„Save the Children“ beklagt die Lage der Kinder im Gazastreifen, ohne die Verantwortung ihrer Eltern anzusprechen.
„Save the Children“ beklagt die Lage der Kinder im Gazastreifen, ohne die Verantwortung ihrer Eltern anzusprechen.

Analyse: Kinder retten im Gazastreifen

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ weist auf das Leid der Kinder im Gazastreifen nach dem Konflikt vom vergangenen Sommer hin. Doch um politisch neutral zu bleiben, verschweigt sie wesentliche Missstände.

Die Hilfsorganisation „Save the Children“ hat Anfang der Woche ihren Bericht zum Leid der Kinder im Gazastreifen veröffentlicht. Unter der Überschrift „Ein lebender Alptraum“ beschreibt sie die Traumata nach dem Gaza-Konflikt vom vergangenen Sommer. Die Kinder leiden demnach unter Ängsten infolge des jüngsten „schlimmsten“ Krieges. Doch zu einem Krieg gehören, wie beim Tango, immer zwei Seiten. „Save the Children“ ist nur auf einer Seite aktiv, in den palästinensischen Autonomiegebieten und nicht in Israel. So sind die Traumata, Ängste und das Bettnässen bei Kindern auf der „anderen“ Seite, in Israel, nur eine Randnotiz wert.

Auf Anfrage von Israelnetz erklärte „Save the Children“, sich durch Berichte von Psychologen auch ein Bild über die Lage in Israel gemacht zu haben. Dort hätten die Anzeichen emotionaler Belastungen nachgelassen. „Derzeit scheint die israelische Regierung in der Lage zu sein, den psychosozialen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden“, vermutet die Organisation. „Save the Children“ werde nur dort aktiv, „wo die Hilfe am nötigsten gebraucht wird“.

„Save the Children“ zufolge leiden mehr als 70 Prozent der Kinder in Gaza unter Ängsten. In der israelischen Grenzregion zum Gazastreifen sind es 40 Prozent. Das sagte die Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung des Israelzentrums für Psychotraumata am Herzog-Memorial-Krankenhaus in Jerusalem, Ruth Pat-Horenczyk, am Dienstag der Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Der Fokus auf den Gazastreifen mag sich angesichts dieser Zahlen erklären. Doch umso dringender hätte „Save the Children“ wesentliche Akteure und Faktoren erwähnen müssen, die zum Leid der Kinder im Gazastreifen beigetragen haben.

Verantwortliche im Gazastreifen

Zu den wesentlichen Akteuren gehören zunächst einmal die Eltern. Einer Umfrage vom Juni zufolge würden 39 Prozent der Gazabewohner die Hamas wählen. Das ist jene Organisation, die den Krieg erst durch die Entführung von drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland und dann durch konstanten Raketenbeschuss Israels provoziert hat. Diese Unterstützung zu erwähnen, hätte der Sache der Kinder gedient.

Die Hamas zählt ebenfalls zu den wesentlichen Akteuren, die nicht beim Namen genannt werden. Nach anfänglichem Rätselraten stellte sich heraus, dass diese im Gazastreifen herrschende Organisation wegen der Blockade und Zerstörung der Schmugglertunnel durch Ägypten – was ebenfalls nicht erwähnt wird – in Geldnöte geraten war und gehofft hatte, die Aufmerksamkeit der Welt auf den Gazastreifen zu lenken.

Nicht erwähnt wird auch, dass dieselbe Hamas 14 Mal einen in Kairo ausgehandelten Waffenstillstand gebrochen hat. So wurde der Krieg unnötig in die Länge gezogen. Das hatte die entsprechenden Folgen für die Bevölkerung: Verletzte, traumatisierte Kinder, und Tote. Grundsätzlich sollte „Save the Children“ prüfen, wie viele Kinder nach dem ersten von der Hamas gebrochenen Waffenstillstand ums Leben gekommen sind. Deren Tod kann nur der Hamas selber angelastet werden – falls es ihr wirklich nur um das Wohl der eigenen Kinder gegangen wäre.

Spiel mit Zahlen

Überhaupt wäre bei der Angabe der Zahl der getöteten Kinder mehr Nachdenklichkeit angemessen gewesen. „Save the Children“ nennt 551. Das ist die offizielle Zahl des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums. Davon müssen aber erst einmal jene „Kinder“ abgezogen werden, die sich nach eingehender Prüfung der Listen als kräftige Männer mit Rauschebart herausstellten und als „Helden des Widerstands“ mit entsprechenden martialischen Bildern verherrlicht werden.

Bei der genannten Gesamtzahl der im Gazastreifen getöteten Kinder wird außerdem nicht erwähnt, ob sie durch israelischen Beschuss getötet worden sind, oder aber durch vorzeitig auf Spielplätzen explodierte Raketen oder Sprengstoff der Hamas. Es ist hinreichend bekannt, dass die Hamas ihre Waffen und Raketen nicht nur in UNO-Schulen, Kliniken und Moscheen eingelagert hat. Das zentrale Schifa-Hospital beherbergte sogar die Kommandozentrale der radikal-islamischen Organisation.

Hinzu kommt, dass die Hamas in Sommerlagern etwa 17.000 Kinder aus dem Gazastreifen zu Kindersoldaten ausbildet. Entsprechende Dokumentationen und Propagandafilme hat die Hamas selbst im Internet verbreitet. „Save the Children“ spricht diesen Missstand nicht an.

Einseitige Erwähnung Israels

In ihren „Empfehlungen“ erwähnt „Save the Children“ allein Israel direkt, nämlich bei der Forderung, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben, um etwa Psychologen und Waren in das Gebiet zu lassen. Nicht erwähnt bleibt: Auch Ägypten blockiert den Gazastreifen, um Terrorismus einzudämmen. Andererseits bleibt der Warenübergang in Kerem Schalom weiterhin offen für die Lieferung von Hilfsgütern, Medikamenten, Nahrungsmitteln und anderen Waren. Mehr als 800 Lastwagen und Sattelschlepper rollen täglich durch den Übergang, obgleich auch der immer wieder vom Gazastreifen aus beschossen wird.

„Save the Children“ behauptet von sich, politisch völlig neutral handeln zu wollen. „Unser einziger Fokus gilt den Kindern in Not.“ Für die Kinder Partei zu ergreifen ist aller Ehren wert. Doch gehört dazu, die mörderische Ideologie der Hamas mutig anzusprechen, wie sie etwa in deren Charta festgeschrieben ist. Allein der Hinweis auf das Leid der Kinder korrigiert keine politischen Missstände. Es ist anzunehmen, dass Israel sich nicht mehr gezwungen sähe, den Gazastreifen „anzugreifen“, wenn nicht mehr mit Raketen auf Bevölkerungszentren wie Tel Aviv, Jerusalem, Bethlehem, Aschkelon, Be‘er Scheva und Aschdod angegriffen würde – so wie es Präsident Reuven Rivlin in einer Gedenkzerenomie für die Gefallenen des Gaza-Konfliktes betonte. (uws/df)

Von: Ulrich W. Sahm / Daniel Frick

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