Ehemalige Geisel: Im Nasser-Krankenhaus an Zivilisten vorbeigegangen

Vor dem Weltsicherheitsrat schildert eine ehemalige Geisel ihre 55-tägige Gefangenschaft im Gazastreifen. Eine Station war das Nasser-Krankenhaus.
Von Israelnetz

NEW YORK (inn) – Eine ehemalige Geisel hat am Mittwoch vor dem Weltsicherheitsrat in New York von den Martern ihrer Gefangenschaft im Gazastreifen berichtet. Sie wurde zwischendurch auch im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis festgehalten. Auf dessen Gelände starben am Montag 20 Menschen bei einem israelischen Angriff, der nach Aussage der Armee einer Überwachungskamera der Terrorgruppe Hamas galt.

Ilana Gritzewsky wurde am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbuz Nir Os verschleppt. Dabei brach der Kontakt mit ihrem Partner Matan Zangauker ab. Vorübergehend verlor sie das Bewusstsein. Als sie erwachte, habe sie sich in einem Haus im Gazastreifen befunden – halbnackt, mit Knochenbrüchen an Kinn und Becken. Sie sei von Hamas-Terroristen umgeben gewesen, erzählte sie in der Sitzung des Sicherheitsrates. Ein Entführer habe sie vergewaltigen wollen. Als sie sagte, sie habe ihre Periode, habe er von ihr abgelassen.

Terroristen aßen Fleisch, Reis und Gemüse

Nach eigener Darstellung wurde sie während ihrer Gefangenschaft in mehreren Wohnhäusern und Tunneln festgehalten. Medizinische Versorgung für ihre Verletzungen gab es ebensowenig wie Hygieneprodukte und ausreichend Nahrung.

„Wenn Essenszeit war, nahmen sie eine Menge Lebensmittel in ihren Raum mit“, sagte sie über die Terroristen. „Sie hatten Fleisch, Reis und Gemüse. Gleichzeitig ließen sie uns mit unserer Mahlzeit zurück, die manchmal nur aus zehn Kichererbsen oder einem Stück trockenes Fladenbrot bestand, das nicht immer durchgebacken war.“ In den 55 Tagen verlor sie 12 Kilogramm Körpergewicht.

Psychologische Spielchen prägten demnach die Geiselhaft. Ein Entführer habe gesagt, sie sei schön. Er würde sie heiraten und mit ihr Kinder bekommen. „Selbst wenn es einen Deal geben sollte, würde ich nicht freigelassen.“

Die Entführer seien wie Zivilisten gekleidet gewesen, nicht in Hamas-Uniformen. Einer habe sich als Lehrer bezeichnet, ein anderer als Anwalt, fügte die 31-Jährige hinzu.

Nasser-Krankenhaus: Abgeriegelter Bereich für Hamas

Vier Tage vor ihrer Freilassung im November 2023 wurde Gritzewsky ins Nasser-Krankenhaus gebracht: „Sie nahmen uns mit durch den Hintereingang und ließen uns an allen Zivilisten vorübergehen“, erzählte sie laut einer Mitteilung des Geiselforums. „Im Krankenhaus war ein Bereich abgeschlossen und wurde nur von der Hamas genutzt, mit einem bewaffneten Wächter. Sie sperrten uns in einen Raum.“

In einem Tunnel sah sie daraufhin andere Geiseln, unter ihnen auch Eitan Horn und David Cunio. Von ihnen erfuhr sie, dass auch ihr Partner Matan in Gaza war. Die drei Israelis befinden sich immer noch in Gefangenschaft.

Als die Terroristen ihr mitteilten, dass sie freigelassen werde, habe sie sich geweigert. Sie habe die Entführer angefleht, Matan sehen zu dürfen. „Ich wusste: Wenn ich weggehe, würde meine Seele in Gaza bleiben.“ Doch sie durfte weder bleiben noch ihren Partner treffen – und ging „mit einem Loch im Herzen“ in die Freiheit.

Die ehemalige Geisel hielt im Sicherheitsrat ein Bild von ihrem Freund hoch und sagte: „Matan, bleibe stark. Verliere nicht die Hoffnung. Deine Mutter, Schwester, unser Hund Nuni und ich warten auf dich.“

„Heuchelei und Verrat“

Gritzewsky stammt aus Mexiko. Mit 16 wanderte sie allein nach Israel ein. Sie hat sich mit Menschenrechten befasst und mit internationalen Organisationen zusammengearbeitet. Dazu gehören das Kinderhilfswerk UNICEF und das Internationale Rote Kreuz.

