„Die Vereinigten Staaten bekunden der Familie eines minderjährigen US-Bürgers ihre tiefsten Beileidswünsche, der durch die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte am 24. Oktober bei Auseinandersetzungen in Silwad getötet wurde“, ließ US-Außenamtssprecherin Jen Psaki am Freitag verlauten. Silwad liegt im Westjordanland, nordöstlich der Autonomiestadt Ramallah. Bei dem Toten handelt es sich um Orwah Hammad.
Aus der israelischen Armee hieß es, Soldaten hätten von einem Versteck aus einen Abschnitt der Schnellstraße 60 beobachtet. Sie hätten gesehen, wie der Jugendliche Brandbomben auf vorbeifahrende Autos warf. Daraufhin hätten sie das Feuer eröffnet, „um die Bedrohung für die Leben von Zivilisten auszuschalten, die auf der Schnellstraße fuhren“. Das Militär kündigte eine Untersuchung an.
Die Sprecherin des US-Außenministeriums teilte mit: „Vertreter des US-Generalkonsulates in Jerusalem stehen in Kontakt mit der Familie und sorgen für alle angemessene konsularische Unterstützung. Wir fordern eine schnelle und transparente Untersuchung und werden in enger Verbindung mit den örtlichen Behörden bleiben, die diese Untersuchung anführen. Wir rufen weiter alle Parteien auf, zu helfen, die Ruhe wiederherzustellen und eskalierende Spannungen zu vermeiden, angesichts der jüngsten tragischen Vorfälle in Jerusalem und im Westjordanland.“ Damit bezog sich Psaki auch auf den Angriff eines palästinensischen Autofahrers in Jerusalem, bei dem am Mittwoch ein Baby aus den USA ums Leben gekommen war (Israelnetz berichtete).
Tausende bei Beerdigung
Am Samstag kam es zu Zusammenstößen in Silwad. Jugendliche versperrten eine Straße und bewarfen israelische Fahrzeuge mit Steinen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, verletzt wurde niemand. Ein maskierter Palästinenser namens Muhammad kündigte Vergeltung für Orwah Hammads Tod an: „Wir sagen der Besatzungsarmee, dass wir weiter jeden Freitag und jeden Tag protestieren und aufeinanderprallen werden, um den Tod des Märtyrers zu rächen“, zitiert ihn die Tageszeitung „Jerusalem Post“.
Tausende Palästinenser nahmen am Sonntag in der Ortschaft an Orwahs Beisetzung teil. Zu Ehren des Getöteten waren alle Geschäfte in Silwad geschlossen, schreibt die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“. Die Beerdigung war auf Sonntag verschoben worden, weil die Bewohner die Ankunft des Vaters aus den USA und der Mutter aus Jordanien im Westjordanland abwarten wollten.