Von den 132 Abgeordneten kamen 28 in den Sitzungssaal nach Gaza. Zudem hatten 35 Hamas-Anhänger, die in Israel inhaftiert sind, Stellvertreter ernannt. Vom Westjordanland aus nahmen sieben weitere PLC-Mitglieder per Telefonkonferenz an der Sitzung teil. Sie gingen dafür allerdings nicht in das Parlamentsgebäude in Ramallah, weil sie nicht unterwegs von israelischen Sicherheitskräften festgenommen werden wollten. Außerdem würde ihnen die Fatah den Zutritt zu dem Gebäude nicht gewähren. Das sagte ein Hamas-Vertreter gegenüber der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma´an“.
Mit diesen Sitzungsteilnehmern sei eine beschlussfähige Mehrheit zusammengekommen, so der amtierende PLC-Sprecher Ahmad Bahar. Die Paragraphen 7 und 20 der PLC-Statuten von 2004 gewährten dem Legislativrat in jeglicher Zusammensetzung das Recht, seine eigenen Regeln aufzustellen, solange diese den Statuten nicht widersprächen. Der Hamas-Block habe in diesem Sinne eine Regel geschaffen, die es inhaftierten Abgeordneten erlaube, Stellvertreter zu ernennen.
PLC-Generalsekretär Ibrahim Chreischa bezeichnete die Sitzung hingegen als „illegalen Schritt“, der die Herrschaft aufwerten solle, die „durch Militärputsch und innerpalästinensische Teilung“ erlangt worden sei. Der Fatah-Abgeordnete Abdullah Abdullah äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: „Dies ist kein Zeichen für gute Absichten. Es ist eine Vertiefung der Trennung zwischen Gaza und dem Westjordanland.“
Der abgesetzte Premier Ismail Hanije bezeichnete das Treffen als „historisch“: „Man könnte sagen, dass so eine Sitzung ohne Beispiel in der Geschichte ist. Wir stimmen dem zu und sagen, dass der PLC mit seinem Sprecher und seinen Mitgliedern im Westjordanland und in Gaza es geschafft hat, eine angemessene Entgegnung auf die israelische Besatzungspolitik zu finden.“
Die Hamas hatte bei den Parlamentswahlen Anfang 2006 die absolute Mehrheit gewonnen. Durch ihre gewaltsame Machtübernahme im Gazastreifen fand eine Einheitsregierung mit der Fatah im Juni ein Ende. Seitdem gibt es de facto zwei palästinensische Regierungen, die sich gegenseitig nicht anerkennen.