Fischer bei UN-Zeremonie: “Israel kann sich auf Deutschland verlassen”

NEW YORK (inn) – Bundesaußenminister Joschka Fischer hat in seiner Rede vor den Vereinten Nationen zum Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager betont, dass “dieses barbarische Verbrechen für immer Teil der deutschen Geschichte sein wird”. Gleichzeitig versprach er gegenüber Israel, dass es sich immer Deutschlands Unterstützung für sein Existenzrecht und die Sicherheit seiner Bürger sicher sein könne.

“Am 27. Januar 1945 erreichten die sowjetischen Truppen das Lager Auschwitz”, sagte Fischer bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager am Montag in New York. “Die Befreiung von Auschwitz war keine Stunde der Freude und des Triumphes”, so Fischer, “denn für fast alle dorthin Verschleppten war es zu spät: Die sowjetischen Soldaten fanden kaum mehr als 7.000 Überlebende.”

Der Name des Vernichtungslagers Auschwitz stehe seitdem für die Schoah, “das Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts schlechthin”. Fischer zitierte einen Überlebenden von Auschwitz namens Primo Levi, der das Verhalten der Soldaten schilderte, als sie die Stätte des Grauens erreichten: “Sie grüßten nicht, sie lächelten nicht; sie schienen befangen, nicht so sehr aus Mitleid, als aus einer unbestimmten Hemmung heraus, die ihnen den Mund verschloss und ihre Augen an das düstere Schauspiel gefesselt hielt.”

Fischer sagte: “Als Symbol für Menschenverachtung und Völkermord wird Auschwitz für immer in die Geschichte der Menschheit und die Geschichte meiner Nation eingeschrieben sein. (…) Es bedeutete für mein Land den absoluten moralischen Tiefpunkt, einen Zivilisationsbruch ohne Beispiel.” Das “neue, demokratische Deutschland” habe die Lehren daraus gezogen, so Fischer. Es sei “von der historisch-moralischen Verantwortung für Auschwitz tief geprägt”.

Deutschland sei in der Verantwortung für die Schoah “ganz besonders gegenüber dem Staat Israel verpflichtet”. In Bezug auf die diesjährigen Feiern zum 40-jährigen Bestehen deutsch-israelischer Beziehungen sagte der Minister: “Das Existenzrecht des Staates Israel und die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger wird immer unverhandelbare Grundposition deutscher Außenpolitik bleiben. Darauf wird sich Israel stets verlassen können.” Dass Israel Deutschland heute als verlässlichen Partner empfinde, sei “keineswegs selbstverständlich und erfüllt uns mit großer Dankbarkeit”.

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