Dokumentation über Mütter von Attentäterin und Opfer

JERUSALEM (inn) – Am Mittwochabend hatte ein Film auf dem Jerusalem Film-Festival Premiere, der den Tod zweier Mädchen vor fünf Jahren behandelt: die 17-jährige Palästinenserin Ajat al-Akhras sprengte sich und die gleichaltrige Israelin Rachel Levy in Jerusalem in die Luft.

„To Die in Jerusalem“ („Um in Jerusalem zu sterben“) lautet der Titel der Dokumentation der israelischen Regisseurin Hilla Medalia. Die 30-Jährige interviewte die Mütter der beiden Mädchen, die am 29. März 2002 starben. Damals bewegte dieser Anschlag in einem der blutigsten Monate der so genannten „zweiten Intifada“ die Medien besonders. Das amerikanische Magazin „Newsweek“ brachte Fotos der beiden Mädchen auf seiner Titelseite. Die Schülerin Rachel wollte einen Botengang für ihre Mutter erledigen. Sie war gerade bei einem Supermarkt in Jerusalem, als sich die 17-jährige Ajat am Sicherheitsmann am Eingang vorbeidrückte und in dem Laden in die Luft sprengte. Die Palästinenserin selbst, der Sicherheitsmann und Rachel kamen dabei ums Leben.

Die Dokumentation beginnt sechs Monate nach dem Bombenattentat, als Abigail Levy, die Mutter des israelischen Opfers, versuchte, die Mutter der Attentäterin, Um Samir al-Akhras, zu treffen. Der Film erlaubt einen Blick in die Familie der Attentäterin, die in den Augen vieler Palästinenser eine „Märtyrerin“ ist. Die junge Frau interessierte sich für Journalismus, erzählen die Eltern. Sie klagen über den Tod ihrer Tochter. „Wenn ich (von dem geplanten Attentat) gewusst hätte, hätte ich sie aufgehalten, auch mit Gewalt“, sagt Um Samir al-Akhras. Rachel und Ajat gingen kaum sechs Kilometer voneinander zur Schule.

„Ich lehre meinen Kindern stets, andere zu lieben“, sagt der Vater der Attentäterin in dem Film. Dann äußert er zur Begründung des Attentats: „Unglücklicherweise haben die Praktiken der Besatzer wie Tötungen, Zerstörungen und Verhaftungen dazu beigetragen, dass die palästinensischen Jungen und Mädchen ihre Überzeugungen geändert haben.“ An anderer Stelle des Films sagt der Vater: „Jeder übt auf seine Art Widerstand gegen die Besatzung, manche mit Geschossen, andere mit Worten oder mit Kunst“.

Nach ihrer Premiere auf dem Jerusalemer Film-Festival läuft die Dokumentation am 21. August auf dem internationalen Film-Festival von Edinburgh. Auch der amerikanische Bezahlsender HBO will den israelischen Film demnächst ausstrahlen.

Mehr Informationen finden sich unter www.todieinjerusalem.com.

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