Französische Außenministerin will bei Israelbesuch lernen

JERUSALEM (inn) - Die aktuellen Schwierigkeiten im Friedensprozess sollten keine Ausrede für eine Entmutigung sein. Dies sagte Staatspräsident Schimon Peres am Donnerstag bei einem Treffen mit der französischen Außenministerin Michèle Alliot-Marie in Jerusalem.

Nach seiner Ansicht seien derzeit Revolutionen ein größeres Problem für den Nahen Osten als die Kriege, so Peres laut einem Bericht der „Jerusalem Post“: „Wir sehen den Anfang von Revolutionen, aber nicht das Ende, und das schafft eine Situation der Unrechtmäßigkeit in anderen Ländern der Region.“ Die Rolle der EU und Frankreichs sei es, Rechtmäßigkeit in die aktuelle Lage zu bringen und damit weiteres Chaos zu verhindern.

Der israelische Präsident unterstrich den Wert der finanziellen Hilfe für die Palästinenser. Dieser Beitrag zur Lebensqualität gebe ihnen Hoffnung für die Zukunft. Eine Förderung der palästinensischen Wirtschaft sehe er als ein Mittel, um den Friedensverhandlungen wieder Leben einzuhauchen. Nur über Frieden zu reden, ohne Fortschritte zu machen, sei hingegen lediglich die Suche nach einer Möglichkeit, mal wieder auf ein Foto zu kommen.

Alliot-Marie, die seit etwas mehr als zwei Monaten im Amt ist, sagte bei ihrem ersten Besuch in Israel als Außenministerin, sie wolle die bestehende Freundschaft zwischen Frankreich und Israel weiterentwickeln. Auch wolle sie darüber diskutieren, auf welchen Gebieten die beiden Staaten zusätzlich kooperieren könnten. Beim verheerenden Waldbrand im Karmelgebirge sei Frankreich den Israelis sofort zur Hilfe gekommen. Krisen schafften mitunter neue Möglichkeiten für eine strategische Zusammenarbeit.

Die französische Ministerin begrüßte die Aufnahme Israels in die Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wenn israelische Vertreter in Zukunft deshalb nach Paris kämen, werde auch dies die Verbindungen zwischen den beiden Ländern stärken. Frankreich verfolge die Entwicklungen in der Region genau. Es wolle seinen Beitrag zur Wiederaufnahme der israelisch-palästinensischen Verhandlungen leisten.

Zwar sei sie in einem gewissen Maße vertraut mit der Region, sagte Alliot-Marie. Doch „ich gebe nicht vor, die Lage von innen und außen zu kennen“. Ihr Besuch solle daher lieber eine Lernerfahrung sein. Sie wolle alle unterschiedlichen Ansichten und Bewertungen der Lage hören und dann versuchen, alles zu analysieren, was sie gelernt habe.

Trotz des Streiks im israelischen Außenministerium wird die Ministerin bei ihren Treffen mit Israelis von Israels Botschafter in Frankreich, Jossi Gal, begleitet.

Am Freitag will Alliot-Marie den Gazastreifen besuchen. Dort sind allerdings keine Unterredungen mit Hamas-Vertretern geplant, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

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