Während der Wetterdienst Anfang des Monats noch über den trockensten Winter seit 70 Jahren unkte, freute sich die Bevölkerung bereits da über den Regen: Ein alter religiöser Jude betrat den unter Wasser stehenden Balkon seines Hauses und rief, seine Arme ausbreitend, fröhlich aus: „Der Regen und ich sind die besten Freunde!“
In den vergangenen Tagen betraten viele „Jeruschalmis“ die Straße nur mit einem Regenschirm bewaffnet. Durch heftige Sturmböen wurden diese jedoch vielfach in starke Mitleidenschaft gezogen. Das Ergebnis sind viele Regenschirme beziehungsweise deren Einzelteile, die über die Straßen wehen. In Westjerusalem standen viele Straßen unter Wasser. Wer bei dem Sturm nicht unbedingt das Haus verlassen muss, bleibt daheim.
Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen
Seit Dienstag gab es heftige Regenfälle in Tel Aviv und weiten Teilen des Landes, sowie Schneefälle auf dem Golangebirge im Nordosten Israels.
Am Donnerstagmorgen verkündete die Stadtverwaltung, dass die Schulen aufgrund der Witterungsbedingungen geschlossen bleiben. Auch an der Hebräischen Universität fiel der Unterricht aus. Der Campus blieb komplett geschlossen. Auch Angestellte der Nationalbibliothek und der meisten Geschäfte der Stadt konnten sich über einen freien Tag freuen.
Bereits Tage zuvor, unmittelbar nach Bekanntgabe der Wettervorhersagen, hatte Premierminister Benjamin Netanjahu sein jährliches Treffen zum Jahreswechsel mit der ausländischen Presse, das für den 12. Dezember angesetzt gewesen war, abgesagt. Gleicherweise stornierte Oppositionsführer Jitzhak Herzog eine Veranstaltung mit der Foreign Press Association. Die Tel Aviver Stadtverwaltung sagte die für den Vormittag des 13. Dezember geplante Einweihung eines Denkmals für lesbische, homosexuelle, bisexuelle und transgender (LGBT) Opfer des deutschen Naziregimes ab.
Am jüdischen Markt, in Westjerusalem, blieben die Geschäfte bereits am Mittwoch geschlossen. Es gab verstärkt Polizeieinsatz, der den Verkehr regelte, da das Stromnetz zusammengebrochen war. Auch in Tel Aviv waren Straßen überschwemmt worden. Infolgedessen kam es zu Staus.
Am Donnerstagmorgen hörte man erwachsene Männer begeistert durch die Straßen Jerusalems rufen: „Schnee. Schnee. Es gibt Schnee.“ Auf den Straßen fotografierten sich Studenten gegenseitig in der weißen Pracht. Eine Psychologiestudentin rief ihrem Freund begeistert zu: „Chag scheleg sameach! Ein fröhliches Schneefest!“ Ein Kunststudent freute sich besonders: „Ich komme von der Küste, aus Holon. Es ist das erste Mal, dass ich Schnee in Israel sehe.“
Überschwemmungen in der Wüste
Laut Verkehrsministerium sollten Busse fahrplanmäßig im Einsatz sein. Da die Straßen nur unzureichend geräumt werden, kann dieses Versprechen allerdings nicht eingehalten werden. Wegen des Wetterchaos‘ in der Region kam es auch zu Verspätungen von Flügen am Ben-Gurion-Flughafen. Innerisraelische Flüge wurden weitgehend gestrichen. Wegen der starken Sturmböen war die Autobahn zwischen Jerusalem und Latrun für einige Stunden komplett gesperrt. Auch in der Negevwüste kam es zu mehreren Straßensperrungen aufgrund von Überschwemmungen.
Binnen 24 Stunden sollen in Tel Aviv Niederschläge von 41 Millimetern gemessen worden sein. In Jerusalem waren es 55 Millimeter, in Haifa nur 14 Millimeter.
Laut Wetterbericht soll sich der Wind im Laufe des Donnerstags legen. Allerdings bleibt es kalt und regnerisch. Die Kältewelle soll noch bis zum Samstag andauern.
Für Probleme sorgt die Kältewelle auch in mehreren syrischen Flüchtlingslagern. Obwohl sich Syrien und Israel offiziell nach wie vor in einem Kriegszustand befinden, engagieren sich einige Israelis in jordanischen Flüchtlingscamps mit humanitärer Hilfe. Inmitten der schlechten Witterungsbedingungen sei diese besonders nötig, so ein Sprecher einer beteiligten Nichtregierungsorganisation.