Bei einer Bombenexplosion am Montagabend in Jerusalem in einem Bus sind 21 Personen verletzt worden. Die Polizei geht von einem Anschlag aus. Der oder die Tatverdächtigen sind noch nicht bekannt.
Dass die jüngsten schweren Anschläge auf Busse in Jerusalem ausgerechnet in den Linien 12 und 78 passierten, ist kein Zufall. Beide Linien starten ihre Fahrten im Ostjerusalemer Viertel Armon HaNatziv, auch Ost-Talpiot genannt. Dieses Viertel wurde auf Land errichtet, das in den 1930er Jahren von Juden aufgekauft worden ist. Und deshalb war es ein freier Fleck rund um das „Niemandsland“ bei dem UNO-Hauptquartier in der Zeit von 1949 und 1967 geblieben.
1928 hatte die Schriftstellerin und Pädagogin Rachel Janait Ben-Zvi in dem Gebiet eine landwirtschaftliche Ausbildungsfarm und eine Schule für arabische Mädchen eingerichtet. 1975 wurde mit dem Bau des Wohnviertels begonnen, das in der Welt als „Siedlung“ gilt, während Israel es als normales Wohnviertel Jerusalems betrachtet. Die rund 30.000 Einwohner sind weltlich ausgerichtet und verfügen nur über 15 Synagogen.
Das Ostjerusalemer Viertel Armon HaNatziv grenzt an zwei arabische Dörfer, die heute auch Teil Jerusalems sind, Dschabel Mukaber und Zur Bacher. Von beiden Vierteln sind einige der schlimmsten Terroranschläge in Jerusalem in den vergangenen Jahren ausgegangen. Junge Palästinenser aus Dschabel Mukaber haben zum Beispiel den tödlichen Anschlag in der Har-Nof-Synagoge am anderen Ende der Stadt verübt, als sie mit Äxten auf betende fromme Juden losgegangen sind, ehe die Angreifer erschossen werden konnte.