Gefährdete Buslinien in Jerusalem

JERUSALEM (inn) – Die jüngsten schweren Anschläge auf Busse in Jerusalem passierten ausgerechnet in den Linien 12 und 78. Das ist kein Zufall.
Das Bild zeigt einen Bus nach einem Selbstmordanschlag in Jerusalem im Januar 2005
Bei einer Bombenexplosion am Montagabend in Jerusalem in einem Bus sind 21 Personen verletzt worden. Die Polizei geht von einem Anschlag aus. Der oder die Tatverdächtigen sind noch nicht bekannt. Dass die jüngsten schweren Anschläge auf Busse in Jerusalem ausgerechnet in den Linien 12 und 78 passierten, ist kein Zufall. Beide Linien starten ihre Fahrten im Ostjerusalemer Viertel Armon HaNatziv, auch Ost-Talpiot genannt. Dieses Viertel wurde auf Land errichtet, das in den 1930er Jahren von Juden aufgekauft worden ist. Und deshalb war es ein freier Fleck rund um das „Niemandsland“ bei dem UNO-Hauptquartier in der Zeit von 1949 und 1967 geblieben. 1928 hatte die Schriftstellerin und Pädagogin Rachel Janait Ben-Zvi in dem Gebiet eine landwirtschaftliche Ausbildungsfarm und eine Schule für arabische Mädchen eingerichtet. 1975 wurde mit dem Bau des Wohnviertels begonnen, das in der Welt als „Siedlung“ gilt, während Israel es als normales Wohnviertel Jerusalems betrachtet. Die rund 30.000 Einwohner sind weltlich ausgerichtet und verfügen nur über 15 Synagogen. Das Ostjerusalemer Viertel Armon HaNatziv grenzt an zwei arabische Dörfer, die heute auch Teil Jerusalems sind, Dschabel Mukaber und Zur Bacher. Von beiden Vierteln sind einige der schlimmsten Terroranschläge in Jerusalem in den vergangenen Jahren ausgegangen. Junge Palästinenser aus Dschabel Mukaber haben zum Beispiel den tödlichen Anschlag in der Har-Nof-Synagoge am anderen Ende der Stadt verübt, als sie mit Äxten auf betende fromme Juden losgegangen sind, ehe die Angreifer erschossen werden konnte.

Täter arbeiteten in Supermarkt und waren Anwohnern bekannt

Die Täter waren nicht aufgefallen, weil sie dank ihrer israelischen Ausweise in einem nahe gelegenen Supermarkt gearbeitet haben und den Bewohnern von Har Nof bekannt waren. Dann gab es den tödlichen Anschlag auf einen Bus der Linie 78. Dabei haben ebenfalls junge Palästinenser aus Dschabel Mukaber mehrere Menschen erstochen und erschossen, darunter einen amerikanischen Friedensaktivisten und eine 80 Jahre alte Frau. Die Endstation dieser Buslinie befindet sich zwar noch in dem jüdischen Viertel, doch auf der anderen Straßenseite stehen schon die ersten Häuser des arabischen Dorfes. Die arabischen Täter brauchten nur die Straße zu überqueren, um den Bus zu besteigen und dort ihr Massaker zu vollbringen. Jerusalem ist eine relativ kleine Stadt, in der jüdische und arabische Viertel oft nur durch eine Straße getrennt sind, ohne Zaun, Mauer oder andere Hindernisse. Behauptungen, dass es keine gesellschaftlichen oder andere Kontakte zwischen den Bevölkerungsgruppen gebe, sind falsch. Juden und Araber treffen sich in Jerusalem bei jeder Gelegenheit – im Supermarkt wie im Bus. Auch die Buslinie 12 hat ihre Endstation beim Dorf Dschabel Mukaber. Zwar hat die Polizei noch nicht entschieden, ob es ein „Terrorist oder ein Selbstmordattentäter“ war, der am Montag die Bombe im leeren Bus der Linie 12 gelegt hat, aber es ist naheliegend, dass der oder die Täter wieder aus Dschabel Mukaber kamen. Derzeit ist lediglich klar, dass eine Bombe die Explosion hervorrief, bei der ein zweiter voller Bus und ein PKW von der Wucht der Explosion erfasst worden sind.

Untrügliche Zeichen für palästinensische Terrorbombe

Der Chefarzt der Notaufnahme des Hadassah-Krankenhauses, Abraham Rivkin, berichtete, dass einige der 21 Verletzten von Metallstücken getroffen worden waren. Das ist ein untrügliches Zeichen für eine palästinensische Terrorbombe, versetzt mit Kugeln aus Kugellagern und anderen kleinen Metallteilen. Sie sollen nach dem Prinzip der geächteten Streubomben die tödliche Wirkung des Sprengsatzes erhöhen. Eine völlige Aus- oder Absperrung dieser Viertel, etwa mit einer Mauer, ist aus praktischen wie juristischen Gründen undenkbar. Die arabischen Bewohner verreisen zwar ins Ausland bis heute mit einem jordanischen Pass, verfügen aber auch über einen israelischen Ausweis, der sie berechtigt, in Israel frei herumzureisen und zu arbeiten. Die meisten haben eine Arbeit in jüdischen Vierteln gefunden und müssen täglich von einer Seite zur anderen pendeln. (uws)

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