Gaza-Siedler: „Neue Rückzugspläne sind unfassbar“

JERUSALEM (inn) - Israels Vizepremier Haim Ramon will Siedler im Westjordanland belohnen, die freiwillig ihre Häuser verlassen. Laut der Zeitung "Jediot Aharonot" soll nach seinem Plan jede Familie umgerechnet knapp 200.000 Euro Entschädigung für ein Haus erhalten. Ehemalige israelische Bewohner des Gazastreifens reagieren empört.

„Es ist eine Schande für den Staat, so einen Vorschlag überhaupt zur Diskussion zu stellen“, sagte Aharon Hasut, der aus der Ortschaft Gan Or evakuiert wurde und die israelischen Bauern aus dem Gazastreifen vertritt. Für diese Gruppe hat der Staat noch keine Lösung gefunden. Er lebt wie die meisten seiner Berufsgenossen in einer so genannten „Caravilla“ – einem Wohnwagen, der wie eine Villa aussieht. Er ist arbeitslos, und seine Entschädigungszahlung geht drei Jahre nach dem Rückzug aus Gaza allmählich zur Neige.

Am gestrigen Sonntag sollte das Kabinett in seiner wöchentlichen Sitzung über Ramons Vorschlag debattieren. Das Thema wurde jedoch aus Zeitmangel von der Tagesordnung gestrichen. Die Diskussion soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

„Eine Frage der Moral“

Hasut kann nach eigenen Angaben nicht begreifen, „dass sie es drei Jahre nach dem gescheiterten Rückzug sogar noch wagen, darüber zu diskutieren. Das ist alles so irrsinnig und unvorstellbar. Es deutet auf eine gescheiterte Führung hin. Jeder, der die Durchführung während des Rückzugs untersucht, begreift, wie unmöglich selbst eine Diskussion darüber ist“. Er fügte hinzu: „Wenn sie etwas mehr Moral hätten, würden sie es nicht wagen, darüber zu debattieren.“

Die ehemalige Gaza-Siedlerin Hagit Jaron aus Neveh Dekalim sagte: „Sie werfen diesen Siedlern Sand in die Augen. Sei denken, Geld könne diese Angelegenheit lösen, aber Geld ist nicht das Thema. Es geht hier um Werte und Ideologie, über die man überhaupt nicht diskutiert. Stattdessen reden sie über das Geld, das die Siedler erhalten sollen. So ein Schritt kann aber nicht gegen Geld umgesetzt werden.“

Von Ramons Vorschlag sind 61.800 Israelis in 72 Städten und Ortschaften im Westjordanland betroffen. Laut einer Umfrage sind derzeit 11.124 Siedler bereit, ihre Wohnhäuser freiwillig zu verlassen. Auch vor der Räumung des Gazastreifens im Sommer 2005 hatte die Regierung den Siedlern, die von selbst den Rückzug antreten wollten, eine Entschädigung für den materiellen Verlust angeboten. Später wurde diese Regelung auch auf diejenigen ausgeweitet, die sich gegen ihren Willen an dem Abzug beteiligten.

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