Finsterer Gemüsemarkt wird Luxusrestaurant

JERUSALEM (inn) – Israelische Archäologen haben in der Jerusalemer Altstadt Teile eines riesigen Hospitals freigelegt. Dieses hatten die Kreuzfahrer vor 1.000 Jahren errichtet. An der Stätte wird ein verkommener Markt zu einem Lokal umgebaut.
In diesem Gewölbe befand sich vor 1.000 Jahren ein Hospital.

Foto: Yoli Shwartz, courtesy of the Israel Antiquities Authority

In diesem Gewölbe befand sich vor 1.000 Jahren ein Hospital.

An der Davidstraße vom Jaffator der Altstadt Jerusalems zum Tempelberg und anderen Sehenswürdigkeiten gab es einmal einen ärmlichen Gemüsemarkt unter einem rauchgeschwärzten unansehnlichen Gewölbe. Seit dem Jahr 2000 ist der Markt geschlossen. Aber jetzt, nachdem die Ostjerusalemer „Grand Bazaar Company“ das Gewölbe renovieren wollte, um darin ein Restaurant einzurichten, ging erst mal die Antikenbehörde ans Werk, um nach gesetzlich geschützten Altertümern zu suchen.
Unter Ruß, Putz und dem Dreck der Jahrhunderte kam ein Kreuzfahrergewölbe zum Vorschein, das Israelis an die unterirdischen Kreuzfahrerbauten in Akko erinnert. Das Gebäude war Teil eines Hospitals beim „Muristan“ (Hospital auf Persisch), wo auch die deutsche Erlöserkirche steht. Das im Jahr 1457 bei einem Erdbeben teilweise eingestürzte Hospital für 2.000 Patienten bedeckte ursprünglich eine Fläche von 1,5 Hektar (15.000 Quadratmeter). Erhalten sind 6 Meter hohe Säulen und größere wie kleine Säle.

Koscheres Essen für Juden

Die Archäologen der Antikenbehörde Renee Forestany und Amit Re’em wissen aus zeitgenössischen lateinischen Texten, dass der Orden der Johanniter, auf Lateinisch auch „Hospitaller“ genannt, dort ein wohlorganisiertes modernes Krankenhaus betrieben haben. Jüdischen Patienten wurden sogar koschere Mahlzeiten gereicht. Betrieben wurde das Hospital vor allem für Pilger, Männer wie Frauen.
Die dort arbeitenden Johanniter hätten allerdings von Medizin keine Ahnung gehabt. So sei einem Krieger das Bein amputiert worden, weil er eine entzündete Wunde hatte. Der Patient starb natürlich. Die arabisch-muslimische Bevölkerung Jerusalems habe mit dem Hospital kooperiert. Arabische Ärzte, die im Mittelalter bestens ausgebildet waren, brachten den Johannitern das Grundwissen für die Behandlung der Patienten bei.
Das Hospital diente auch als Waisenhaus. Mütter, die ihre Neugeborenen nicht wollten, überbrachten sie mit bedecktem Haupt. Üblich war es auch, nach der Geburt von Zwillingen eines der Kinder im Waisenhaus abzuliefern. Sowie die Kinder herangewachsen waren, schlossen sie sich dem Militärorden der Johanniter an.
Nach dem Sieg über die Kreuzfahrer und der Eroberung Jerusalems 1187 wohnte der Ajubische Sultan Saladin ganz in der Nähe. Er ließ das Gebäude renovieren und erlaubte zehn Kreuzfahrer-Mönchen, das Hospital weiter zu führen, zugunsten der Bewohner Jerusalems. Im Mittelalter, bis zur Ankunft der türkischen Osmanen, dienten Teile des Gebäudes als Pferdestall. Die Archäologen fanden viele Pferde- und Kamelknochen sowie große Mengen Metall zur Herstellung von Hufeisen.
Der Projektleiter Monser Shweeki erklärte: „Das wunderbare Gebäude wird in das künftige Restaurant integriert werden. Es soll seinen mittelalterlichen Charakter behalten.“

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