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„Deutschland ist ein Super-Trend in Israel“

Trotz des Einbruches nach dem Gaza-Konflikt wird auch 2014 ein Rekordjahr für den Israeltourismus. Das zumindest prognostiziert der Leiter des Israelischen Verkehrsbüros in Berlin, Uri Sharon. Mit Israelnetz hat er über Sicherheit, Maßnahmen gegen hohe Preise und die Zusammenarbeit mit den Palästinensern gesprochen.
Sieht eine besondere Anziehung zwischen Deutschen und Israelis: Uri Sharon

Israelnetz: Herr Sharon, Europäer, die an einer Israelreise interessiert sind, fragen oft als Erstes nach der Sicherheit. Wie sicher ist das Land derzeit für Touristen?

Uri Scharon: Gerade in Israel befinden sich Tausende von Touristen. Israel ist heutzutage sicher. Was in den Medien losgeht, ist immer viel schlimmer und negativer als das, was in Israel passiert. Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich war viele Jahre als Guide tätig. Man ist mit den Touristen am See Genezareth, in Tel Aviv oder anderswo, da sagen viele: Man spürt hier nichts. Zwei Sachen zeigen meiner Ansicht nach, wie sicher Israel ist und wie wohl sich die deutschen Touristen fühlen.
Erstens, es gibt so eine Art Fragebogen für die Touristen: Wie haben sie sich in Israel gefühlt, haben sie sich sicher gefühlt? Wir bekommen sehr gute Resultate, die Leute fühlen sich sicher. Ich glaube, der Hauptgrund ist eigentlich, weil sie die Israelis sehen. Die Israelis sind lebensfreudig, sie fühlen sich sicher, man sieht Jugendliche auch in der Nacht wieder. Und wenn man sieht, dass die Israelis sich gut fühlen und zufrieden sind, dann können das auch die Touristen. Was das noch stärker betont: 45 Prozent der deutschen Touristen sind Wiederholer. Und wenn ein deutscher Tourist innerhalb von zwei bis drei Jahren nach Israel wiederkehrt, zeigt das genau, dass er sich dort wohl und sicher fühlt.

Im März prognostizierten Sie, dass der Israeltourismus nach zwei Rekordjahren in Folge noch einmal um 5 bis 7 Prozent steigen würde. Doch aufgrund des Gaza-Konfliktes hat der Aufschwung einen deutlichen Dämpfer erlitten. Viele Gruppenreisen wurden abgesagt. Mit welchen Argumenten wollen Sie verunsicherte Anbieter und Interessenten beruhigen?

Israel ist ein Staat, der die Situationen gut kennt und die richtigen Maßnahmen ergreift, um sich selbst und die Touristen zu beschützen. Wie gesagt, es gibt viele Touristen, gerade in Israel, die sich total gut fühlen. Wir denken, dass wir auch bis Ende des Jahres insgesamt ein Wachstum sehen werden, obwohl natürlich die Zahlen im Juli, August zurückgegangen sind. Aber bis Juli haben wir super Zahlen gehabt, 30 Prozent mehr im Vergleich zum letzten Jahr. Und bis Ende des Jahres werden wir eine Steigerung sehen, wahrscheinlich um die 3 oder 4 Prozent. Dazu trägt natürlich auch die gute Verbindung zwischen Israel und Deutschland bei. Es gibt mehr als 77 wöchentliche Flüge.

Anfang 2013 wurde auf dem Weltwirtschaftsforum eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus vorgestellt. Demzufolge hat Israel wegen steigender Preise an Attraktivität verloren. Was können Sie denjenigen sagen, denen eine Reise zu teuer ist?

Weil wir so eine große Steigerung in den Zahlen haben in den letzten zwei Jahren, haben wir an manchen Orten und in manchen Perioden nicht genug Kapazitäten. Das ist Israel bewusst, und wir sind dabei, Tausende Hotelzimmer zu bauen, in allen Preisklassen. Wenn es weitere Hotelzimmer, Campingmöglichkeiten und auch Hostels geben wird, wird der Preis sinken.
Was noch zur Senkung der Preise geführt hat, ist der Wettbewerb zwischen den Airlines. Ich glaube, das wird sich noch drastisch erhöhen. Wir hatten erst im letzten Jahr zwei neue Airlines, die anfangen, Israel anzufliegen. Easyjet hat angefangen, von Berlin zu fliegen. Und jetzt haben wir gehört, dass Germania zweimal die Woche ab Hamburg fliegen wird, und auch ab Baden-Baden. Dazu haben die traditionellen Airlines aufgestockt. Und dieses Open-Sky-Abkommen, das vor etwa einem Jahr zwischen der EU und Israel unterschrieben wurde, führt zu einem besseren Wettbewerb zwischen den Airlines. Das wird natürlich auch zu einer Preissenkung beitragen.

Im Oktober hat eine Kampagne im Internet für Furore in Israel gesorgt: Die Facebook-Seite „Olim leBerlin“ rief Israelis zur Einwanderung nach Berlin auf – wegen der geringeren Lebenshaltungskosten. Was spricht dafür, dass Deutsche Israel aufsuchen?

