lili in einer Wohngemeinschaft. Von ihrem Balkon im Bauhaus Stil kann man das Meer sehen, Palmen und den Jerusalem-Strand.

Lili kam zur gleichen Zeit wie Katja nach Israel – sie ist allerdings aus Russland eingewandert. Die Motivation? Unterschiedlich. “Ich wollte einfach hier leben”, sagt Katja. Lili hatte da andere Pläne: “Ich liebe Israel und ich wollte zur Armee. Ich dachte, ich komme einfach nur für den Wehrdienst und gehe dann wieder zurück. Aber nein. Ich bin geblieben.” Lili arbeitet inzwischen in einem Fischrestaurant, einer Disco und einer Bar. Sie braucht diese drei Jobs, um in der teuren Stadt über die Runden zu kommen. Katja arbeitet in der Reservierungsabteilung eines riesigen Hotels.

In ihrer Heimat Tscherkassy wurde fleißig Werbung für die Alijah gemacht, die Einwanderung nach Israel. Soldaten seien in die Gemeinde gekommen und hätten erzählt, dass Juden auswandern könnten und es Spaß mache, zum Militär zu gehen, erinnert sich Katja, “Man wächst so mit diesem Gedanken auf. Weil die da echt hinterher sind, die Leute zu überzeugen, hierher nach Israel zu kommen.”

Beide Jüdinnen sind nicht sonderlich religiös. Am Schabbat zündet Lili manchmal ein Teelicht an, in die Synagoge gehen die beiden nicht. Doch ist ihre jüdische Identität stark genug, dass sie ihre Heimat verlassen haben, um im Heiligen Land zu leben. Zweifel gab es trotzdem, erzählt Katja: “Ich wusste einfach schon immer, dass ich irgendwann nach Israel gehen würde. Und als ich dann mit der Schule fertig war, dachte ich: Oh Gott, jetzt ist es soweit. Und dann habe ich mich erstmal doch nicht getraut.” Ihre Mutter hat ihr Mut gemacht – wenn es ihr nicht gefalle, könne sie ja immer noch zurückkommen. Kaum war Katja aber in Israel angekommen, stellte sich die Frage gar nicht mehr: “Die Menschen hier sind einfach so freundlich und offen, sie sind glücklich und lachen den ganzen Tag, und wenn man Hilfe braucht, helfen einem die Leute hier.”

Eine Heimat für Juden

Katja und Lili sind damit aufgewachsen, dass Israel die Heimat für Juden auf der ganzen Welt ist: “Für mich war das nicht so, dass ich in ein anderes, fremdes Land gekommen bin. Ich bin damals im Grunde in mein Land gekommen”, meint Katja. Ihre Freude und die Aufregung, all das Neue und auch die anderen jungen Menschen, die mit ihnen ankamen und das selbe erlebten – das hat beim Eingewöhnen und Ankommen offenbar sehr geholfen. Einige Hürden mussten sie damals natürlich nehmen, in den Schoß gefallen ist Lili und Katja nichts. Kein Wort Hebräisch konnten sie anfangs, geschweige denn auf Hebräisch schreiben.

Drei, vier Monate besuchten Lili und Katja einen Ulpan, eine Sprachschule. Das war Teil des Programms, das die beiden bei ihrer Einwanderung begleitet und unterstützt hat.

Aber so richtig sprechen, das klappte erst nach etwa einem Jahr. Da waren sie dann beide Soldatinnen beim Militär – mit gerade einmal 18 Jahren. “Wir waren da unter jungen Leuten, mit denen wir uns auch unterhalten wollten und die wir kennen lernen wollten. Da lernt man das dann schnell”. Katja war Funkerin bei der Luftwaffe. Kurz nach ihrer Ankunft kam sie für ihre zwei Jahre Wehrdienst in den Norden Israels. Eine riesige Militärbasis, mit Schwimmbad, Fitnessstudio und Fast-Food-Restaurant. Katja lacht, selbst wenn sie davon erzählt, wie sie manchmal tagelang nicht nach Hause konnte, nicht duschen, nur auf dem Boden schlafen konnte. Es hat ihr trotzdem Spaß gemacht, sagt sie.

Schnell erwachsen werden

Dadurch, dass beide Frauen nach wenigen Monaten direkt zum Militär gegangen sind, blieb ihnen zunächst auch die Job- und Wohnungssuche erspart. Sie konnten ankommen, die Sprache und die Mentalität kennen lernen; und mussten ziemlich schnell erwachsen werden. Lili hat freiwillig drei Jahre beim Militär gearbeitet. Sie war bei der Grenzpolizei im Westjordanland. Jerusalem, Ramallah, Hebron. Gerade als Frau sei das nicht leicht gewesen. Aber: Lili ist Zionistin und Militärdienst ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Lili hat eine Ausbildung als Scharfschützin gemacht und musste Fitnesstrainings für den militärischen Kampf besuchen. Noch heute treibt sie sehr viel Sport. Ob sie auf Menschen schießen musste, darüber möchte sie nicht sprechen. Auf jeden Fall war sie in psychologischer Betreuung, nachdem ihre Truppe bei einer Passkontrolle von einem Araber angegriffen und sie krankenhausreif geschlagen wurde. Eine grundsätzliche Angst hatte sie nicht: “Wenn man jünger ist, denkt man ja ganz anders über sowas nach, man hat nicht so schnell Angst. Jetzt hätte ich da vielleicht schon Angst. Und ich hab meinen Job auch einfach sehr gerne gemacht.”

Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass die beiden Frauen ihre Alijah mit einer Mischung aus starkem Willen und großer Gelassenheit gemeistert haben. Sie haben sich auf ihr neues Leben im jüdischen Staat gefreut und es sich entsprechend auch aufgebaut und sich eingelebt. Lili erzählt, sie habe sich nie einsam gefühlt, ihre israelischen Freunde seien für sie ihre Familie. Das merkt man auch in ihrer Wohngemeinschaft – sie ist familiärer strukturiert, als die meisten WGs in Deutschland. Nach Russland und in die Ukraine wollen die beiden jungen Frauen nicht zurück: “Das ist mein Zuhause. Hier bin ich die geworden, die ich bin”, sagt Katja.

Von: Pola Sarah Nathusius

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