Einem Bericht der Tageszeitung "Ha´aretz" zufolge sind acht Schiffe der geplanten "Gaza-Flottille" von dem Verbot betroffen. Der griechische Außenminister Stavros Lambrinidis teilte gegenüber der belgischen Europa-Abgeordneten Veronique De Keyser mit, die Schiffe würden festgehalten, um eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern, die aus einem gewaltsamen Zusammenstoß mit der israelischen Marine erfolgen könnte. Die Regierung werde weiter mit den UN verhandeln, um eine Lösung für die Krise der Flottille zu finden. Die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten gab die Information per Mail an ein Mitglied der belgischen Delegation auf dem kanadischen Schiff "Tahrir" weiter.
Mihail Kritsotakis, ein linksgerichteter griechischer Abgeordneter, sagte bei einem Besuch auf dem amerikanischen Schiff "Audacity of Hope": "Die griechische Regierung befolgt die Anweisungen Israels. Deshalb liegt das Schiff hier vor Anker. Wäre Griechenland eine echte Demokratie, dann wäre das Schiff bereits in See gestochen." Der Druck sei durch den Dank des israelischen Regierugnschefs Benjamin Netanjahus an den griechischen Premierminister George Papandreou in der vergangenen Woche deutlich geworden.
Der Generalsekretär der Palästinensischen Nationalen Initiative, Mustafa Barghuti, sprach nach Angaben von Flottille-Aktivisten von einer beschämenden Kapitulation der griechischen Regierung. Er nahm an einem Treffen der sozialistischen Internationalen in Athen teil. Den Vorsitz hatte Papandreou.
Wie "Ha´aretz" weiter berichtet, erwägen die Organisatoren der Flottille rechtliche Schritte gegen das griechische Verbot. Zudem wollen sie versuchen, Mitglieder linksgerichteter Parteien in verschiedenen Ländern und dem Europäischen Parlament zu sammeln, um die griechische Regierung zu einem Umdenken zu bewegen.
Am Sonntag bot Griechenland den Aktivisten und Israel an, die Hilfsgüter der Flottille mit UN-Hilfe über die Häfen von Aschdod und El-Arisch auf dem Landweg in den Gazastreifen zu bringen. Israel nahm den Vorschlag an. Die Teilnehmer der Flotte lehnten es hingegen ab, weil es "eine List" sei, "die Israels Blockade gegen Gaza bewahren soll".
Das Angebot sei die Folge eines Gespräches zwischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Papandreou, sagten Aktivisten laut der Tageszeitung "Jediot Aharonot". Sie warfen Abbas vor, ihnen in den Rücken zu fallen. Zudem erinnerten sie an eine Äußerung des palästinensischen Präsidenten aus dem Jahr 2008 – damals hatte er jeglichen Versuch, die Blockade zu brechen, als "törichtes Spiel" bezeichnet.
Kapitän festgenommen
Am Freitag hatte die amerikanische Delegation einen Versuch gemacht, ohne Rücksprache mit den griechischen Behörden aus dem Hafen von Perama auszulaufen. Laut der israelischen Zeitung geschah dies, bevor Griechenland das Verbot veröffentlichte. An Bord der "Audacity of Hope", befanden sich 35 Aktivisten, elf Journalisten und fünf Besatzungsmitglieder. Das Schiff hat seinen Namen von dem Buch von US-Präsident Barack Obamas Buch.
Die "Audacity of Hope" wurde von der griechischen Küstenwache gestoppt und in den Hafen zurückeskortiert. Der Kapitän John Kusmir wurde wegen des Verstoßes gegen das Verbot festgenommen. Die Journalisten gingen am Freitag von Bord. Die amerikanischen Passagiere riefen unterdessen einen Hungerstreik aus und veranstalteten einen Protest vor der US-Botschaft in Berlin. Einige marschierten vor die israelische Botschaft und demonstrierten dort zusammen mit pro-palästinensischen Aktivisten aus Griechenland.
"Türkische Ermittlungen widerlegen Sabotage-Vorwurf"
Ein irisches Schiff in der Türkei sagte unterdessen die Teilnahme an der Flottille wegen einer Betriebsstörung ab. Die Aktivisten sprachen von Sabotage. Doch die türkische Zeitung "Hürriyet" berichtete von einer Untersuchung der türkischen Polizei. Diese habe ergeben, dass der Schaden offenbar vor dem Anlegen in der Türkei entstanden und höchstwahrscheinlich nicht absichtlich verursacht worden sei. Die Organisatoren hatten hingegen behauptet, die Störung sei in türkischen Hoheitsgewässern aufgetreten.
Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, nannte die Beschuldigungen eine "Verschwörungstheorie": "Die Organisatoren haben nicht das Mindeste getan, was erforderlich ist, um zu beweisen, dass es tatsächlich eine Sabotage gegeben hat; sie haben nicht einmal Beschwerde bei der Polizei eingereicht."