Wer angreift, bestimmt, wo gekämpft wird. Wer bestimmt, wo gekämpft wird, kann das Schlachtfeld „vorbereiten“. Genau das haben Hamas und der „Palästinensische Islamische Dschihad“ (PIJ) exzessiv getan. Der Gazastreifen ist circa 41 Kilometer lang und im Durchschnitt circa 9 Kilometer breit. Unter dieser Fläche wurden 560 Kilometer Bunkerwege gebaut – die „Gaza-Metro“. Ein starker Kandidat für den größten Luftschutzkeller der Welt. Etwa 5.000 Eingänge in Schulen, Moscheen, Krankenhäusern, Läden und Wohnblocks.
Kein einziger Zivilist hätte bei israelischen Luftangriffen sterben müssen. Und doch durfte kein einziger Zivilist jemals dieses Netzwerk betreten. Während sich die Hamas-Brigaden unter der Schule versteckten und in Klassenzimmern Raketen lagerten, war es die Aufgabe der Schüler, zum Schutz der „Soldaten“ zu sterben.
Krieg ist die Hölle auf Erden. Jeder Krieg. Orts- und Häuserkampf ist eine weitere Steigerung, ein besonderer Abgrund dieser Hölle. Aber dieser Krieg wurde speziell und wie kein zweiter dafür vorbereitet, um die Seelen der Soldaten, die ihn gezwungenermaßen kämpfen, kaputt zu machen. Der Krieg begann mit einem Massaker, Israel MUSSTE reagieren. Um die israelische Reaktion mit absoluter Sicherheit herbeizuführen, wurden zusätzlich 251 Geiseln in diese vorbereitete Hölle verschleppt …
Jeder hat seinen Sicherungsauftrag
Die im Folgenden geschilderte Infanterie-Patrouille im Gazastreifen hat so nie stattgefunden. Sie greift aber an anderer Stelle gemachte Erfahrungen auf und setzt sie in den Kontext dieses Krieges. Als ehemaliger deutscher Soldat kann ich mir die Situation gut vorstellen: Unter Hochspannung tastet sich deine Gruppe die Häuserzeile voran. Schützenreihe, immer einer links und einer rechts der Straße. Bloß nicht zu nah auf den Vordermann auflaufen. Wenn‘s knallt, seid ihr sonst beide tot. Jeder von euch hat seinen Sicherungsauftrag.
Die Häuser sind Gefahrenquelle und Deckung zugleich. Aus jedem Fenster könnte geschossen werden. Jede Haustür könnte explodieren. Bisher war zum Glück alles ruhig. Die Wohnungen scheinen leer. Die Warnungen, die das Hauptquartier gestern per SMS verschickt hat, scheinen doch gewirkt zu haben. Einige Häuser sind eingestürzt. Zum Glück war die Luftwaffe schon vorher da und hat die bekannten Hotspots abgeräumt. Euer Ziel ist die Schule am Ende der Straße. Vom Schulhof wurden gestern Nacht Granaten verschossen. Noch eine Querstraße, dann ein paar Häuser – und ihr habt euer Ziel erreicht.
Du siehst eine Gruppe Kinder auf dem Schulhof. Vier Jungs, vielleicht neun oder zehn Jahre alt. So alt wie dein ältester. Mist, was haben die hier zu suchen?!
Wenn jetzt aus einem der Klassenzimmer auf dich geschossen wird, hast du verloren. Entweder dein Leben, oder deine Seele. Die Jungs bemerken euch, rufen unverständliche Wörter und hauen – zum Glück – schließlich ab; du musst nicht auf sie schießen.
Feuer erwidern ist schlauer
Instinktiv gehst du auf die Knie. Klein und hässlich machen. Da brechen auch schon die ersten Schüsse. Ziegelstückchen fliegen herum. Staub steigt auf und wabert durch die Luft. Du unterdrückst den Wunsch, in die nächste Deckung zu rennen. Dort würde dich ohnehin nur ein Sprengsatz erwarten. Feuer erwidern ist schlauer. Auch Terroristen zielen schlechter, wenn ihnen Blei um die Ohren fliegt.
Die Einschläge auf der anderen Straßenseite deuten auf zwei Häuser neben der Schule hin. Die grobe Richtung reicht erstmal. Du drückst dreimal ab. Dann in Abständen immer wieder. Deine Kameraden auch. Es riecht nach Böllern und Feuerwerk. Jedes Mal bist du neu überrascht, wie sehr dich ein Feuerkampf an Silvester erinnert.
Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!
Schnell ist klar, in welchen Häusern sie sich verschanzt haben. Unten drin ist ein Handy-Laden und vor dem Laden nebenan stehen Palmölkanister. Klar; die sollen den Terroristen den Rückzug sichern. Wenn ihr nachsetzt … rums. Den Chef hat‘s am Bauch erwischt. Ein Kamerad zieht ihn nach hinten. Morphin ist jetzt sein bester Freund. Hoffentlich kommen die Kampfretter noch rechtzeitig. Der Stellv. signalisiert der Luftwaffe: Euer wichtigster Job ist jetzt, dafür zu sorgen, dass der Feind sich nicht bewegt. Feuerdisziplin ist nötig, denn es kann eine Weile dauern.
Endlich das erlösende Donnern am Himmel. Dann ein unendlicher Schlag. Überall ist Staub. Kleine Stücke Haus fliegen euch um die Ohren. Glücklicherweise fliegen die großen Stücke nicht so weit. Ihr erhaltet das Feuer aufrecht, bis ihr wieder etwas seht. Dann tastet ihr euch weiter vor. Schützenreihe. Das gewohnte Spiel. Die Seitenwand der Schule hat der Druck der Explosion teils eingerissen. Unter dem Schutt kannst du drei Rohre und Mörsergranaten erkennen. Und etwas, das aussieht wie der hölzerne Handschutz einer Kalaschnikow.
Plötzlich ist alles ruhig
Die weitere Erkundung des Schulgeländes übernimmt die Drohne. Irgendwo muss hier noch ein Tunneleingang sein. Der ist üblicherweise auch vermint. Aber die Entschärfung übernimmt die Jahalom-Einheit. Ihr kümmert euch um die Sicherung. Plötzlich ist alles ist wieder ruhig. Du atmest tief durch. Kein guter Tag heute. Aber dein Herz schlägt noch. Das muss fürs erste reichen.
Die Gleichzeitigkeit von Existenzialität und Banalität solcher Situationen über Monate hinweg kann großen seelischen Schaden anrichten. Zivilisten sind nicht die einzigen, die unter einem Krieg leiden. Am härtesten trifft es die Reservisten. Denn sie müssen im Zweifel eine Familie zerstören, um die eigene Familie zu beschützen.
Bitte schließen Sie die in Gaza und Libanon dienenden israelischen Soldaten in Ihre Gebete mit ein! Und danken Sie dem Herrn, dass Sie als Deutsche nicht gezwungen sind, als Soldaten unter Einsatz Ihres Lebens Ihre Heimat zu verteidigen.
Und wenn Sie einem Israeli begegnen, der jünger ist als 45 Jahre, umarmen Sie ihn! Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er etwas ähnliches, wie das oben Geschilderte, erlebt hat.
Von: Henning Danneberg
24 Kommentare
Was für ein hinterhältiges Kriegsdrama der Hamas! Schuld tragen alle Bewohner in Gaza, die Tunnelbaus mit Kräften/ Gesundheit ihrer Kinder zuließen. Und UNO/ UNRWA. Deren Wissen war es, was unter Schulen, Kitas, Kliniken lagerten. IDF gebt acht, es ist noch nicht vorbei. Shalom Israel.
OT: Tunnelbaus ebenso im Libanon von Hisbollah.
Da weiß einer, wovon er spricht ! Nicht wie gewisse Tännchen, die von militärischem Vorgehen keine Ahnung haben, aber dafür eine festgefügte Meinung. Ich erinnere mich an Berichte von deutschem Soldaten, die im Afghanistan- Einsatz waren . Einer schrieb damals, „ein Junge, vielleicht 10 Jahre alt, kommt auf eine Patrouille zu. In ein paar Sekunden musst Du Dich entscheiden : ist es ein harmlos neugieriges Kind oder ein Kind, das als Kamikaze missbraucht wird“. Die meisten Soldaten dürften dieses Dilemma verstehen.
„Die im Folgenden geschilderte Infanterie-Patrouille im Gazastreifen hat so nie stattgefunden.“
Der UN Bericht über 100 Seiten, der über gezielte Angriffe auf Kinder durch die IDF im Gaza berichtet wird ist aber Real! (Heute erschienenen)
Trotzdem danke für die Alternative Wahrnehmung von Realität.
@Ludovico
Bitte! Wenn Sie noch mehr Informationen und Meinungen zu Gaza brauchen, stehen wir, meine Ehefrau und ich selbst, stets zur Verfügung.
