Am Vormittag um 11 Uhr ertönten im ganzen Land die Sirenen und die Menschen hielten zwei Minuten lang inne. Die Sirenen markierten den Beginn der Gedenkzeremonien auf 52 Militärfriedhöfen im ganzen Land für die 23.169 Gefallenen und 2.495 Terror-Opfer seit dem Jahr 1860. Zentraler Ort des Gedenkens ist der israelische Nationalfriedhof auf dem Jerusalemer Herzl-Berg.
Israel als Schutz
Dort hob der israelische Premier Benjamin Netanjahu das Leid hervor, das insbesondere Eltern von Kriegs- oder Terror-Opfern widerfährt. „Kein Schmerz dieser Welt übertrifft den Schmerz der Eltern, die erfahren, dass ihre Kinder getötet wurden.“ Das habe er selbst an seinen Eltern gesehen, als sein Bruder Jonathan 1976 als Oberstleutnant und Anführer der „Operation Entebbe“ getötet wurde. Doch im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten sei mit dem Staat Israel ein konkreter Zweck des Blutvergießens erkennbar. „Die Medizin für den Schmerz ist das Verstehen unseres Zweckes.“
Netanjahu erklärte weiter, ohne den Staat Israel und ohne dessen Armee als Schutz würde es den Juden genauso ergehen wie den Zehntausenden getöteten Menschen in Syrien, die keine Verteidigungsmacht hätten. „Die israelische Armee ist das einzige, was uns von den Massakern an unserem Volk in früheren Jahrhunderten trennt.“ Doch diese Sicherheit bezahle Israel mit dem Verlust seiner Söhne und Töchter.
Proteste der Betroffenen
Als Netanjahu mit seiner Rede beginnen wollte, ertönten Protestrufe von Angehörigen von Terror-Opfern. Diese bekundeten ihre Wut angesichts der Freilassung palästinensischer Gefangener, die im Rahmen der Verhandlungen mit den Palästinensern erfolgte. „Herr Premierminister, sie befreien die Mörder unserer Kinder“, riefen sie. Die Protestler wurden dann zur Ruhe gebracht. Netanjahu sagte in seiner Rede, er habe gewusst, auf Protest zu stoßen. „Aber ich bin hierher gekommen, um mit ihnen hier zu stehen, um die Toten zu ehren.“
Die israelische Justizministerin Zippi Livni nahm an der Zeremonie für drusische Soldaten in der Stadt Karmel teil. Sie betonte dabei, zwischen den Gefallenen bestehe kein Unterschied, gleich welcher Herkunft. „So wie unsere Feinde keinen Unterschied machten, sondern nur auf die Uniform der israelischen Armee schauten, so müssen auch wir davon absehen, zwischen den israelischen Bürgern zu unterscheiden.“
Hoffnungsvoller Ausblick
Bereits am Sonntagabend gedachte Israel der Gefallenen und Terror-Opfer. Um acht Uhr Abends ertönten die Sirenen für eine Schweigeminute. An der Klagemauer wurde eine Gedenkflamme angezündet. Der israelische Staatspräsident Schimon Peres sagte, der israelische Staat sei zwar ein Wunder für Juden und für die ganze Welt, doch angesichts der Opfer sei die Freude darüber immer unvollkommen. „Eine Wolke der Traurigkeit umhüllt uns. Sie ist tief versteckt, schaut aber aus unseren Augen heraus.“
In seiner Rede fuhr er jedoch mit einem optimistischen Ausblick fort. „Noch leben wir durch das Schwert. Aber wir suchen mit ganzem Herzen Frieden. Wir bieten unseren Nachbarn wahre Partnerschaft und ein neues Leben an, in dem Bäume voller Früchte die Pfeile des Kampfes ersetzen. Ich bin sicher, dass wir diese Tage noch erleben werden.“
Der Gedenktag für die Gefallenen und Terror-Opfer geht am Abend nahtlos über in den freudigen Unabhängigkeitstag (Jom HaAtzmaut), an dem das 66-jährige Bestehen des Staates Israel gefeiert wird.