Schawuot ist ein Fest der Freude – über die Ernte und über die Gabe der Torah
Schawuot ist ein Fest der Freude – über die Ernte und über die Gabe der Torah
Die Früchte zeugen von Gottes Segen
Die Früchte zeugen von Gottes Segen

Juden feiern Schawuot

Das jüdische Wochenfest ist – genau wie das christliche Pfingstfest – ohne die so genannte „Omer-Zählung“ ab Pessach nicht denkbar. „Omer“ ist das hebräische Wort für die Getreidegarbe, die im Heiligtum als Opfer dargebracht wurde. Am zweiten Tag des Passahfestes sollte das Volk Israel nach biblischer Anweisung mit der Zählung beginnen.

Fünfzig Tage beziehungsweise sieben „Wochen“ (hebräisch „Schawuot“) nach der Gedenkfeier an den Auszug aus dem Land der Sklaverei sollte ein Erntedankfest für die Erstlingsfrüchte des Feldes gefeiert werden. Diese „Fünfzig“ war für die ersten Christen ein so fest stehender Begriff, dass die Zahl – „Pentekoste“, von der „Pfingsten“ kommt – im Neuen Testament ausschließlich für die Omer-Zählung verwendet wird (Apostelgeschichte 2,1; 20,16; 1. Korinther 16,8).

Neben Pessach und Sukkot ist Schawuot eines der großen Wallfahrtsfeste Israels, an dem „alles, was männlich ist, vor dem Angesicht des Herrn“ erscheinen sollte. Die Anordnung wird ausdrücklich in Verbindung gesetzt zur Existenz des Volkes Israel im Land Israel (2. Mose 23,16f.; 34,23f.; 5. Mose 16,16). Ein ungestörtes, von Gott losgelöstes – also: „Gott-loses“ – Wohnen im Land ist nach biblischer Vorstellung undenkbar.

Zudem sollten die Israeliten niemals vergessen, „dass du Sklave warst in Ägypten“ (5. Mose 16,12). Deshalb, so erklären Rabbiner heute, zählt man in der Omer-Zählung auch nicht rückwärts, wie es eigentlich üblich ist, wenn ein Mensch auf einen bestimmten Zeitpunkt zulebt. Ein Brautpaar, das seine Hochzeit vor Augen hat, zählt die bis zum großen Ereignis verbleibenden Tage. Beim Omer-Zählen dagegen bleibt immer der Rückblick auf die Befreiung. (3. Mose 23,10ff.; 5. Mose 16,9)

Schon Mose verband das Wochenfest, das in diesem Jahr am Abend des 11. Juni beginnt, mit dem „Bewahren und Tun der Gesetze“ Gottes (5. Mose 16,12). Heute ist Schawuot das Fest, an dem das jüdische Volk in besonderer Weise an die Gabe der Torah denkt. Deshalb studieren fromme Juden an Schawuot die ganze Nacht hindurch das Wort Gottes. Sie machen sich unter anderem Gedanken darüber, ob die Offenbarung seines Willens eine einmalige Angelegenheit war, oder ob der Schöpfer auch heute noch in die Gegenwart hinein spricht.

Begeisterung über Torah

Am Morgen sprechen sie dann das Frühgebet zum frühestmöglichen Zeitpunkt, um so ihrer Begeisterung über die Gabe der Torah Ausdruck zu verleihen. An der Westmauer sind die Gebete von Tänzen und Gesängen begleitet. Nicht nur im Gottesdienst wird das Buch Rut vorgelesen, dessen Handlung während der Getreideernte im Frühjahr stattfindet. Der Übergang von der Gersten- zur Weizenernte fällt auf Schawuot.

Die biblischen Bestimmungen für das Wochenfest erwarten vom Volk, dass es sich versammelt, die Arbeit einstellt und eine Reihe bestimmter Opfer im Heiligtum darbringt (4. Mose 28,26-31). Außerdem sollte jeder „eine freiwillige Gabe deiner Hand geben je nachdem, wie dich der Herr, dein Gott, gesegnet hat“. Und vor allem anderen galt auch für dieses Fest: „Du sollst dich freuen vor dem Herrn!“ (5. Mose 16,10-17).

Nach jüdischer Tradition soll der Berg Sinai, als Mose die Torah empfing, grün gewesen sein. Deshalb werden manche Synagogen mit grünen Pflanzen und Blumen dekoriert. Schawuot wird auch als „Gerichtstag für die Fruchtbäume“ bezeichnet. Dass vielerlei Milchspeisen verzehrt werden, soll darauf verweisen, dass die Torah der Muttermilch gleicht: Wie ein Säugling die Milch seiner Mutter braucht, braucht das jüdische Volk die Weisung Gottes.

Die Kibbutz- und Moschav-Bewegungen des modernen Israel griffen in besonderer Weise Schawuot als Erntedankfest auf. Sie nutzten es, um neue Produkte und Errungenschaften aus der Landwirtschaft, aber auch darüber hinaus, vorzustellen. (jg)

Von: Johannes Gerloff

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