@AlbertNola
Danke für das Angebot, aber ich lese die „Bild“ nicht.
@Ludovico
Das merkt man.
Die Kindersoldaten der Hamas stört Sie aber nicht, Ludovico. Wer schon als vierjähriger durch die Hamas- und UNRWA Sommercamps den Hass auf Israel eingetrichtert bekommt ist auch auch 10 jähriger bereit, der Hamas zu dienen .
Was Ihren Bericht angeht: so real wie die Aussage von UN Aslalem? Es gab keine Vergewaltigungen durch die Hamas behauptete sie.
Ach ja, wo stecken Sie bei dem Artikel Warum haben sie geschwiegen? Da schweigen Sie auch. Ebenso wie Buhl, Brigitte und Schneemann. Warum? Wäre es ein Hamas in den Rücken fallen?
@Ludovico :Von wem wurde der Bericht denn verfasst,den Sie meinen? Wo kommen die sogenannten Infos her? Von der Hamas? Und wenn ich schon UN lese! Alles klar.🤦🏻♀️🤦🏻♀️🤦🏻♀️🤦🏻♀️🤦🏻♀️Und wenn der Bericht 20.000 Seiten hätte. Wer sagt das es die Wahrheit ist? Wem kann man wohl trauen? So wie die Angaben des Hamas-Gesundhreitsministerium:Am 25.10.23 wurden 481 Palästinenser getötet.Davon waren 626 Frauen und Kinder!!!! Also ich war ja in Mathe auch nie ein Ass,aber bei den Zahlen komme ich doch ins stutzen. Und das hat die UN auch unkritisch übernommen. Können alle nicht rechnen,oder wurde in der Mathematik was geändert??????
Kinder oder Jugendliche mit oder ohne Waffen und Handgranaten ? Und der UN-Bericht trägt die Handschrift von Hamas, vollkommen unkritisch übernommen, auch eine Art der Relativierung, und gern gefressen, weil vorverdaut.
Vielen Dank Herr Danneberg für diese eindrückliche Schilderung. Die Kriegsführung hat sich verändert seit den Weltkriegen. Tunnel und Drohnen in Gaza und Libanon machen es auf engstem Raum gefährlich. Dazu eben noch die Schulbank gedrückt müssen noch halbe Soldatenkinder in Sekuden einschätzen, wer für sie gefährlich wird. Im Buch „Die Tore in Gaza“ lese ich, wie ein 19jähriger in Nahal Oz gegen Hamas kämpfen muss, viele haben dabei ihr Leben verloren. Umarmen würde ich sie alle gerne, die Wahrscheinlich besteht, dass es die letzte Umarmung sein kann. Ich werde beten, das mach ich. 🙏🇮🇱
@ Ella, „Die Tore in Gaza“ werde ich wohl auch noch lesen. Ich brauche aber erst einmal eine Pause. Die Bücher, die ich für wichtig und gut befinde und auch sonstiges Info-Material über Israel, das stelle ich immer nach dem Lesen in den Bücherschrank, der in unserem Dorf steht. Das ist immer ganz schnell weg.
Es ist schön, dass es in dem Dorf, in dem Sie wohnen, auch ein Bücherschrank bzw. ein Bücherspendeschrank steht. In Süddeutschland, wo ich wohne, gibt es diese Bücherspendeschränke erst seit etwa 2004 oder 2005.
Liebe Ute, wir sind hier noch recht neu in diesem Dorf. Scheint aber eine ziemlich rechte Ecke zu sein.
Die Zahnarztpraxis mit muslimischen Ärzten im Nachbarort wird wohl gemieden. Das ist für uns zum Segen geworden. Wir haben sofort einen Termin bekommen. Eine sehr kompetente muslimische Zahnärztin nimmt sich nun unserer Zähne an. Bei der anderen Praxis haben wir noch nicht einmal einen Termin bekommen. Nehmen keine Patienten mehr an.
Als wir hierher gezogen sind, haben uns Syrer geholfen. Einer vor Assad geflohen, der andere vor dem IS.
Das Leben ist bunt.
@Eleonora
Das Buch ist echt sehr zu empfehlen. Bin noch nicht ganz durch. Das mit dem Bücherschrank ist eine gute Idee, so haben mehrere Leute etwas davon. Ich hab es mir aufs E-book geladen, da Platzprobleme und so kann ich immer wieder nachlesen und wichtiges markieren.
