Exodus der Exzellenten

JERUSALEM (inn) – Immer mehr israelische Spitzenakademiker wandern wegen mangelnder inländischer Perspektiven ins Ausland ab. In Israel betrachten Wissenschaftler diese Entwicklung mit Sorge.
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Viele exzellent ausgebildete Akademiker sehen in Israel keine Perspektive.
Viele exzellent ausgebildete Akademiker sehen in Israel keine Perspektive.

Kein Land der westlichen Welt verliert jedes Jahr so viele Spitzenforscher wie Israel. Im Jahr 2008 standen jeweils 100 im Land verbliebenen Akademikern 29 in den USA forschenden gegenüber. Der Vergleich mit 1,1 Japanern, 1,7 Deutschen oder 3,4 Franzosen zeigt das Ausmaß der Abwanderung. Das geht aus einer Studie hervor, die das Jerusalemer Taub-Zentrum für sozialpolitische Studien Ende Oktober vorstellte.
Die Gründe dafür sieht Dan Ben-David, Direktor des Taub-Zentrums und Autor der Studie, im unterfinanzierten Bildungssektor. Die Bildungsausgaben seien von der demographischen Entwicklung abgekoppelt worden. Zwar habe Israel von 1973 bis 2010 einen Bevölkerungszuwachs von 133 Prozent verzeichnet. Auch sei die Zahl der Studenten an ausgewiesenen Forschungs-Universitäten um 157 Prozent gewachsen. Dennoch hätten die Behörden den Lehrkörper nur um 40 Prozent ausgebaut.
Etwa im gleichen Zeitraum habe sich das Verhältnis von Studenten pro Professor laut Studie von 12,6 auf 26,1 mehr als verdoppelt. Dem gegenüber stehen drastische Sparmaßnahmen in der Bildungspolitik. Nach Angaben der Tageszeitung „Die Welt“ gebe der Staat Israel heute nur noch umgerechnet rund 5.600 Euro im Jahr für jeden Studenten aus. Vor 40 Jahren seien es mit 17.300 Euro mehr als dreimal soviel gewesen.
Die Frage ist nicht, ob Israel zu viele gute Forscher ausbildet, wie „Die Welt“ titelte. Vielmehr muss Israel Lösungen finden, wie man den „Brain Drain“ stoppen und das akademische Spitzenpersonal im eigenen Land halten kann. Es fehlen Haushaltsstellen für Spitzenakademiker an israelischen Forschungseinrichtungen. Mehr Geld für die Universitäten fordert daher Joseph Klafter, Tel Aviver Universitäts-Präsident.
„Es ist noch nicht zu spät, die Richtung zu ändern“, sagt Taub-Direktor Ben-David. Aber dazu müsse Israel seine nationalen Prioritäten überdenken und „auf den Pfad der ersten Jahrzehnte zurückkehren“. Dort sei aus Israel die „Start up-Nation“ geworden, die es bleiben müsse, wolle es in dem äußerst feindseligen Umfeld überleben.
Die Wahl der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger rückte das Abwanderungsproblem auch in den Fokus der israelischen Öffentlichkeit. Der Preis ging an Arieh Warshel und Michael Levitt – beide Israelis, die schon seit Jahrzehnten in den USA forschen (Israelnetz berichtete).

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