Der israelische Präsident Reuven Rivlin grüßt äthiopische Würdenträger auf dem „Sigd"-Fest in Jerusalem
Der israelische Präsident Reuven Rivlin grüßt äthiopische Würdenträger auf dem „Sigd"-Fest in Jerusalem

„Sigd“-Fest: Rivlin fordert bessere Integration äthiopischer Juden

JERUSALEM (inn) – Während des „Sigd“-Festes der äthiopischen Juden hat der israelische Präsident Reuven Rivlin zu mehr Bemühungen um eine bessere Integration äthiopischer Juden aufgerufen. In der Vergangenheit sei noch nicht genügend getan worden.

Staatspräsident Rivlin sagte am Mittwoch während des jährlichen äthiopisch-jüdischen „Sigd“-Festes, im Umgang mit der äthiopischen Gemeinschaft seien Fehler gemacht worden, die korrigiert werden müssten. „Die israelische Gemeinschaft hat versucht, wichtige und wunderbare Dinge zu tun, doch nicht genug“, sagte Rivlin laut dem Fernsehsender „Kanal 10“. Auf dem Fest, das traditionell der Sehnsucht der äthiopischen Juden nach einer Rückkehr ins heilige Land Ausdruck verleiht, waren auch der Minister für Immigration und Integration, Se’ev Elkin, und der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, anwesend.

Anfang des Jahres hatte äthiopische Juden landesweit gegen Diskriminierung demonstriert. Auslöser war ein Videoclip gewesen, der einen offensichtlich unbegründeten Übergriff der Polizei auf einen äthiopischen Israeli zeigte. Die Demonstranten hatten die Regierung aufgefordert, gegen eine systematische und institutionalisierte Diskriminierung der äthiopischen Juden vorzugehen und mehr für die Lebensqualität dieser Gruppe zu tun.

Identität festigen und Integration fördern

Zu den Feierlichkeiten kamen viele Jugendliche. Für sie sei es essentiell, die eigene, besondere Identität kennen zu lernen und zu erhalten, erklärte die Jugendleiterin Aviva Mangisto gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Genauso wichtig sei die Integration in die israelische Gesellschaft. Der äthiopische Geistliche Kes Efraim Lawi gab der Jugend spirituelle Inhalte weiter und übernahm die feierliche Segnung des Brotes. „In der Gesellschaft muss sich noch Einiges verändern“, erinnerte er die Zuhörer. „Wir sind in dieses Land gekommen, weil es unser Recht ist, nicht eine Gefälligkeit. Prophetien wurden erfüllt, als Gott unsere Gebete erhört und uns hierher gebracht hat. Bereits bei der Aufnahme der äthiopischen Immigranten wurden Fehler gemacht. Für die Zukunft sollte die israelische Gesellschaft wissen, was zu tun ist.“

Hintergrund

Anfang des Jahres 2008 hatte die Knesset das „Sigd“-Fest als nationalen Feiertag anerkannt. Dieser Festtag besteht aus zwei Teilen. Von morgens bis mittags fasten und beten die Teilnehmer und bitten um Vergebung, ähnlich wie am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Am Nachmittag folgt der fröhliche Teil, bei dem vor allem musiziert und getanzt wird. Während der Feierlichkeiten werden Gebete auf Ge‘ez rezitiert, einer alten äthiopischen Sprache, die heute nur noch von äthiopischen und eritreischen orthodoxen Kirchenführern benutzt wird.

Auch als die äthiopischen Juden noch in Afrika lebten, begann das „Sigd“-Fest als Fastentag. Im Laufe dieses Tages bestiegen die Gläubigen in einer Prozession den Gipfel eines Berges und trugen die äthiopische Torah mit sich. Dann rezitierten sie Gebete, Psalmen und Verse aus dem Buch Nehemia. Mit dieser Zeremonie wurde des Empfangs der Torah auf dem Berg Sinai gedacht. Beim Abstieg wurde schließlich das Fasten gebrochen, es wurde musiziert, gesungen und getanzt. (jus)

Von: jus

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