@Ella
Bei uns heißt das ,,Bücherzelle“. Da lege ich auch oft Bücher ab. Aber die ich jetzt gekauft und gelesen habe,die behalte ich. Falls ich etwas nachgucken will. Meistens lege ich Krimis und solche Bücher dort hin. Die anderen sind mir zu wichtig.
Liebe Manu,
ich behalte immer die Bücher, wo die Geschichte gut dokumentiert ist, mit Jahreszahlen und Ereignissen, zum Nachschlagen.
Liebe Grüße nach Berlin.
Mich hat nur die „Hexe“ gestört. Verbal aufrüsten sollten wir nicht. Wohlmöglich bekommen sonst irgendwann die kritisierten Personen noch Morddrohungen.
Eleonora
@Manu
Jey Manu, ja das gibt es bei uns auch. Gewünscht ist, dass man tauscht, also was ablegt und was anderes mitnimmt. Ich hab auf diese Weise fast ein halbes Bücherregal zuhause „geleert“, Romane-Staubfänger seit Jahren. Und ein paar Bücher hab ich aufm E-Book, gut für Wartezimmer (zB gestern) oder Friseur. Aber man kann tatsächlich nicht so gut nachschlagen wie in einem richtigen Buch. 🙋♀️🍨🍓🐿
@Eleonora
Also jetzt übertreiben Sie bitte nicht mit den Morddrohungen. Im Übrigen ist das für mich abgehakt. Es gibt schlimmere Aussagen.
Ella, Ludovico sollte lesen, was er nicht wagt zu lesen, und auch keiner der anderen Kontraforisten, weil es Gift für sie wäre (Die Wahrheit ist nahezu immer giftig, mindestens aber bitter). Ausser ,,Die Tore von Gaza“ auch ,,Vom Antisemitismus, der keiner sein will“ und ,,Der andere Krieg“ , ,,Israelphobie“ und ,,Judenhass“.
Die Liste könnte noch länger sein, ich hab ein ganzes Regal voll der unterschiedlichsten Spielarten des Antisemitismus, ich will wissen, wie und warum die alle so seltsam ticken.
SHALOM
@Klaus
„Die Tore von Gaza“, ein Buch, das auch für Ludovico und die Trollgruppe durchaus lesenswert wäre. Da kommt ja nicht nur das Massaker in vollem Ausmaß zur Sprache. In Sachen Nethanjahu würden sie sich bestimmt so manches Mal bestätigt vorkommen in ihrer Meinung, denn der schneidet da ganz schlecht ab, sodass sogar ich mich in manchem hinterfragen muss. Ich bin noch dabei…
Aber ich denke, sie werden ihr Wissen nicht erweitern wollen, sie verharren lieber auf ihren Standpunkt. Aber der Standpunkt macht es nicht, die Art macht es, wie man ihn vertritt.
Lg Ella
Es mag sein, Ella, daß mit den ,,Toren von Gaza“ auch manche Augen aufgingen, aber dieses Buch ist, zumindest aus meinen Augen betrachtet erst einmal eine Kriegs-chronik, Nahal Oz betreffend eine Art von Berichterstattung durch einen Betroffenen.
Sehr interessant und überaus wichtig für das Verständnis des Geschehens, aber mich interessiert auch der Antisemitismus derjenigen, die davon nicht betroffen sind oder nur im entferntesten Sinne.
Warum, wieso, weshalb, ich will das wissen. Darum schaue ich mir auch Schriften an, die keine oder nur wenig
,,Äktschen“ beinhalten, sondern mehr sogenannte staubtrockene Theorie .
,,Vom Antisemitismus, der keiner sein will“ ist so eine Schrift.
SHALOM
Sehr eindrücklicher Bericht.
Danke Herr Danneberg.
Möge Gott seine schützende Hand über jeden IDF -Soldaten halten und über und um ganz Israel seine himmlischen Heerscharen stellen!
@ Manu. Die Stimmung ist dermaßen aufgeheizt. Die Hass-Mails, die sie bekommt, die möchte ich nicht lesen. Aber, ich habe auch schon verbal oder schriftlich total daneben gehauen. Auch in Streitgesprächen. Es ist auch gut jetzt und abgehakt. Ich muss auch darauf acht geben, was ich sage und schreibe.
Liebe Grüße
Eleonora
@Eleonora
Also, um das jetzt mal abzuschließen: wenn Frau Hayali Hass-Mails bekommt,liegt das bestimmt nicht an meinem Kommentar. Und ich finde auch nicht,das ich total daneben gehauen habe. War nur ehrlich.