ASTANA (inn) – Israels aschkenasischer Oberrabbiner Jona Metzger hat wegen der entführten Soldaten an islamische Führer appelliert. Sie sollten sich für die Freilassung der Geiseln einsetzen, forderte er am Dienstag bei einem interreligiösen Treffen in Kasachstan.
Der Rabbi zog während seiner Rede ein Blatt aus seiner Tasche, auf dem drei Fotos zu sehen waren. „Ich zeige Ihnen ein Bild von drei Menschen, die entführt wurden, ohne selbst etwas Falsches getan zu haben“, sagte er vor der Versammlung. „Sie hatte nicht vor, jemanden zu töten. Sie wurden nur entführt, weil sie Bewohner meines Landes sind. Ich appelliere von hier aus an die Führer des Islam: Tun Sie alles, um die Geiseln und Gefangenen aller Glaubensrichtungen zu befreien.“
Wenn dies nicht erreichbar sei, fügte Metzger hinzu, „dann lasst uns, als religiöse Führer, zumindest etwas Menschliches, Elementares tun: Ermöglichen Sie es der Mutter und dem Vater jeder Geisel oder jedes Gefangenen, grundlegende Informationen über dessen Zustand zu erhalten; ermöglichen Sie es dem Roten Kreuz, die Gefangenen zu besuchen“. Er sei bereit, alles ihm Mögliche zu tun, damit auch alle Häftlinge in seinem Land diese Rechte erhielten.
Der Oberrabbiner forderte die islamischen Führer zudem auf, die Holocaust-Leugner in ihrer Mitte zu verurteilen – und auch diejenigen, die Israel zerstören wollen.
Appell an kasachischen Präsidenten
Am Dienstagabend traf sich Metzger mit dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Er bat seinen Gastgeber, seine Beziehungen zu Syrien zu nutzen und mit dem dortigen Hamas-Führer Chaled Mascha´al in Kontakt zu treten. Bei diesem könne er sich für die Befreiung des Soldaten Gilad Schalit einsetzen, der seit dem 25. Juni in den Händen palästinensischer Terroristen ist. „Nasarbajew sagte mir: ‚Ich verspreche, alles zu tun, um die Beziehungen zwischen Israel und Kasachstan voranzubringen'“, berichtete der Rabbi gegenüber der Zeitung „Ha´aretz“. Er forderte den Präsidenten auch auf, dafür zu sorgen, dass jeder der entführten Soldaten eine Hebräische Bibel und ein Gebetbuch erhalte.
Bei der Konferenz hielt auch ein Vertreter aus dem Iran eine Rede – Ajatollah Sadiki Ruschd. Er sprach von „kollektiver Sicherheit“ als Vorbedingung für Frieden. „Wir beten zu Allah, dass er uns die Kraft gebe, unsere Nächsten zu lieben.“ Nach seiner Ansprache wandte sich ein „Ha´aretz“-Korrespondent in arabischer Sprache an den Iraner. Dieser gab ihm die Hand. Sobald er jedoch feststellte, von welcher Zeitung der Journalist kam, kehrte er ihm den Rücken und verschwand.
Der „Zweite Kongress der Führer von Welt- und traditionellen Religionen“ findet im „Palast des Friedens und des Zusammenklangs“ in der Hauptstadt Astana statt. Laut der israelischen Zeitung zogen es die meisten Redner vor, allgemeine Botschaften der Versöhnung und Hoffnung zu verkündeten. Sätze waren zu hören wie „Die Extremisten repräsentieren nicht die Religion“, „Der beste Weg ist der Dialog“, „Religion ist ein Aufruf zur Einheit unter Menschen“ oder „Religion kann nicht Quelle von Hass sein“.
Pakistani: „Israel muss 300.000 Häftlinge entlassen“
Harte Worte gab es dem Bericht zufolge kaum. Eine Ausnahme war vielleicht der pakistanische Gesandte, Mahmud Ahmed Ghasi. Er forderte, Israel müsse „300.000 Häftlinge“ entlassen, die es in seinen Gefängnissen festhalte. Erst dann könne es die Befreiung seiner Geiseln verlangen.
Der Kongress fand 2003 zum ersten Mal auf Nasarbajews Anregung statt. Der Präsident steht seit 1989 an der Spitze von Kasachstan. Dort gibt es gute Beziehungen zwischen der islamischen Mehrheit und den Minderheiten von Christen und Juden. Deshalb meint er, sein Land könne als Modell für andere dienen.