Israelische Kommentatoren sprachen von einem „KO-Schlag“. Auch sonst haben sich die Parteien des „rechten Lagers“ besser durchgesetzt als Parteien des linken Blocks. Eine neue Kraft aber ohne echte Macht stellt die neue „Gemeinsame Liste“ der Araber mit 14 Mandaten. Sie hatte schon vor den Wahlen ein Bündnis mit der „linken“ Meretz-Partei und eine Kooperation mit den „rechten Faschisten“ – so Ahmad Tibi – empört ausgeschlossen.
Viele Fragen werden jetzt an die Umfrage-Institute gerichtet. Diese haben sich allesamt mit ihren Prognosen und, schlimmer noch, bei ihren Hochrechnungen aufgrund von Parallelurnen nahe den Wahllokalen, total geirrt. Camil Fuchs, Leiter eines sehr angesehenen Umfrage-Instituts, sagte am Morgen nach den Wahlen, dass sich die politische Landschaft in Israel drastisch in der letzten Woche vor den Wahlen gewandelt habe. Das habe niemand vorhersehen können. Als Grund wurde die „Blitzkampagne“ Netanjahus genannt, der plötzlich „aufwachte“, und ein Interview nach dem anderen gegeben hatte. Zuvor hatte er fast eisern geschwiegen, vor allem in den israelischen Medien. In letzter Minute hatten die Rechten eine große Solidaritätsdemonstration in Tel Aviv organisiert, bei der Netanjahu „fast in Panik“ vor einem Sieg der Linken gewarnt habe. Das habe die rechten Wähler aufgerüttelt und an die Urnen gezogen.
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Herzog gratuliert zum Wahlsieg
Netanjahu hat schon am frühen Mittwochmorgen angekündigt, „umgehend und in großer Eile“ eine neue Regierung zusammenstellen zu wollen, nachdem er in der Nacht mit vielen Parteichefs telefoniert und sie aufgerufen hat, sich ihm anzuschließen. Jitzhak Herzog sagte am Morgen danach vor seiner Wohnung, dass er mit Netanjahu telefoniert und ihm zu seinem Erfolg gratuliert habe. Die Probleme seien die alten geblieben und Israel benötige eine „alternative Stimme“. Das „Zionistische Lager“ werde weiter für seine Standpunkte kämpfen, sagte der große Verlierer dieser Wahlen und verweigerte den fragenden Journalisten eine Antwort auf die Frage, ob er weiterhin seine Partei anführen werde. Eine Analyse von Ergebnissen in einzelnen Städten wie Kirijat Ono, Ramat Gan oder Be‘er Scheva zeigt, dass Jair Lapid mit seiner Partei „Jesch Atid“ stark eingebrochen ist. Seine Wähler scheinen ihre Stimme vor allem dem Likud gegeben zu haben. Angesichts des Wahlergebnisses wird Staatspräsident Reuven Rivlin keine Wahl haben. Bei einem so klaren Vorsprung wird er Netanjahu den Zuschlag zur Regierungsbildung geben müssen. In der Nacht gingen noch Gerüchte um, dass Rivlin bei Stimmengleichheit die Chefs der beiden großen Parteien zur Bildung einer Großen Koalition drängen wolle. Doch das scheint jetzt nicht mehr aktuell sein. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird am Donnerstagnachmittag bekanntgegeben, wenn auch die Stimmen der Soldaten ausgezählt sind. Die Wahlbeteiligung lag in diesem Jahr bei 71,8 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 1999. Bei den Knessetwahlen 2013 hatten 67,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. (uws)» Wahlprognosen: Likud gleichauf mit dem „Zionistischen Lager“ (inn)