BIRMINGHAM (inn) – Der Ausschluss von Fans des israelischen Fußballklubs Maccabi Tel Aviv vom Europa-League-Spiel bei Aston Villa am 6. November beruhte auf einer fehlerhaften und einseitigen Sicherheitsanalyse. Das geht aus einem am 14. Januar veröffentlichten Zwischenbericht der britischen Polizeiaufsicht hervor.
Die Untersuchung unter Leitung von Aufsichtschef Sir Andy Cooke bestätigt zentrale Vorwürfe: Die Polizei der Metropolregion West Midlands bewertete Risiken falsch, übernahm unzutreffende Annahmen und ließ sich von eigenen Vorurteilen leiten.
Vorurteile statt Gefahrenanalyse
Cooke spricht in seinem Bericht ausdrücklich von einem „confirmation bias“ (Bestätigungsfehler): Führende Polizeibeamte hätten Informationen selektiv gedeutet, um eine bereits gefällte Entscheidung zu rechtfertigen, nämlich den Ausschluss israelischer Fans. Widersprüchliche oder entlastende Hinweise seien dagegen ignoriert worden. Die Anweisung zum Ausschluss erfolgte dann durch die für jedes Spiel im Villa Park in Birmingham verantwortliche Sicherheitsberatungsgruppe (SAG).
Die Maßnahme war in der Politik umstritten gewesen. Unter anderen kritisierte sie der britische Premierminister Keir Starmer (Labour): Mitte Oktober sprach er von einer „falschen Entscheidung“. Doch der Stadtrat von Birmingham verließ sich auf die Einschätzung der Polizei. Ein Fehler, wie sich jetzt herausgestellt hat.
Besonders bezeichnend war eine Befragung der verantwortlichen Polizeibeamten am 6. Januar im Innenausschuss des britischen Parlaments. Laut einem am Tag der Befragung erschienenen Zeitungsbericht wusste die Polizei bereits am 5. September, dass gewaltbereite Gruppen aus der Region planten, gegen die Fans aus Israel vorzugehen.
Der Abgeordnete Peter Prinsley (Labour) fragte, warum die Öffentlichkeit das erst jetzt erfahre. Die lakonische Antwort des inzwischen zurückgetretenen Polizeichefs Craig Guildford: Die Polizei sei ja erst jetzt danach gefragt worden. Eine Abgeordnete des Ausschusses zeigte sich durch die Antwort empört: „Absolut skandalös“, sagte sie. Die Vorsitzende des Ausschusses, Karen Bradley, ermahnte Guildford, der Ausschuss könne nicht einzeln nach jedem Detail fragen, die Polizei müsse proaktiv alle relevanten Auskünfte geben.
Verzerrte Darstellung der Amsterdamer Vorfälle
Zentrales Element der Sicherheitsbewertung war ein Spiel zwischen Ajax Amsterdam und Maccabi Tel Aviv im November 2024. Laut Cooke wurde dieses Ereignis einseitig und teilweise falsch dargestellt. Die Polizei West Midlands behauptete unter anderem, es seien 5.000 Polizisten im Einsatz gewesen (tatsächlich rund 1.200), ein pro-palästinensischer Demonstrant sei in einen Kanal geworfen worden (nicht zutreffend) und Maccabi-Fans hätten gezielt muslimische Stadtteile angegriffen.
Niederländische Polizeibehörden widersprachen diesen Darstellungen deutlich. Nach ihren Angaben wurden vielmehr israelische Fans gezielt attackiert, insbesondere nach dem Spiel. Auch dass Maccabi Tel Aviv danach internationale Spiele ohne größere Zwischenfälle absolvierte, floss laut Bericht nicht in die Bewertung ein.
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KI-generierter Bericht über ein Spiel, das nie stattfand
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch das Eingeständnis vom damals zuständigen Polizeichef Guildford, dass bei der Gefahrenanalyse Künstliche Intelligenz (Microsoft Copilot) eingesetzt wurde. Dabei entstand ein Bericht über ein angebliches Spiel zwischen Maccabi Tel Aviv und West Ham United im Jahr 2023 – ein Spiel, das es nie gab.
