Fall Schalit: Eltern machen Autonomiebehörde mitverantwortlich

JERUSALEM (inn) - Die Eltern des von Palästinensern entführten Soldaten Gilad Schalit, Aviva und Noam Schalit, halten nach dem Schulterschluss von Fatah und Hamas auch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) für das Schicksal ihres Sohnes verantwortlich. Sie kündigten gegenüber Israels Premierminister Benjamin Netanjahu an, Klage beim Obersten Gerichtshof einzureichen, falls die Regierung keine Wege finden sollte, die PA unter Druck zu setzen.

In einem Brief an Netanjahu schrieben die Eltern: "Angesichts der neuen Situation fordern wir, dass der Transfer von Steuereinnahmen an die Palästinensische Autonomiebehörde bis zur Freilassung Gilads, dessen Schicksal nun in den Händen der PA ist, verschoben wird." Israel hält aufgrund der palästinensischen Versöhnung Steuereinnahmen zurück, die sie für die PA eingetrieben hatte. Es befürchtet, dass das Geld in die Hände der Hamas gelangen könnte.

Die Anwälte der Familie teilten laut der Tageszeitung "Jerusalem Post" mit: Die PA sei nun dafür verantwortlich, dass die Genfer Konventionen im Fall Schalit eingehalten werden und dem Roten Kreuz Zugang zu dem Gefangenen genehmigt wird. Zudem sollte der Ort bekannt gegeben werden, an dem Gilad gefangen gehalten wird, und es sollte ihm regelmäßiger Kontakt mit seinen Angehörigen genehmigt werden.

Schabak-Chef übernimmt Verantwortung

Am Mittwoch hatte zudem der scheidende Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schabak, Juval Diskin, der Familie sein Bedauern darüber entgegengebracht, dass es ihm während seiner Amtszeit nicht gelungen ist, Gilads Freilassung zu erwirken. "Ich teile meine Verantwortung mit niemandem in der Sache Schalit. Ich habe es nicht geschafft, Gilad nach Hause zu bringen und seine Rückkehr zu ermöglichen. Ich sehe dies als meine Pflicht und meine Verantwortung. Als Leiter des Schin Bet bin ich traurig", sagte Diskin.

Der Inlandsgeheimdienst habe in dem Fall "die Zügel in die Hand genommen, als niemand sie wollte". "Wir haben ein Team aufgebaut, das am Tag der Entführung die Arbeit begonnen hat, wir haben bei der Sache in ein Meer von Anstrengungen und Ressourcen investiert. Als es hart auf hart kam, haben wir versagt. Das ist meine Verantwortung", so der Schabak-Chef weiter.

Noam Schalit bezeichnete die Worte Diskins als "zu wenig". "Gilad wurde in einem Hamas-Keller zurückgelassen, um seit fünf Jahren den Preis für diese Fehler zu tragen." Weiter sagte Schalit: "Wir bedauern, dass all diejenigen, die für die Fehler, die seit der Entführung gemacht wurden, verantwortlich sind, keine Verantwortung in Form von Taten übernehmen, sondern nur von Worten."

Gilad Schalit wurde am 25. Juni 2006 von bewaffneten Palästinensern in den Gazastreifen verschleppt. Damals war er 19 Jahre alt. Das bislang letzte Lebenszeichen des Soldaten war ein Videofilm vom September 2009, den die Hamas im Austausch gegen 20 inhaftierte Palästinenserinnen an Israel übergab.

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