EU-Parlamentspräsident Tajani: Rückgabe von Raubgut grundlegend für Gerechtigkeit

Auf einer Konferenz in Brüssel fordern europäische Abgeordnete Gerechtigkeit für Juden, die während des Holocaust beraubt wurden. Parlamentspräsident Tajani plädiert für aktive Erinnerung, um eine Wiederholung der Scho'ah zu verhindern.
EU-Parlamentspräsident Tajani war Gastgeber der Konferenz zu Raubgut und Scho'ah-Gedenken (Archivbild)
EU-Parlamentspräsident Tajani war Gastgeber der Konferenz zu Raubgut und Scho’ah-Gedenken (Archivbild)

BRÜSSEL (inn) – Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Antonio Tajani, hat die Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust betont. Am Mittwoch eröffnete er in Brüssel eine Konferenz, die sich mit der Rückgabe von Raubgut aus der Nazizeit befasste. Grundlage war die „Erklärung von Terezin (Theresienstadt)“, die 2009 von 47 europäischen Ländern unterzeichnet wurde – dazu gehören auch alle 28 EU-Mitgliedstaaten. Sie erkennt „die Bedeutung der Rückgabe oder Entschädigung von Konfiszierungen in Zusammenhang mit dem Holocaust, die während der Zeit des Holocaust zwischen 1933 und 1945 gemacht wurden“, an.

„Der Holocaust war die schlimmste Tragödie in der europäischen Geschichte“, sagte Tajani. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Zeit uns vergessen lässt. Erinnern ist nicht nur ein Akt des Gedenkens. Es ist ein wesentlicher Prozess, wenn wir eine Wiederholung der Irrtümer der Vergangenheit verhindern wollen.“

Der italienische Politiker ergänzte: „Rückgabe, zusammen mit Erinnerung und Versöhnung, ist ein grundlegendes Element, um nach dem Holocaust Gerechtigkeit wiederherzustellen.“ Erinnerung warne vor der steten Gefahr des Antisemitismus. „Wenn wir sehen, dass Juden in Europa angegriffen werden oder weggehen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen, müssen wir reagieren.“ Europa sei die Vielfalt von Meinungen, von Religionen, von Vorstellungen. „Der Holocaust ist die Antithese der Vielfalt.“

Parlamentarier fordern mehr Aktivität

Abgeordnete des Europäischen Parlamentes forderten die Europäische Kommission und alle Mitgliedstaaten auf, Sondergesandte für Holocaust-Angelegenheiten zu ernennen, darunter auch für die Rückgabe. Dies solle die Aktivitäten beschleunigen, die Gerechtigkeit für die Opfer gewährleisten könnten. Auch Überlebende der Judenvernichtung nahmen an der Konferenz teil.

Die Tagung hatte die Europäische Allianz für Holocaustüberlebende (EAHS) organisiert. Ein weiterer Veranstalter war die „World Jewish Restitution Organization“ (Weltorganisation für jüdische Rückgabe, WJRO), die sich um die Rückgabe von Eigentum an in der Nazizeit beraubte Juden und deren Erben kümmert. Zudem war das „European Shoah Legacy Institute“ (Europäisches Institut für Scho’ah-Erbe, ESLI) vertreten, wie die Nachrichtenseite „European Jewish Press“ berichtet.

Israelische Ministerin begrüßt Bemühung um historische Gerechtigkeit

Der Vorsitzende der Jewish Agency, Natan Scharanski, sagte während der Tagung: „Es ist schon lange an der Zeit, dass alle Staaten, die die Erklärung von Terezin unterzeichnen, volle Verantwortung für die Erfüllung ihrer Pflicht übernehmen.“ Das ist nicht nur eine Angelegenheit einzelner Staaten, sondern „eine vielseitige europäische Angelegenheit“, zitiert ihn die israelische Tageszeitung „Ma’ariv“.

Das Büro der israelischen Ministerin für gesellschaftliche Gleichstellung, Gila Gamliel, teilte in ihrem Namen mit: „Ich begrüße die europäische Anstrengung, historische Gerechtigkeit zu schaffen und sich für die Rückgabe des geraubten jüdischen Besitzes an seine Eigentümer einzusetzen. Zwar mit einer Verspätung von mehr als 70 Jahren, aber besser spät als nie.“

Von: eh

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