Während ihrer Botschaft wechselte Gritzewsky vom Englischen ins Spanische und wandte sich nun als Mexikanerin an den Sicherheitsrat: „In Mexiko töten und foltern Kartelle Leute, und man nennt sie, was sie sind – Terroristen, Verbrecher, Delinquenten. Die Welt zögert nicht, sie zu verurteilen.“

Also wundere sie sich, sagte die ehemalige Geisel weiter: „Warum verurteilt man die Hamas, die Kinder lebend verbrennt, Frauen vergewaltigt, ihre Leichen verstümmelt, Kinder und Greise entführt, nicht in derselben Weise? Warum wird sie nicht als die Terrorgruppe eingestuft, die sie ist? Warum werden jüdische Opfer und ihre Darstellungen in Frage gestellt, wenn andere sofort geglaubt werden? Das ist nicht nur Heuchelei, es ist Verrat vonseiten des Rates.“

Sie appellierte an die Mitglieder des Gremiums: „Wenden Sie sich nicht ab. Suchen Sie nicht nach Ausreden. Lassen Sie nicht zu, dass politische Auseinandersetzungen die Stimmen der Opfer zum Schweigen bringen.“

Ohne USA: Sicherheitsrat fordert bedingungslose Waffenruhe

Der Rat indes verabschiedete ebenfalls am Mittwoch ohne die Stimme der USA einen Appell. Darin fordern die 14 Mitglieder eine unmittelbare, bedingungslose und dauerhafte Waffenruhe im Gazakrieg sowie die Freilassung aller Geiseln. Israel müsse ohne Bedingung alle Einschränkungen gegen Hilfslieferungen aufheben.

Der jüdische Staat weist Berichte über eine Hungersnot in Gaza zurück. Er wirft den UN vor, für Verzögerungen bei der Verteilung der Güter verantwortlich zu sein. Zudem stehle die Hamas einen Teil der Vorräte. (eh)

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10 Antworten

  1. Gefangenschaft in Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern in Gaza Dank der Mitwirkung der „unschuldigen“ Zivilbevölkerung.

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  2. Mittlerweile sollte jeder wissen, was in Gaza in Krankenhäusern, Schulen, Kitas, UNRWA Einrichtungen usw. vor sich ging und geht. Wobei intern. Presse es nicht berichtet. Vor wem haben die Angst? Vor Anschlägen? Wie damals in France?

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  3. Der UNsicherheitsrat fordert einen bedingungslosen Waffenstillstand – einzuhalten exclusif von Israel natürlich – und, nun ja, die Freilassung der Geiseln. Glauben diese Spitzendiplomaten tatsächlich, dass die Hamas nach einem bedingungslosen Waffenstillstand irgend jemanden freilässt ?

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  4. Gerade die öffentliche Schilderung ist wichtig. Wenn Friedrich Merz ein ehrlicher Mensch wäre…, würde er sich diese Schildung zu Herzen nehmen. Denn nicht nur der Mainstream ignoriert die Berichte über die Menschenverachtung der Hamas ggü. den Geiseln, sondern vor allem auch die Bundesregierung.
    Die WAHRHEIT muss in Europa ankommen, in den USA ist dies der Fall, in Deutschland nicht.

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  5. Ganz starke Frau, Respekt! Das sind genau die klaren und mutigen Worte, die es braucht, kein weg ducken, keine Angst vor Anschlägen im eigenen Land…. Druck anderer Länder auf die – Hamas – muss endlich verurteilt werden! Danke Ilana 🙏❤️🇮🇱

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  6. Wie kann nach dem 7. Oktober 2023 ignoriert oder verleugnet werden, dass die hamas-Barbarei an Unverhältnismäßigkeit keinesfalls zu überbieten ist?
    Wer angesichts der hama-Gräuel immer noch die Verhältnismäßigkeit der israelischen Reaktion auf den Genozid des 7. Oktobers anzweifelt, der outet sich als Antisemit!
    Jede andere Regierung würde nach der Prämisse vorgehen:
    An erster Stelle steht der Schutz für unsere Geiseln und ihre bedingungslose Freilassung.
    Erst wenn die unschuldigen Geiseln frei sind, kommen Bemühungen um die Bewohner im Feindesland an die Reihe.
    Die israelische Armee handelt freilich – anders als JEDE andere Armee – fürsorglich für die Bewohner Gazas, obwohl unschuldige israelische Geiseln immer noch von hamas-Verbrechern ihrer Freiheit beraubt sind und brutale Folter erleiden.
    Wie kann es sein, dass es immer noch Medien gibt, die auf hamas-Lügenpropaganda anspringen?
    Wie ist es für denkende Menschen möglich zu übersehen, dass ganz Israel mit Psychofolter gemartert wird?
    Eine fast verhungerte Geiseln dabei zu filmen, wie das eigene Grab geschaufelt werden muss?
    Wer oder was ist hamas und deren Geprahle in Schamlosigkeit zu eigenen Verbrechen?
    Welch Schande für jeden Einzelnen, der bis heute kein Wort der Verurteilung des 7. Oktober 2023 äußerte!

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  7. Die Terroristen sagten zu Ilana Gritzewsky, selbst wenn es einen Deal geben sollte, würde sie nicht freigelassen. Sie hat in 4 Wochen 12 kg Gewicht verloren und musste ständig Angst haben, vergewaltigt zu werden. Mir wird übel beim Lesen.
    Wie kann man von einer bedingungslosen Waffenruhe sprechen, wenn unschuldige Geiseln unter solchen Bedingungen dahin vegetieren? Dieser Deal, dem Hamas offenbar „zugestimmt“ hat, fordert für jede von den 10 lebenden Geiseln die Freilassung von 60 Verbrechern. 140 sind zu lebenslanger Haft verurteilt. Es sträubt sich alles in mir. So kann Hamas nicht vernichtet werden. Aber ich leide auch unendlich mit den Geiseln und stehe zu Nethanjahu, ALLE müssen bedingungslos freikommen.

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