Jugendliche Neo-Nazis in Israel

PETACH TIKVA (inn) - Ein Medienbericht hat am Wochenende für einen Schock in Israel gesorgt: die Polizei hat eine Gruppe von acht Neo-Nazis aus Petach Tikva festgenommen. Offenbar handelt es sich um jüdische Jugendliche, die aus Familien der ehemaligen Sowjetunion stammen.

Die israelischen Medien veröffentlichten Videos, auf denen eine Gruppe von acht Männern zwischen 16 und 21 Jahren zu sehen ist. Sie machen den Hitler-Gruß und verprügeln ein Opfer in der U-Bahn. Die Polizei hatte die Jugendlichen bereits vor einem Monat festgenommen, doch erst jetzt wurde der Fall öffentlich.

Die Jugendlichen tragen Tätowierungen mit Nazi-Symbolen wie etwa die 88, die ein Symbol für Adolf Hitler ist, weil der 8. Buchstabe des Alphabets das H ist. Die Mitglieder der Gruppe feierten den Geburtstag von Hitler und bedrohten ausländische Arbeiter, Punker, orthodoxe Juden, Homosexuelle und Drogenabhängige.

"Es fällt schwer zu glauben, dass es in Israel Sympathisanten der Nazi-Ideologie geben kann, aber es ist eine Tatsache", sagte der Bürgermeister von Petach Tikva, Revital Almog, der Polizei. Premierminister Ehud Olmert sagte laut einem Bericht der BBC: "Ich bin sicher, dass es niemanden in Israel gibt, der diesen Szenen gleichgültig gegenüber steht, die zeigen, dass auch wir als Gesellschaft bei der Erziehung dieser Jugendlichen versagt haben." Arieh O’Sullivan, Sprecher der "Anti-Defamation League", die sich gegen Antisemitismus einsetzt, sagte: "Die tragische Ironie liegt darin, dass (die Jugendlichen) selbst der Vernichtung der Nazis zum Opfer gefallen wären, die sie nachahmen wollen."

Der Minister für Handel und Industrie, Eli Jischai, der ein ultra-orthodoxer Jude ist, forderte eine Verschärfung des Zuwanderungsgesetzes, das einer großen Zahl von Bürgern der ehemaligen Sowjetunion die Übersiedlung nach Israel erlaubte. "Wir müssen diesen Satan loswerden, der mitten im Herzen Israels lebt", sagte Jischai. Laut Gesetz darf theoretisch jeder Jude Bürger des israelischen Staates werden. Mehr als eine Million Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion nutzten dieses Gesetz in den 90er Jahren, um nach Israel zu ziehen. Doch laut dem Einwanderungsministerium sind mehr als 300.000 von ihnen keine Juden.

Anführer der Nazi-Gang war der 19-Jährige Arik (Eli) Bunyatov. In der Szene ist er unter dem Namen “Eli der Nazi" bekannt. Er und seine Gruppe sollen seit längerem in Kontakt mit anderen Nazi-Gruppen im Ausland in Kontakt gestanden haben.

Amos Hermon von der "Jewish Agency" sagte gegenüber der "Jerusalem Post": "Wir wissen aus unseren eigenen Studien, dass diese Kinder frustriert sind und sich nicht in die israelische Gesellschaft integrieren. Viele ihrer Aggressionen zeigen sich in solchen schrecklichen Dingen." Hermon warnte jedoch zugleich vor einer Vorverurteilung der russisch-stämmigen Juden in Israel. "Wir haben es mit einer kleinen Minderheit zu tun, deren Familien in ihren Herkunftsländern unter Antisemitismus zu leiden hatten." Diese Jugendlichen versuchten, ihre Aggression auf dieselbe Weise abzulassen wie sie sie selbst erlebt hätten. Es gebe in Russland und der Ukraine etwa 50.000 aktive Neo-Nazis, so Hermon.

Auch der Minister für Einwanderung, Ja´acov Edri, sagte laut einem Bericht der "Jerusalem Post": "Die Mehrheit der jugendlichen Immigranten ist normal und wird gut im alltäglichen Leben in der israelischen Gesellschaft integriert."

Von: J. Schumacher