Das erste Mal hat die Gedenkstätte Yad Vashem einen Araber als "Gerechten unter den Völkern" ausgezeichnet.
Das erste Mal hat die Gedenkstätte Yad Vashem einen Araber als "Gerechten unter den Völkern" ausgezeichnet.

Erster Araber erhält Yad Vashem-Ehrung

JERUSALEM (inn) – Die Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem hat den ehemaligen ägyptischen Arzt Mohamed Helmy und die Deutsche Frieda Szturmann als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Die beiden hatten während der Nazi-Zeit eine vierköpfige jüdische Familie versteckt.

Trotz eigener Verfolgung durch die Nationalsozialisten habe Helmy sich gegen die herrschende Politik ausgesprochen und sein Leben für seine jüdischen Freunde riskiert, heißt es in einer Mitteilung auf der Internetseite von Yad Vashem. Als die Deportationen begannen, versteckte der Arzt die 21-jährige Anna Boros, später Gutman. „Ein guter Freund von uns, Dr. Helmy, versteckte mich in seiner Hütte in Berlin-Buch vom 10. März 1942 bis zum Ende des Krieges. Seit 1942 hatte ich keinen Kontakt zur Außenwelt. Die Gestapo wusste, dass Dr. Helmy unser Hausarzt war und sie wussten, dass er eine Hütte in Berlin-Buch besaß“, schriebt Anna Gutman nach dem Krieg.

In Zeiten, wo er selbst von der Gestapo verfolgt wurde, brachte er das Mädchen bei Freunden unter. Wenn die Gefahr vorüber war, kehrte sie in die Hütte zurück. Annas Mutter Julie, dem Stiefvater Georg Wehr und der Großmutter Cecilie Rudnik leistete er medizinische Hilfe während des Krieges. Die Großmutter brachte er bei Szturmann unter, die ein Jahr lang ihre Lebensmittelrationen mit der alten Dame teilte. Als 1944 während eines Verhörs herauskam, dass Helmy Anna versteckte, brachte er sie ebenfalls zu Szturmann.

Retter erlitt selbst Verfolgung

Helmy wurde 1901 als Sohn ägyptischer Eltern in Khartum geboren. 1922 ging er für das Medizinstudium nach Berlin. Dort begann er nach dem Studium beim Robert Koch-Institut zu arbeiten. Weil er jedoch nicht der „arischen Rasse“ abstammte, verlor er seinen Job im Jahr 1937. Außerdem wurde ihm verboten, weiter im Gesundheitswesen zu arbeiten und seine deutsche Verlobte zu heiraten. 1939 wurde er zusammen mit anderen Ägyptern festgenommen, wegen gesundheitlicher Probleme kam er jedoch im folgenden Jahr frei.

Der Arzt blieb auch nach Kriegsende in Berlin und konnte zudem endlich seine Verlobte heiraten. Er starb 1982. Szturmann war bereits im Jahr 1962 gestorben. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ sucht Yad Vashem derzeit Nachkommen der beiden Geehrten, welche die Auszeichnung stellvertretend in Jerusalem entgegen nehmen können.

Der Titel „Gerechter unter den Völkern“ ist die höchste Auszeichnung des jüdischen Volkes. Er wird ausschließlich an Nichtjuden verliehen, die sich an der Rettung verfolgter Juden beteiligt haben. Helmy ist der erste Araber, der diese Auszeichnung erhält.

Von: sz