Fundsache: Saurer Glühwein für Salomos Arbeiter

HAIFA (inn) – Unter König Salomon gab es für die Bauarbeiter „schlechten“ oder auch „verdorbenen“ Wein. Der wurde in großen tönernen Behältern aufbewahrt. Bürokratisch ordentlich waren die Weine am Gefäßrand mit eingebrannter Inschrift gekennzeichnet.
Gerschon Galil präsentiert eine neue Deutung dieser schwer zu entziffernden alten Tonscherbe.

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Gerschon Galil präsentiert eine neue Deutung dieser schwer zu entziffernden alten Tonscherbe.

Diese Entdeckung veröffentlichte Professor Gerschon Galil von der Universität Haifa. Ihm war es gelungen, eine schwer zu entziffernde Inschrift mit Buchstaben in urhebräischer Schrift neu zu interpretieren.
Nachdem Archäologen 2012 südlich des heutigen Tempelberges im ältesten Teil Jerusalems die Scherben mit der Inschrift gefunden hatten, taten sich Experten schwer, sie zu lesen. Zuerst hieß es, dass die Inschrift in einer „unbekannten alten Sprache“ verfasst sei.

„Keine klare Linie“

Galil erklärte auf Anfrage, dass es bei den ältesten hebräischen Texten noch keine „klare Linie“ gegeben habe. Die Texte könnten von rechts nach links oder umgekehrt gelesen werden. Manchmal stünden die Buchstaben auf dem Kopf. Die Buchstaben hätten nach der Erfindung des Alphabets noch nicht ihre endgültige Form gefunden.
Anhand der Erdschicht am Fundort und der Form des Gefäßes könne das Alter der Scherben mit der Inschrift ziemlich genau auf das Jahr 950 vor Christus bestimmt werden. Das sei exakt die Regierungszeit des biblischen Königs Salomo. Dieser ließ ein paar Meter weiter nördlich den ersten „salomonischen“ Tempel errichten.
Die von Galil entzifferte Inschrift passe wunderbar dazu. Denn ein großer Behälter mit „schlechtem Wein“ bedeutete, dass dort Arbeiter tätig waren. Die Kennzeichnung des Gefäßes liefere zudem einen kleinen Beweis für eine ordentliche Verwaltung.
Nach Angaben von Galil sei der erste erhaltene Buchstabe ein „M“, also die Endung der Zahl 20 oder 30 auf Hebräisch. Das entspräche einer Jahreszahl, etwa dem 20. oder 30. Regierungsjahr Salomos. Dann las er zweimal ein „I“ und ein „N“, was bis heute das Wort für „Wein“ ist. Nur in der Gegend südlich von Hebron sei damals „Jain“ für „Wein“ mit einem doppelten „I“ geschrieben worden. Das nächste von Galil entzifferte Wort lautet „Halak“. Das sei typisch für die ugaritische Sprache. Ugarit liegt heute in Syrien nahe der türkischen Grenze. Dort sei der Wein in drei Kategorien eingeteilt worden: Gut, schlecht und verdorben (Halak). Die dritte Sorte, der verdorbene Wein, vielleicht eher Essig, habe natürlich nicht der König getrunken. Vielmehr hätten den die Sklavenarbeiter zu Trinken bekommen. Der letzte lesbare Buchstabe sei wieder ein „M“, was „von“ bedeuten kann und vielleicht von einem Ortsnamen gefolgt war, der Herkunft des Weines.
Bei einer Ausgrabung auf Tel Kabri im Norden Israels, wo ein etwa 3.700 Jahre alter Weinkeller gefunden worden ist, ergab eine Analyse der im Topfboden abgesetzten Weinspuren, dass der gegärte Traubensaft mit Gewürzen „angereichert“ worden ist, offenbar um ihn trinkbar zu machen. Die Gewürze erinnern stark an modernen Glühwein für Weihnachten: Honig, Minze, Zimtborke, Wacholderbeeren und Zedernharz.

Entzifferung stützt biblische Darstellung

Mit der Entzifferung der Inschrift auf Scherben, die genau in die Regierungszeit des Königs Salomo datiert werden können, gießt Galil frisches Öl in die feurige Diskussion unter Archäologen, die den König Salomo für einen Mythos halten und die biblische Erzählung anzweifeln. Denn Galil glaubt beweisen zu können, dass Jerusalem kein „winziges Dorf“ war, sondern Teil eines Königreiches mit funktionierender Bürokratie und Bauarbeitern, die „schlechten Wein“ zu trinken bekamen. Allein die Schreibweise der erwähnten Worte zeuge von kulturellen Kontakten bis nach Ugarit und Hebron.

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