Nach fünf Jahren vorzeitig aus Haft entlassen: Der frühere Staatspräsident Katzav
Nach fünf Jahren vorzeitig aus Haft entlassen: Der frühere Staatspräsident Katzav

Ehemaliger Staatspräsident Katzav vorzeitig aus Haft entlassen

Der wegen Vergewaltigung verurteilte frühere Staatspräsident Katzav ist wieder auf freiem Fuß. Auf die vorzeitige Entlassung folgt ein strenger Rehabilitationsplan.

RAMLE (inn) – Der frühere Staatspräsident Mosche Katzav ist nach fünf Jahren Haft vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Der wegen Vergewaltigung zu siebenjähriger Haft und zweijähriger Bewährung verurteilte Politiker verließ am Mittwochnachmittag das Gefängnis Ma’asijahu in Ramle. Seine Frau Gila und sein Bruder Lior begleiteten ihn dabei.

Der Begnadigungsausschuss hatte bereits am vergangenen Sonntag entschieden, Katzav auf Bewährung freizulassen. Das Büro des Staatsanwaltes verzichtete infolgedessen darauf, gegen die Entscheidung in Berufung zu gehen. Berichten zufolge brach Katzav in Tränen aus, als er von der Entscheidung des Begnadigungsausschusses erfuhr. Der 71-Jährige hatte mehrmals erfolglos um vorzeitige Entlassung gebeten. Den Vorwurf der Vergewaltigung stritt er stets ab.

Ausschuss: Katzav versteht seine Tat

Einem Bericht der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ zufolge nahm der Begnadigungsausschuss die Entwicklung Katzavs in Augenschein: Er habe aufgehört, sich gegen eine Behandlung „für Gefangene, die ihre Schuld leugnen“ zu sträuben. In der Behandlung geht es darum, besagten Gefangenen das Ausmaß ihrer Handlungen und ihrer Verurteilung beizubringen. Aus Sicht des Ausschusses versteht Katzav nun die Verletzung, die er Frauen zugefügt hat, und bedauert dies. Zudem sei der Ausschuss beeindruckt gewesen von Katzavs Ehrlichkeit; die Freilassung sehe er als Fortsetzung der im Gefängnis begonnenen Behandlung.

Die Rehabilitationsbehörde des Gefängnisses hat einen Plan für Katzavs Zeit nach dem Gefängnis entwickelt. Dazu gehöre täglicher Torah-Unterricht in seiner Heimatstadt Kirijat Mal’achi südöstlich von Aschdod, der wöchentliche Besuch einer religiösen Selbsthilfegruppe sowie eines psychosozialen Therapeuten. Zudem darf Katzav seine Opfer nicht herabwürdigen und auch keine Interviews geben. Er darf auch keine Arbeitsstelle erhalten, in der Frauen seine Untergebenen sind.

Keine Amtsvorzüge

Katzav ist auch in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sein Haus darf er zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht verlassen. Das Land darf er nur mit Genehmigung des Begnadigungsausschusses verlassen; und das erst ab dem 6. Dezember 2018, wenn die ursprüngliche Haftstrafe ausläuft. Auch für einen eventuellen Umzug muss er erst eine Erlaubnis einholen.

Nach Informationen der Tageszeitung „Jerusalem Post“ erhält Katzav nicht die übliche Amtsausstattung, die Ex-Präsidenten zusteht. Das hat der Finanzausschuss der Knesset entschieden. Damit muss Katzav auf bezahlte Vorzüge wie Büro, Sekretär, Wohngeld, Auto mitsamt Fahrer, Tageszeitung und Diensthandy verzichten.

Gestürzter Politiker

Der 1945 im Iran geborene Katzav war von 2000 bis 2007 israelischer Präsident. Zuvor war er 1969 mit 24 Jahren Israels jüngster Bürgermeister. Ab 1977 hatte der Likud-Politiker verschiedene Ministerposten inne. Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 setzte er sich überraschend gegen Schimon Peres durch.

Im Januar 2007 klagte die Generalstaatsanwalt Katzav wegen sexueller Übergriffe gegenüber mindestens einer Angestellten an. Wenige Monate später ließ er sein Amt ruhen, bis die Amtszeit auslief. Im Jahr 2010 befand ein Gericht ihn für schuldig; eine Berufung Katzavs wurde abgelehnt. Am 6. Dezember 2011 trat er seine Haftstrafe an.

Von: df

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