Die falsche Information gelangte dennoch in offizielle Unterlagen. Microsoft erklärte später, das Ergebnis sei nicht reproduzierbar. Bei der Befragung im Innenausschuss hatte Guildford noch behauptet, Künstliche Intelligenz sei nicht zum Einsatz gekommen. Am 12. Januar erklärte er, dass dies doch der Fall gewesen sei. Er bat den Innenausschuss um Entschuldigung für diesen Fehler. Ihm selbst sei zunächst berichtet worden, dass es sich um eine Google-Anfrage gehandelt habe. Er habe den Ausschuss nicht täuschen wollen.
Politische Konsequenzen und Vertrauensverlust
Die britische Innenministerin Shabana Mahmood (Labour) erklärte nach Veröffentlichung des Berichts, sie habe kein Vertrauen mehr in den Polizeichef. „Die Polizei hat die Bedrohung, die von den Maccabi-Tel-Aviv-Fans ausging, überbewertet, das Risiko für die israelischen Fans jedoch unterbewertet.“
Die Einschätzung zu Guildford fand parteiübergreifend Zustimmung. Dieser trat zwei Tage später, am 16. Januar, zurück. Er begründet dies aber mit der „medialen und politischen Aufregung“ um den Vorgang. Zusätzlich ermittelt nun das Unabhängige Büro für polizeiliches Verhalten (IOPC) wegen möglichen Fehlverhaltens.
Cooke betont zwar, es gebe keine Hinweise auf eine antisemitische Motivation innerhalb der Polizei. Gleichwohl sei Antisemitismus als realer Gefahrenfaktor vollständig ausgeblendet worden – während israelische Fans pauschal als Sicherheitsrisiko galten. (Tobias Köchling/df)
9 Kommentare
Israelis lieben „Sicherheitsgründe“ es sei den, sie sind der Gefahrenfaktor🤣.
Falls es Ihnen entgangen sein sollte, die Briten haben diesen Ausschluss veranlasst. Spiel, das nie stattfand, meine Zeit, da waren die Juden damals als Mörder unterwegs. Zynismus Ende.
Die Gefahr für Juden sind wohl bekannt, vielleicht sollte man diese Personengruppe in den Griff bekommen, Ludovico.
@Ludovico, Hamas und Konsorten ist und bleibt der Gefahrenfaktor. Überlegen Sie mal: Würden Sie lieber unter dem Regime der Hamas oder Israels leben? Eine simple Frage, die Sie uns wohl nicht beantworten werden. Oder doch?
@Jakob
Die Auswahl zwischen Apartheid oder Islamismus.
Würd ne Münze werfen.
Wollten Sie nicht mal ein paar Nachweise Ihr viel beschworenen Apartheidlüge bringen, Ludovico?
@Ludovico
Das ist keine direkte Antwort auf meine Frage. Bezüglich Apartheid: In Südafrika war Rassentrennung, in Israel nicht. Und warum wurde der Grenzzaun/Grenzmauer gebaut? Wegen der Terroranschläge auf Unschuldige (Einwohner, Sportler, sogar Schulbusse mit Kindern). Und auch vor der Staatsgründung Israels wurden die Juden angegriffen. Die Wahrheit ist nicht relativ!
Komisch, daß die Amsterdamer Polizei diese Verzerrung der Ereignisse vom November 24
scharf zurückgewiesen hat. Wie, Ludovico, erklären Sie sich das denn ?
Lügen die niederländischen Polizisten ?
@Klaus
Schaut man sich die Erklärung der Bürgermeisterin von Amsterdam an (Video), dann kann jeder sehen, dass sie erneut versucht, die Tatsachen um 180° zu verdrehen.
Premierminister Keir Starmer sprach er von einer „falschen Entscheidung“. Sie ist nicht die erste falsche Entscheidung und wird auch nicht die letzte falsche Entscheidung in Bezug auf israelische Bürger.