Tom Franz hat die israelische Kochsendung "Masterchef" gewonnen.
Tom Franz hat die israelische Kochsendung "Masterchef" gewonnen.

Israelisch-Rheinischer Sauerbraten

TEL AVIV (inn) – Irgendwie passt das alles nicht zusammen, was Tom Franz, Sieger des israelischen Kochwettbewerbs „Masterchef“, in seinem großformatigen Kochbuch „So schmeckt Israel“ zusammengetragen hat.

Die israelisch-deutschen Beziehungen können so überschattet und verklemmt eigentlich nicht sein, wenn da ein 1,95 Meter großer, blonder, deutscher Hüne mit Pferdeschwanz in Israel einen Sieg davonträgt – mit Reibekuchen, die er mit einer „Prise Heimat“ gewürzt hatte. Die Jury, alles bekannte israelische Köche, war überwältigt. Die Reibekuchen, mangels Rübenkraut mit Kartoffeln hergestellt, seien „krankhaft lecker“.

Es gibt Gerichte, die so sehr zur Nationalküche gehören, wie die Lederhose zum Bayern: Königsberger Klopse (mit Blick auf politische Empfindlichkeiten in Nahost müssten die heute korrekt „Kaliningrader Klopse“ heißen), Frankfurter Würstchen oder Berliner Eisbein.

Was soll man nun davon halten, wenn Tom Franz in seinem Kochbuch die Anleitung für einen „Israelisch-Rheinischen Sauerbraten“ einfügt und dank seines Ruhmes als „Meisterkoch“ zum Bestandteil der israelischen Nationalküche gemacht hat? Das klingt wie eine ungeheuerliche Chuzpe oder wie eine schamlose Rücksichtslosigkeit.

Doch in Wirklichkeit hat der gelernte Jurist aus Köln mit dem Kochlöffel in der Hand wohl den schmackhaftesten Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Israelis und Deutschen geleistet.

In vom israelischen Arzt und Journalisten Gil Jaron verfassten Vorwort wird Franz zitiert: „Im Gegensatz zum Israelbild, das in den Medien vermittelt wird, sind die Israelis in besonderer Weise offen, tolerant und fortschrittlich. Es wäre doch undenkbar, dass ein Jude oder ein Christ in einem arabischen Land in einer Castingshow so weit käme, wie meine härteste Konkurrentin, eine (palästinensische) Muslima namens Salma, oder ich hier in Israel.“

Die Auswahl der von Franz präsentierten Rezepte ist eine kuriose Mischung. Einerseits bietet er Fenchelhühnchen mit nur zwei Zutaten neben Salz und Pfeffer. Das Rezept könnte nicht einfacher sein. Dann findet man ein „Supreme-Huhn“, das auch nicht kompliziert ist, aber im Ergebnis zur Spitzenklasse der Gourmetküche gezählt werden darf.

Er bietet nicht die klassische Palette der „typisch israelischen Gerichte“ mit Humus und Falaffel, wie andere Kochbücher mit ähnlichem Titel, sondern originelle Rezepte mit Zutaten, die er besonders „liebt“, darunter Tahini, Rote Beete oder die in Israel erfundenen „Kirschtomaten“. Gerade weil in Israel so viele kulinarische Kulturen aus aller Welt aufeinander stoßen und in den letzten 20 Jahren eine einzigartige „israelische Küche“ entstanden ist, konnte sich Franz „Rosinen“ herauspicken und ihr mit seinem deutschen Hintergrund einen eigenen Stempel aufdrücken, mit Reibekuchen und Sauerbraten.

Franz hat sich zum Ziel gesetzt, ausgerechnet im mondänen Tel Aviv, wo man in „schicken“ Restaurants „weißes Fleisch“ (die vornehme Umschreibung für Schwein) anbietet, das erste koschere Drei-Sterne-Restaurant zu gründen. Allein mit den Rezepten seines Kochbuchs „So schmeckt Israel“ hätte er eine gute Chance. Denn Franz verkörpert ein untypisches israelisches Erfolgsrezept für Startups: deutsche Perfektion und israelische Improvisationskunst.

Von: Ulrich W. Sahm

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