Eine Palästinenserin, ein Deutscher und eine Israelin stehen im Halbfinale der beliebten Sendung "Masterchef".
Eine Palästinenserin, ein Deutscher und eine Israelin stehen im Halbfinale der beliebten Sendung "Masterchef".

Erste Wahlsieger: ein Deutscher und eine Palästinenserin

JERUSALEM (inn) – Mit Einschaltquoten von 40 Prozent ist die populäre Sendung „Masterchef“ beim Zweiten Kanal des israelischen Fernsehens unbestritten beachtenswerter, als der „langweiligste Wahlkampf“ der Geschichte Israels. Am Dienstag, dem 29.1., geht es bei der Sendung ins Finale. Eine knappe Woche nach den Parlamentswahlen wird Israels wahrer Wahlsieger gekürt werden.

Das Fernsehformat „Masterchef“ ist in vielen Ländern außerordentlich beliebt. Mehrere Teilnehmer kochen um die Wette. Eine Jury bekannter Köche probiert die frisch vor der Kamera im Eiltempo vorbereiteten Speisen, prüft die Ästhetik und dann den Geschmack.

Diesmal gelangten drei Teilnehmer ins Halbfinale: eine pummelige kleine Israelin, die einen Weinkrampf bekam, als die kulinarischen Richter ihr mitteilten, sie sei ins Halbfinale aufgestiegen. Viel spannender und politisch relevanter sind die beiden anderen Sieger. Der absolute Favorit ist Tom Franz, ein hühnenhafter, 1,95 Meter großer Deutscher. Ihm folgt eine halb so große Palästinenserin, die bei allen ihren Auftritten züchtig das Haupthaar zu ihrem hübschen Gesicht mit einem Kopftuch verdeckt hält: Salma Fajum. Wie schon ihr Nachname verrät, stammt ihre Familie nicht aus dem Land, sondern ist, wie die meisten Palästinenser, Anfang des vorigen Jahrhunderts aus benachbarten arabischen Ländern eingewandert.

Während Salma ihre Spezialitäten vorbereitet, plaudert sie von den traditionellen Gerichten ihrer Mutter, die typisch für Fajum in Ägypten seien, und die sie in ansehnliche moderne Delikatessen verwandelt. Damit erhielt sie den Applaus der Jury, die aus vier bekannten Köchen und Kochbuchautoren zusammengesetzt ist.

Thomas (Tom) Franz, 39, hatte es 1990 erstmals nach Tel Aviv verschlagen. Dort leistete er 18 Monate lang bei „Aktion Sühnezeichen“ seinen Zivildienst in einem Tel Aviver Altersheim. Zurück in Köln wurde er Rechtsanwalt. Doch Israel ließ ihn nicht locker. Ende 2004 wanderte er nach Israel aus, konvertierte zum Judentum und heiratete Dana. Beide haben einen gemeinsamen Sohn, David. Tom wurde fromm und „aus Liebe zu ihm“ bedeckt seine weltlich aufgewachsene Frau Schultern und Haare.

Mit seinen zum Pferdeschwanz zusammengebundenen blonden Haaren dominiert Tom die beliebte Show. Die ersten Stufen hat der Deutsche mit Bravour gegen mehrere israelische Mitbewerber bestanden.

„Dieses Gericht stammt aus der Eifel“, erzählte er bei der Sendung zum Halbfinale, als er ein fachmännisch zugeschnittenes „Huhn Supreme“ mit einer Mischung aus Senf und Honig in den Ofen schob. Anstelle der in Deutschland üblichen Butter nahm er freilich Olivenöl, denn als frommer Jude kocht er nur noch koscher. Da ist ein Vermischen von „Milchigem“ mit Fleisch streng verboten. Für das ansehnliche und offensichtlich sehr schmackhafte Ergebnis erntete er höchstes Lob und die Beförderung ins Halbfinale. Dazu reichte er gebackene „Kartoffelküsschen“.

Für ein zweites Gericht marinierte er typisch orientalische Lammrippchen in einer dicken Schicht Tahini (Sesampaste). „Tahini habe ich erst in Israel kennen gelernt, ein faszinierendes Produkt, mit dem man viele Köstlichkeiten zubereiten kann“, verrät er.

Es muss nicht betont werden, dass es der populärsten TV-Show Israels keinen Abbruch tut, wenn da ausgerechnet eine Palästinenserin und ein Deutscher die erfolgreichsten Teilnehmer sind und ihre jeweiligen arabischen wie deutschen Wurzeln laut hervorkehren.

„Ich komme da nicht als Politiker“, sagt Tom im Gespräch. „Auf dem Rücken von gutem Essen werden da in Israel wie in Deutschland Klischees umgeworfen.“

Von: Ulrich W. Sahm

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