„Friedensbesuch“ in Moschee sorgt für Aufruhr

Ein jüdischer Israeli besucht eine Moschee in Medina – und erregt damit den Ärger der arabischen Internetgemeinde. Zwei ehemalige Minister aus Saudi-Arabien besichtigen unterdessen eine Synagoge in Paris.
Mit diesem Bild aus Medina hat der Jude viele Muslime verärgert

Foto: Ben Tzion, Facebook

Mit diesem Bild aus Medina hat der Jude viele Muslime verärgert

RIAD / PARIS (inn) – „Ein Zionist in der Moschee des Propheten“ – dieser Hashtag sorgt in arabischen sozialen Medien für Aufruhr. Gemeint ist der aus Russland stammende Israeli Ben Tzion. Der Jude hatte unlängst heilige Stätten in der islamischen Welt besucht – von Teheran bis Qom, von Beirut bis Riad, wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ es zusammenfasst. Am Montag hat er Fotos von sich an der zweitheiligsten Stätte der Muslime im Internet veröffentlicht: der Moschee des Propheten in der saudischen Stadt Medina. Dort befindet sich Mohammeds Grabstätte.

Beim arabischen Sender der BBC erzählte der Israeli am Dienstagabend, er habe auf Hebräisch für Frieden in Nahost beten wollen. Die saudischen Freunde, die ihn zur Moschee brachten, hätten gewusst, dass er Israeli ist. Auf den Bildern trägt er traditionelle arabische Kleidung – und eine Tasche mit seinem hebräischen Namenszug. Der Hashtag „Ein Zionist in der Moschee des Propheten“ wurde an den zwei Tagen nach der Veröffentlichung mehr als 90.000 Mal benutzt. Viele arabische Nutzer reagierten verärgert.

Vor allem Kataris und Palästinenser machten ihrem Ärger Luft – besonders über die sich allmählich erwärmenden Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel. Der Vizepräsident des Instituts für Akademische Studien in Doha, Hind al-Muftah, meint allerdings, das sei nicht zwangsläufig der zentrale Streitpunkt. Vielmehr hätten katarische Staatsbürger die heiligen Stätten seit dem Beginn der Blockade im Juni nicht besuchen dürfen – und nun habe es ein israelischer Jude irgendwie geschafft, dorthin zu gelangen. Manche halten die Bilder auch für eine Fälschung.

Feindselige Kommentare, freundliche Begegnungen

Der frühere palästinensische Gesundheitsminister im Gazastreifen, Bassem Naim, teilte das BBC-Interview auf Twitter. Dazu schrieb er die Hashtags: „Normalisierung_ist_ein_Verbrechen“, „Ein_Zionist_in_der_Moschee_des_Propheten“ und „Der Boykott ist eine Pflicht“. Mit dem letzten Eintrag bezog er sich auf einen Boykott gegen Israel.

Tzion ist sich der feindseligen Kommentare im Netz bewusst. Der „Times of Israel” sagte er am Dienstag, vor Ort sei er nie auf Feindseligkeit gestoßen. Er verstecke nicht, dass er Jude ist und komme als „Freund“. Auf den Reisen zeige er Respekt für den Islam und die arabische Welt. Der Israeli betonte auch, dass er privat unterwegs sei und keine Regierungsorganisation vertrete. Die Menschen, denen er persönlich begegnete, seien überwältigend freundlich zu ihm gewesen. Das Instagram-Konto allerdings wurde vorübergehend gesperrt.

Ehemalige saudische Minister besuchen Synagoge

Eine historische Begegnung zwischen Muslimen und Juden gab es indes in Paris: Zwei ranghohe Vertreter aus Saudi-Arabien besuchten die Große Synagoge der französischen Hauptstadt. Es handelt sich um den ehemaligen Justizminister Muhammad Abdul-Karim al-Issa und den früheren Bildungsminister und jetzigen Botschafter in Frankreich, Chalid Bin Mohammed al-Angar. Dies berichtet die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“. Al-Issa ist derzeit Generalsekretär der Liga der Islamischen Welt, einer internationalen nichtstaatlichen Organisation in Mekka. Sie will den Islam verbreiten. Zudem berät er den königlichen Gerichtshof in Riad und den Verteidigungsminister.

In der Synagoge empfingen der Oberrabbiner von Frankreich, Haim Korsia, und der Rabbi der Synagoge, Moshe Sebbag, die Gäste. Sie zeigten ihnen eine 200 Jahre alte Torarolle und erklärten ihnen die Bedeutung jüdischer Symbole und Riten. Sebbag sprach gegenüber der Tageszeitung „Yediot Aharonot” von einem freundschaftlichen Treffen. „Saudi-Arabien gilt als feindlicher Staat, als konservativer muslimischer Staat“, ergänzte er. „Ihr Besuch in der Synagoge dauerte etwa zwei Stunden.“ Für die beiden Muslime sei es der erste Besuch in einer Synagoge gewesen. „Es war eine neue Welt für sie, zu entdecken, was ein Jude, jüdisches Gebet und jüdische Tradition ist.“

In der vergangenen Woche hatte erstmals ein israelischer Generalstabschef einer saudischen Zeitung ein Interview gegeben. Zudem bestätigte Energieminister Juval Steinitz am Sonntag, dass die Geheimdienste der beiden Länder mitunter zusammenarbeiten.

Von: eh

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