Das geht wirklich in beide Richtungen. Ich glaube, das ist faszinierend für beide Länder und Völker. Deutsche und Israelis interessieren einander. Schon seit einigen Jahrhunderten gibt es diese starke Anziehungskraft zwischen den beiden Völkern und Kulturen, und jetzt zwischen den beiden Ländern. Es gibt immer wieder einen interessanten Austausch zwischen Israelis und Deutschen auch vor Ort. Und das führt zu guten Erfahrungen bei den deutschen Touristen. Das ist dann nicht nur ein Besuch, sondern die Besucher lernen Israelis kennen.

Viele Deutsche befürchten, in Israel wegen der Geschichte auf Ablehnung zu stoßen. Gibt es da noch Vorbehalte?

Gerade Deutschland ist ein Super-Trend in Israel. Bei der letzten WM war ich auch in Bars, in Restaurants. Man hat da die Spiele gesehen, und wenn Deutschland gespielt hat, gegen wen auch immer, war Israel für die deutsche Mannschaft. Ich habe gesehen, dass viele Israelis Fans der „Mannschaft“ sind. Für mich zeigt das, wie die Atmosphäre gegenüber Deutschland gerade ist. Wir wissen, dass auch Berlin ein Ziel für Israelis ist und einen guten Ruf hat. Es gibt sehr viele israelische Touristen. Berlin, Schwarzwald, Hamburg und andere Richtungen. Vor fünf, sechs Jahren war Deutschland kein wichtiges Reiseziel für Israelis. Jetzt ist es ein wichtiges Reiseziel. Auch wenn die Israelis hier in Deutschland sind, gibt es einen interessanten Austausch, und wenn die Deutschen in Israel sind, werden sie sehr gut aufgenommen. Sie können sich auf interessante Gespräche mit Israelis vorbereiten.

Was zeichnet Israel als Reiseziel gegenüber anderen Ländern besonders aus?

Israel ist wirklich faszinierend, weil es so einen „Wow-Faktor“ hat – so nenne ich das. Deutsche, die nie in Israel waren, wissen nicht, was sie erwartet. Sie haben so ein kleines Unsicherheitsgefühl. Und sie wissen nicht genau, wo man Israel einordnen soll. Ist es neu, ist es alt, ist es Orient, ist es ein modernes Land? Auch, was die Medien projizieren, macht Israel unklar. Als Guide habe ich das oft gesehen. Der Deutsche kommt, er landet in Ben-Gurion. Er ist total beeindruckt, es ist ein ganz neuer Flughafen, und alles funktioniert. Und dann, in den ersten 24 Stunden, beobachtet er genau. Ist es wie in den Medien, wie das, was ich so denke? Und sie entdecken, dass es überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was sie sich vorgestellt hatten. Dann kommt dieser Wow-Faktor.
Israel ist wirklich einzigartig in der Weltgeschichte. Die Geschichte von Israel als neues Land, die im Orient ist, eine Brücke zwischen Alt und Neu, Moderne und Antike, Tradition und Hightech. Israel präsentiert eine interessante Brücke zwischen Ideen, Kulturen, Religionen und Epochen. Das führt wirklich zu einer sehr guten, interessanten Erfahrung.

Gerade christliche Touristen sind auch an Zielen interessiert, die im Verantwortungsbereich der Palästinensischen Autonomiebehörde liegen. Wie gestaltet sich derzeit die Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Tourismusministerium und den palästinensischen Vertretern im Westjordanland?

Viele Touristen gelangen leicht von Jerusalem nach Bethlehem. Letztes Jahr waren mehr als eine Million Touristen in Bethlehem. Darum glaube ich, es funktioniert sehr sehr gut. Sie gehen hin und kommen zurück. Wenn jemand Bethlehem wählt, kann er es natürlich besichtigen. Und für einen Pilger ist es ein Teil der emotionalen spirituellen Erfahrung. Ein Gesamtbesuch in den Fußspuren von Jesus.

Wie können Besucher aus Europa zu einer friedlichen Atmosphäre im Land beitragen?

Tourismus für sich selbst schlägt eine Brücke. Es ist extrem wichtig, dass die Leute sich selbst informieren und auch wirklich nach Israel fahren, um ihre eigene Meinung zu bilden. Ich glaube, was den deutschen Touristen auszeichnet: Er ist ein Profitourist. Die Deutschen informieren sich, stellen viele Fragen, und sie wollen die Sachen auch vor Augen sehen. Wenn sie vor Ort sind, dann ist es für viele Gruppen wichtig, auch an einer Begegnung teilzunehmen. Es gibt mehrere Organisationen, „Chefs for Peace“ oder Jerusalem Center for Jewish-Christian Relations (jcjcr) und das Elijah-Institut in Jerusalem, es gibt wirklich mehrere Dialogmöglichkeiten und Organisationen. Man muss sich einfach davor informieren, welche Veranstaltungen es gibt und mit welcher Organisation man eine Verbindung herstellen kann, um dort an solch einem Programm teilzunehmen.

Herr Sharon, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Fragen stellte Elisabeth Hausen.

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