Der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, betonte das Recht des Staates Israel, „wie alle Staaten in dieser Welt in international anerkannten Grenzen“ leben zu können, „frei von Angst, Terror und Gewalt“. Lammert sagte: „Manches ist verhandelbar. Das Existenzrecht Israels nicht. Ein atomar bewaffneter Staat in seiner Nachbarschaft, geführt von einem offen antisemitischen Regime ist nicht nur für Israel unerträglich, die Weltgemeinschaft darf eine solche Bedrohung nicht dulden.“
Dass Deutschland Israel zum 60. Geburtstag gratuliere, sei im Hinblick auf die Geschichte bei „weitem nicht so banal, wie es sich anhört“. Die „entsetzliche Vergangenheit“ werde Deutsche und Juden immer in beispielloser Weise verbinden. Die heutige Freundschaft Israels zu Deutschland sei daher ein „Wunder“. Die beiden jeweils ersten Regierungschefs beider Länder, Konrad Adenauer und David Ben Gurion, hätten glücklicherweise die „Einsicht und die Größe zu einem völligen Neuanfang“ gehabt. 60 Jahre Israel sei Anlass zu großem Respekt vor dem politischen und wirtschaftlichen Aufbau in Israel.
Lammert erinnerte daran, dass es durchaus erlaubt sei, Israel zu kritisieren: „Wer jemals das Elend der Palästinenser, insbesondere im Gazastreifen, gesehen hat, der muss auch nach der israelischen Verantwortung für die aktuellen Verhältnisse fragen.“ Die Frage, ob manche Sicherheitsvorkehrungen, „zum Beispiel im Westjordanland mit rund 600 Kontrollposten“ nötig seien, sei „natürlich erlaubt“. Diese und andere Fragen würden in Israel und in den Staaten der Welt debattiert.
Deutschland zweitgrößter Freund Israels
Die Paulskirche war während der Veranstaltung vollständig von der Polizei abgesperrt. Vor der Kirche und auf dem Rathausplatz hatten sich etwa 150 Demonstranten mit palästinensischen Fahnen versammelt. Sie forderten ein Ende des Zionismus.
Unter den Gästen des Festaktes waren Repräsentanten des Bundestages und der Bundesregierung, wie etwa der Generalsekretär der FDP, Dirk Niebel, der Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe ist, der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Bütikofer, deren Fraktionsvorsitzende Renate Künast, Peter Struck (SPD) und Laurenz Meyer (CDU).
Johannes Gerster, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, drückte seine Freude darüber aus, dass Deutschland nach den USA heute der zweitgrößte Freund Israels sei. „Das sagen bedeutende Israelis“. Die Entwicklung Israels erscheine wie ein „Wunder“: „In 60 Jahren nahm dieses Land am östlichen Mittelmehr trotz Krisen und Kriegen eine phänomenale Entwicklung. Die Bevölkerung wurde von 750.000 auf 7,3 Millionen Staatsbürger verzehnfacht. Aus einem bitterarmen Agrarland erwuchs ein angesehener, moderner, mit seinen Produkten weltweit gefragter High Tech-Staat.“ Seit 60 Jahren kämpfe der Staat Israel um seine Existenz und werde tagtäglich angegriffen. „Der Iran, die Hamas und Hisbollah wollen Israel zerstören.“ Er betonte, dass Israels Sicherheit „unverhandelbar“ sei.
Gerster kritisierte, dass „nicht selten Ursache und Wirkung im israelisch-palästinensischen Konflikt unwissentlich oder propagandistisch bewusst verschoben“ würden. „Unbestreitbare Fehler auch der israelischen Politik werden ebenso einseitig wie falsch als Hauptursache dieses Konflikts dargestellt.“
„Einseitige, tendenziöse Medienberichterstattung“
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warnte vor der Bedrohung aus dem Iran: „Die Hisbollah als verlängerter Arm des Iran und des syrischen Regimes setzt alles daran, den Libanon zu kontrollieren, um von dort aus gegen Israel zu kämpfen.“ Für Israel gebe es eine Zwei-Fronten-Bedrohung, „denn sowohl an der Nord- wie an der Südgrenze des kleinen Landes haben sich kampfstarke Guerilla-Bataillone positioniert, die mit einer asymmetrischen Kriegsführung Angst und Schrecken verbreiten“. Dies erhalte durch die nuklearen Ambitionen des Iran eine besonders beunruhigende Dimension. „Wir wollen hoffen, dass auch die Staatengemeinschaft das endlich erkennt und Verantwortungsbewusstsein nicht länger gegen Wirtschaftsinteressen tauscht.“
Angesicht dieser Bedrohung sei es wichtig für Israel, Freunde zu haben. Diese könnten über Israel auch hierzulande aufklären, „auch jenseits der zuweilen einseitigen und tendenziösen Medienberichterstattung, die das Elend in Gaza als Folge der israelischen Politik beschreibt, statt deutlich zu machen, dass die korrupten Eliten der Hamas sämtliche Gelder der Europäischen Union in Waffen investieren oder sich persönlich daran bereichern.“
Auch Yoram Ben-Zeev, der seit fünf Monaten israelischer Botschafter in Deutschland ist, ging in seiner Rede auf den Iran als unmittelbare Bedrohung für Israel ein: „Im Iran wurden die toleranten Menschen entführt von radikalen Führern, die immer wieder damit drohen, Israel von der Landkarte zu tilgen. Doch das werden wir nicht zulassen. Ich wünsche dem Iran, dass er eines Tages frei sein wird von diesem Hass.“ An die Palästinenser gerichtet sagte Ben-Zeev: „Wir strecken unsere Hand zum Frieden aus. Wir sind nicht Euer Feind. Euer Feind sind Hunger, Armut, Radikalismus und Fanatismus. Lasst uns also zusammen arbeiten und die Probleme lösen. Unsere Kinder, eure Kinder, brauchen Frieden, Bildung und eine gute Wirtschaft. Krieg und Blut können sie nicht brauchen.“